Interview

Tayfun Belgin: Museen müssen sinnlicher werden

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Hagen. Es steht fest: Das (Wieder-)Eröffnungsdatum für das Karl Ernst Osthaus- und das Emil Schumacher-Museum in Hagen ist - wie gemeldet - aufs Frühjahr 2009 verschoben worden.

Damit rückt die künstlerische Ausrichtung der Museen in den Mittelpunkt des Interesses. WR-Redakteur Christoph Bauer sprach mit Tayfun Belgin, dem Direktor des Osthaus-Museums.

Sind Sie enttäuscht über diese doch deutliche Verschiebung des Eröffnungstermins?

Tyfun Belgin: Jeder Museumsdirektor möchte selbstverständlich sein Haus nach einer Renovierung so schnell wie möglich eröffnen. Wir werden diese zusätzliche Zeit nutzen, um unsere Erstpräsentation präzise vorzubereiten. Zudem können wir die neue Klimaanlage optimal ausprobieren.

Was wird es im Emil Schumacher Museum zu sehen geben?

Im ersten Jahr wird das Emil Schumacher Museum eine repräsentative Auswahl aus der Stiftung und aus dem Besitz des Karl Ernst Osthaus Museums zeigen. Also: die großen Bildobjekte im 2. Obergeschoss, Arbeiten auf Papier sowie Keramik im 1. Obergeschoss.

Und im Stammhaus, dem Osthaus Museum?

In den ersten drei Monaten zeigen wir unseren Stolz, sprich: Highlights aus den eigenen Sammlungen.

Also nicht viel Neues?

Im Gegenteil, alle Räume werden verändert, alles wird neu bespielt. Im historischen Folkwang-Gebäude von van de Velde wird die klassische Moderne ihren festen Platz bekommen. Im Anbau aus den 70er Jahren werden wir Kunst aus der Zeit nach 1945 zeigen. In der durch den Umbau hinzugekommenen Neuen Galerie werden wir junge experimentelle Kunst präsentieren.

Sie wollen nicht nur Kunstkenner ansprechen, sondern auch für den Nachwuchs etwas tun?

Ja! Die Museumspädagogik wird ein wichtiger Bestandteil unseres Museumsprogramms. Wir werden eine große Fläche für museumspädagogische Wechselausstellungen haben.

Was können die Besucher im Osthaus-Museum außerdem erwarten?

Nach der Eröffnungsschau werden wir zwei Ausstellungen aus der Klassischen Moderne präsentieren. Näheres darf ich noch nicht sagen, weil erst alle Verträge unterschrieben sein müssen. Die beiden Ausstellungen werden aber zweifellos ein größeres Publikum ansprechen.

Also keine Experimente?

Sicherlich werden wir Experimente einbinden. Es kann auch durchaus sein, dass wir den gesamten Wechselausstellungsbereich einmal für experimentelle und junge Kunst öffnen.

Blicken wir mal in die Zukunft. Wo geht es hin?

Das neue Osthaus Museum wird sich in den ersten Jahren in der Öffentlichkeit und auf dem Kunstmarkt positionieren müssen. In den vergangenen zwei Jahrzehnten war das Museum für eine eher wissenschaftliche Kompetenz bekannt. Ich will dagegen ein sinnliches Haus mit Kunst zum Genießen. Ich möchte so wieder Förderer und Sponsoren gewinnen und an unser Haus binden. Wir wollen auch wieder einen Förderverein für das Osthaus-Museum gründen, da der vorherige sich 2004 aufgelöst hat.

Das ist das Organisatorische. Und künstlerisch?

Unsere Vision ist es, nach einer Anfangsphase wieder überregionale und später auch internationale Kompetenz zu gewinnen. Für dieses Ziel stehen mir jetzt schon strategische Partner zu Verfügung, mit denen wir gemeinsame Ausstellungsprojekte realisieren können.

In drei Jahren ist das wichtige Jahr 2010 schon Geschichte. Was planen die Museen für das Jahr der Kulturhauptstadt?

2010 wird in der Tat ein besonderes Jahr. In der Zusammenarbeit mit den 17 Museen des Ruhrgebiets wird eine besondere Präsentation zum "Hagener Impuls" entstehen. Aus einer anderen Kulturhauptstadt dieses Jahres, nämlich Istanbul, zeige ich eine Sammlung, die einen Überblick türkischer Kunst der letzten 40 Jahre präsentieren wird.

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