Sein schnoddriger Akzent war unverkennbar, die Typen, die er spielte, Kult: Mit Ralf Richter hat das Ruhrgebiet einen seiner bekanntesten Schauspieler verloren. Er sei in der Nacht zu Dienstag zu Hause in Köln friedlich eingeschlafen, sagte seine Managerin. Sein Tod im Alter von 69 Jahren sei damit „unerwartet und viel zu früh“ gekommen, so Heidrun Buchmaier.

Seine Kinder schrieben in ihrer gemeinsamen Erklärung: „Für uns ist gerade eine Welt stehen geblieben.“ Für viele Fans sei er Schauspieler, Kultfigur und ein Gesicht, das sie über viele Jahre begleitet habe. Für die Kinder sei er aber vor allem der Vater gewesen. Die beiden erwachsenen Kinder bedankten sich bei den Fans für die Liebe und Wertschätzung für ihren Vater in den vergangenen Jahren.

Ralf Richter als „ein fröhlicher und liebevoller Mensch“ beschrieben

Seinem Vater sei es seit Längerem gesundheitlich schlecht gegangen, sagte Richters Sohn der „Bild“. „Er litt an COPD und einer Herzunterfunktion. Eine Vene zum Herzen hat nicht mehr richtig gearbeitet“, so Maxwell Richter. „Deshalb war er schon vor ein paar Monaten in der Klinik. Danach hat er weiter abgebaut.“ COPD (Chronic Obstructive Pulmonary Disease) ist eine chronische und fortschreitende Lungenerkrankung.

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„Er war immer ein fröhlicher und liebevoller Mensch, der immer etwas plante. Das war bis zuletzt so“, sagte Managerin Buchmaier der Deutschen Presse-Agentur. Dabei sei er in den Rollen zwar rau, privat aber ein absoluter Familienmensch gewesen. Richter wurde vor allem durch seine Darstellung unangepasster Typen mit rauem Ruhrgebiets-Charme bekannt.

Geboren wurde Richter 1957 in Essen, wuchs mit sieben Geschwistern in Bochum auf. Im Anschluss an seine Schreinerlehre studierte er von 1977 bis 1979 an der Schauspielschule Bochum. Schon 1981 machte ihn seine Rolle als Zentralmaat Frenssen in „Das Boot“ einem internationalen Publikum bekannt.

Die Rolle seines Lebens: Ralf Richter und seine Grabowskis

Mit der Rolle als Kalle Grabowski im Ruhrgebietsklassiker „Bang Boom Bang“ erlangte Richter Kultstatus. In dem Kinofilm von Regisseur Peter Thorwarth lernte man den Schauspieler 1999 insbesondere als überdrehte Nebenfigur Kalle Grabowski kennen und lieben: ein cholerischer Ex-Knacki mit Vokuhila und Lederjacke, der nach seiner Entlassung von seinem Kumpel Keek den längst durchgebrachten Anteil an einem Bankraub zurückfordert - und damit eine irrwitzige Gangstergeschichte in Gang setzt.

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Die Figur Grabowksi genießt bis heute derart Kultstatus, dass sie mittlerweile eine eigene Klamottenmarke ist. „Uns hat die Nachricht von Ralf seinen Tod, von den Füßen gehauen. Wir sind in tiefer Trauer und werden Ralf immer tief im Herzen tragen“, heißt es am Mittwochmorgen auf der Internetseite des Onlineshops. Dort gibt es Shirts und Hoodies mit markigen Zitaten Grabowskis – jener Rolle, die Richter auf den Leib geschneidert war. „Alles auf Horst“, „Mann, Doo!“ und „90 Minuten Hardcore“ gehören zu jenen Bonmots, die längst außerhalb der „Bang Boom Bang“-Blase zum Kulturgut gehören.

Schauspieler Ralf Richter ist tot
Der Schauspieler Ralf Richter ist im Alter von 69 Jahren in Köln gestorben, wie seine Managerin im Namen der Familie bestätigte. Das Archivbild zeigt ihn im Jahr 2015 bei einem Besuch im rewirpower Stadion in Bochum.© Bernd Thissen/dpa | Bernd Thissen

Auch in den folgenden als „Unna-Trilogie“ bekannten Thorwarth-Filmen verkörperte Richter zwielichtige Ruhrpott-Typen vom prolligen Bauarbeiter in „Was nicht passt, wird passend gemacht“ bis zum Zuhälter in „Goldene Zeiten“. Wegen des Kultstatus seiner Rollenfiguren Karl-Heinz (Kalle) und Harry Grabowski startete Richters Sohn Maxwell 2014 das Projekt „Grabowski – Alles für die Familie“. Das Drehbuch schrieben Vater und Sohn gemeinsam, sammelten über Crowdfunding eine Summe von 127.000 Euro ein. Umgesetzt wurde das Projekt nicht mehr.

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„Das Boot“ machte Ralf Richter auch international bekannt

Sein Durchbruch gelang Ralf Richter im Kriegsfilm „Das Boot“, wo er neben Jürgen Prochnow, Uwe Ochsenknecht und Herbert Grönemeyer spielte. Obwohl er damals gerade 24 Jahre alt war, schuf er mit der Figur von Frenssen eine der markantesten Rollen. Mit seinem Prototyp des ungeschliffenen Seemanns und seiner direkten Sprache legte er den Grundstein für seine späteren Rollen. Wiederholt stand Richter auch für Fernsehserien wie „Tatort“ oder „Der Fahnder“ vor der Kamera.

Herbert Gronemeyer, Ralf Richter & Heinz Hoenig Characters: Lt. Werner - Correspondent,Frenssen,Hinrich Film: Das Boot;
Mit der Verkörperung des Zentralemaats Frenssen gelang Ralf Richter (2.v.l.) 1981 an der Seite von Herbert Grönemeyer (l.), Heinz Hoenig (r.) der Durchbruch. © Rights Managed via www.imago-images.de

An der Seite von seinem Schauspieler-Freund Claude-Oliver Rudolph schlüpfte er 1983 in „Rote Erde“ von Klaus Emmerich in die Rolle eines Bergmanns. Kernige Ruhrpott-Typen verkörperte er seither immer wieder in Komödien – etwa als halbseidener Hallodri oder liebenswerter Prolet, wie er ihn in der Urlaubssatire „Superstau“ oder in der Fußball-Komödie „Fußball ist unser Leben“ sowie dem Raodmovie „Manta – Der Film“ gab.

Noch Ende August hatte unsere Zeitung Richter zu seinem jüngsten Projekt befragt: So sprach er zuletzt das Hörbuch zur Autobiografie von Metal-Urgestein und „Rage“-Frontmann Peavey Wagner ein. Obwohl eigentlich in der Klassik zu Hause, wurde Richter zum erklärten „Rage“-Fan, besuchte die Band sogar beim Wacken-Festival. Als Vorleser und Synchronsprecher lieh Richter seine unverkennbar raue Stimme häufig aus, war unter anderem die deutsche Stimme von Danny Trejo und Steve Coogan. „Ich habe sechs jüngere Geschwister und mittlerweile sieben Enkelkinder – vorlesen kann ich“, sagte er in unserem letzten Gespräch. Nicht nur ihnen wird er fehlen. mit afp und dpa