Die bisherigen Dekanate des Erzbistums Paderborn werden im Zuge des Reformprozesses in neue Seelsorgeräume umgewandelt. Das teilte das Erzbistum am Freitag mit. Nur zwei Ausnahmen gibt es: Das bisherige Dekanat Hochsauerland-Ost wird in zwei Seelsorgeräume geteilt, den Seelsorgeraum Bigge-Olsberg/Medebach-Hallenberg/Winterberg sowie den Seelsorgeraum Brilon-Marsberg. Auch das bisherige Dekanat Bielefeld wird geteilt.
Künftig bilden die 21 Seelsorgeräume jeweils eine Pfarrei. Jedoch: „Die Ausnahmen, dass ein Seelsorgeraum aus mehreren Pfarreien besteht, gibt das Erzbistum vor“, so heißt es in der Mitteilung vom 8. Mail. Diese möglichen Ausnahmen sind vor allem für das Sauerland interessant mit seinen flächenmäßig riesigen Dekanaten und weiten Wegen. Dazu lagen bis gestern aber noch keine Informationen vor.
Gemeinden in der Diaspora
Unklar ist ebenfalls noch die Rolle der Pfarrgemeinden in der Diaspora, besonders im evangelisch geprägten Wittgensteiner Land. Müssen die Wittgensteiner Katholiken künftig nach Siegen in die Messe?
Derzeit gibt es 603 Pfarrgemeinden im Erzbistum Paderborn. Diese werden aufgelöst und in die neuen 21 Seelsorgeräume überführt. Das soll durch schrittweise Fusionen erfolgen. Auch dabei gebe das Erzbistum Ausnahmen von diesem Verfahren vor, heißt es. Hier besteht ein Konfliktpunkt darin, dass bei einer Fusion auch das Vermögen der bisherigen Pfarrgemeinden fusioniert würde, also etwa Grundbesitz und Wald sowie Immobilien. Zweckgebundenes Vermögen (Stiftungen) soll nach der Fusion zweckgebunden bleiben. Unklar ist, ob darüber dann künftig weiter vor Ort entschieden werden kann oder in den Pastoralen Zentren der Seelsorgeräume. In anderen Diözesen, die sich ebenfalls in einer pastoralen Transformation befinden, entzündet sich an diesem Punkt erbitterter Widerstand.
Dezentrale Netzwerke
„Wenn es innerhalb eines Seelsorgeraumes möglichst nur eine Pfarrei gibt, werden Zuständigkeiten klarer, Entscheidungswege einfacher und Verwaltungsstrukturen schlanker“, so das Bistum. Die Pfarrgemeinden vor Ort verlieren perspektivisch ihre lokal angesiedelten Geistlichen, sofern sie noch welche haben, aber auch ihr lokales Angebot an Messen, Andachten, Beichten etc. Dennoch soll kirchliches Leben in der Fläche weiterhin stattfinden, und zwar überwiegend von ehrenamtlichen Akteuren organisiert. „Auf dem Weg zu einer zunehmend ehrenamtlich getragenen Kirche in vielgestaltiger Form setzt das Erzbistum auf eine Vielfalt dezentraler selbstorganisierter Initiativen und Netzwerke“, heißt es in der Mitteilung.
Ehrenamtliche werden qualifiziert
Die neuen Seelsorgeräume sollen kooperativ von einem Leitungstrio geführt werden. Jeder Seelsorgeraum erhält zudem die Stelle eines Engagement-Förderers. Außerdem sollen Ehrenamtliche durch Programme qualifiziert werden.
Bis November 2026 soll durch eine Inventur ein Profil jedes Seelsorgeraums erstellt werden. Die Engagement-Förderer sollen im Herbst startet. Am 1. Advent werden die 21 Seelsorgeräume errichtet. „Ab dem Jahr 2028 kommt es sukzessive zur Fusion der Kirchengemeinden und dem Aufbau der Substrukturen in den Seelsorgeräumen“, so das Bistum.


