„Erschrecken und Erstaunen“ ist das Motto der 80. Ruhrfestspiele: Habe er mit seinem Thema in der Vergangenheit häufig Reibungspunkte erzeugt, müsse er in diesem Jahr nicht viel erklären, sagt Intendant Olaf Kröck und versichert: „Ich will den Fokus auf das Erstaunen legen.“ Das Entsetzen hatte lange vor dem Theaterfestival eingesetzt: als am 26. April die Shieveh Theater Company aus dem Iran ihre Teilnahme absagen musste. Eine Ausreise aus dem Land sei derzeit nicht möglich. Die Produktion „Das Kind“ war als zentrale Schauspielproduktion der diesjährigen Festspiele eingeladen.

„Dass wir kurz vor dem Start der diesjährigen Ruhrfestspiele über das Ausfallen der Aufführungen sprechen, während die Menschen im Iran in einer Realität der Unsicherheit und Isolation leben müssen, ist kaum zu ertragen“, so Kröck. Die Produktion soll 2027 erneut zu den Festspielen eingeladen werden. Die im diesjährigen Spielplan entstehende Lücke werde bewusst nicht geschlossen, um an das Schicksal der Menschen im Iran und aller Kriegsopfer weltweit zu erinnern, hieß es.

Dazu las Kröck Auszüge des emotionalen Briefes der Iraner, die „warme Grüße“ aus einem „rastlosen, müden und verwundeten“ Iran sendeten: „Dabei wissen wir nach 1368 Stunden in Dunkelheit und ohne Internet nicht, ob euch diese Nachricht überhaupt erreicht.“ Obwohl sie nicht die gleiche Sprache teilten, verbinde sie die Kunst des Theaters: „Wir glauben felsenfest, dass Theater stärker ist als Krieg“, heißt es weiter in dem Statement, das die Ruhrfestspiele prominent auf ihrer Homepage teilen.

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Peter Tschentscher erinnert an die Anfänge der Ruhrfestspiele

Insgesamt geriet die Eröffnung eines der größten Theaterfestivals Europas hochemotional: Zum Auftakt hatte Hamburgs Erster Bürgermeister Peter Tschentscher (SPD) an die Anfänge der Ruhrfestspiele erinnert, als im Winter 1946/47 Hamburger Theatermacher ins Ruhrgebiet gereist waren, um Kohle zum Heizen ihrer Theater zu organisieren. „Die Kumpel der Zeche König Ludwig 4/5 in Recklinghausen fuhren eine Extraschicht nur für Hamburg“, so Tschentscher. Im Sommer 1947 revanchierten sich die Hamburger Künstler mit Aufführungen in Recklinghausen.

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„Die Geschichte der Ruhrfestspiele zeigt, dass in Hamburg wie im Ruhrgebiet drei Dinge wichtig sind: harte Arbeit, ein Bewusstsein für die Bedeutung der Kultur und vor allem Solidarität in der Gesellschaft“, sagte Tschentscher. Auch Büchner-Preisträgerin Ursula Krechel plädierte in ihrer Eröffnungsrede für die Maxime „Jeder ist willkommen“ und vermaß in ihrer an Franz Kafkas Romanfragment „Der Verschollene“ anknüpfenden Rede den Begriff der Katastrophe mit Bezügen zur heutigen Weltlage. (mit KNA)

Die Ruhrfestspiele laufen mit zahlreichen Veranstaltungen und Ausstellungen noch bis zum 13. Juni. Das gesamte Programm und Karten gibt es hier.