Jeder, der in Not gerät, wünscht sich schnelle, kompetente Hilfe und die kostenlos. Doch die Retter, egal ob Feuerwehr, Notärzte, Sanitäter oder Polizisten, erfahren selten Respekt und Anerkennung. Sie sind nur Durchgangsstation zwischen Katastrophe und Krankenhaus. Und zudem werden sie sogar noch beschimpft und bei ihrer Arbeit behindert. „Die Notärztin“ (seit 17. Februar in der ARD-Mediathek, Dienstag, 24. Februar, 20.15 Uhr, im Ersten), verdientermaßen mit einer zweiten Staffel bedacht, zeigt, wie Helfer ihre Gesundheit für andere aufs Spiel setzen.
„Die Notärztin“: Eine Medical-Serie der anderen Art
Es ist eine Medical-Serie der anderen Art. Sie rückt einen Ort in den Mittelpunkt, den man sonst nur aus Dokumentationen kennt: die Feuerwehrwache. Diese befindet sich in der industriell geprägten Multikulti-Stadt Frankfurt, die sich die Züricherin Dr. Nina Haddad (Sabrina Amali) für ihren Neuanfang ausgesucht hat. Schon in der ersten Staffel wird klar: Für diese Frau war es schwer anzukommen, weil sie Berufliches und Privates nicht trennen kann. Ständig beschäftigen sie die Hilfsbedürftigen über den Einsatz hinaus. Und dann verliebt sie sich auch noch in Markus (Max Hemmersdorfer), den charmanten Hallodri vom Dienst, der kompetent ist, aber gerne mal Fünfe gerade sein lässt. Vergeblich.

Was die leidenschaftliche Ärztin wirklich hält und trägt, ist das Team. Hier funktioniert Hilfsbereitschaft trotz Kompetenzgerangel, Eifersucht, familiären Problemen. Staffelführer Pio kämpft mit seinem Abschied, seine Vertreterin Billy mit ihrer Position als Frau in einem von Männern dominierten Beruf, der allzu entspannte Markus mit seiner Fortbildung zum gehobenen Dienst. Dabei jagt in der zweiten Staffel der „Notärztin“ ein dramatischer Fall den nächsten. Aber auch Fehlfahrten und Bagatelleinsätze, die Einsatzkräfte unnötig belasten, sind dabei. Wie im wirklichen Leben.
Die Einsätze hinterlassen auch bei den Rettern Spuren
Zugedröhnte Jugendliche müssen nach einer Party aus dem Fluss gezogen und reanimiert werden. Eine verzweifelte Mutter steckt mit ihrem an Epilepsie erkrankten Jungen in einem Fahrstuhl fest. Ein Mann mit Herzbeschwerden verweigert die Einweisung ins Krankenhaus. Ein alkoholisierter Fußballfan, der seine Pizza im Ofen vergessen hat, muss aus der verqualmten Wohnung geholt werden. Hier wird die ganze Bandbreite im Alltag von Feuerwehrleuten gezeigt.
Das geht nicht immer gut aus. „Jeder hat einen Einsatz, der ihn nicht loslässt“, sagt die Notärztin. Manche liegen schon Jahre zurück. Die Frage ist: Was macht das mit den Retterinnen und Rettern? Regisseur Jan Haering, der auch Chefautor der Medical-Serie ist, legt mit Regisseur Florian Gottschick künftig mehr Gewicht auf die Auswirkungen der Ereignisse und damit auf die private Komponente. Nina Haddad verliebt sich gleich in der ersten Folge in Philipp, den Ersthelfer bei einem Unglück. Kann sie mit dem Vater zweier Kinder eine Beziehung aufbauen und Grenzen zu Notfällen ziehen? Kann Billy sich als Chefin halten und zugleich mit der Sorge um ihre Mutter fertig werden. Beide geraten wie ihre Kollegen immer wieder auf eine Achterbahn der Gefühle.
Erstklassiges Schauspielerensemble, auch ohne Stars
Realitätsnah gebaute Geschichten, glaubhaft ausgewählte Einsätze sowie der banale Alltag auf der Wache verbinden sich mit einem hervorragenden Schauspielerensemble. Allen voran Sabrina Amali, die ihre bodenständige Nina sehr facettenreich und unaufgeregt zeigt. An Anna Schirmrigk, die die Feuerwehrfrau Billy spielt, lässt sich gut ablesen, wie sich die Verschiebung der Schwerpunkte hin zu mehr persönlichen Anteilen auswirkt: Die Darstellenden können weitaus tiefer in die Welt ihrer Figuren eintauchen. Sie brauchen keine Gaststars wie manche Krankenhausserie, um mehr Aufmerksamkeit zu erzeugen. Sie schaffen eine Leichtigkeit um einen wahren Kern aus sich selbst heraus – und im besten Fall einen positiven Blick auf eine zu wenig wertgeschätzte Berufsgruppe.
Notfallmedizin und Feuerwehren sind tagtäglich im Einsatz – für Menschen und Tiere. Diese Serie erinnert bei aller Unterhaltsamkeit daran, dass auch Retterinnen und Retter in Not geraten können.
Bewertung: 4/5 Sterne
In der ARD-Mediathek
24.2.2026, 20.15 Uhr, ARD


