Man soll ja aufhören, wenn‘s am schönsten ist. Aber das ist leicht gesagt. Und doch schwer umzusetzen. Gerade bei Serien, die doch vom Prinzip der Fortsetzung leben. Zumal bei solchen, die sich einer großen Fangemeinde erfreuen. „Downton Abbey“ hat das eigentlich mustergültig vorgemacht. Die britische Fernsehserie über das Schicksal einer Adelsfamilie und deren Personal wurde nach sechs Staffeln und 52 Folgen im Jahr 2015 beendet. Mit Happy End und großer Hochzeitsfeier.
„Downton Abbey“: Eine beliebte Serie, die immer weiter geht
Doch so ganz konnte der Vater der Serie, Julian Fellowes, seines Zeichens selbst Baron of West Stafford, von seinem großen Erfolg nicht lassen. Weshalb 2019 ein Kinofilm folgte, als Schlusskapitel, in dem man die steiflippige Sippe noch mal zum Fünf-Uhr-Tee besuchen konnte, diesmal sogar auf großer Leinwand. Sogar das Königspaar schaute diesmal vorbei, das war auch schon die ganze Handlung.
Aber auch der Film war so erfolgreich, dass drei Jahre später ein zweiter folgte, „Downton Abbey II: Eine neue Ära“ folgte, in dem sogar das Kino Einzug hielt: weil die Lordschaft ihr Schlösslein für Dreharbeiten zur Verfügung stellte. Eine gewitzte zweite Ebene, mit der man die Entstehung der Serie einfach in die Handlung integrierte.
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Am Ende ließ Fellowes Lady Violet sterben, die das Treiben ihrer Sippe stets mit trockenen, bösen Sprüchen kommentierte und damit eine der Hauptattraktionen der Serie war. Kauzig gespielt von Maggie Smith, die anderthalb Jahre später selbst starb. Was eigentlich der Sargnagel der Saga war. Aber nun geht es doch noch weiter. Zum wirklich allerletzten Mal, wie zumindest der Titel verkündet: „Downton Abbey – Das große Finale“.
Ein Erzählprinzip, das prima funktioniert: die da Oben, die da unten
Die Serie und ihre Kinoableger bedienten mit Lust das Erzählprinzip „Upstairs, Downstairs“, so benannt nach einer anderen berühmten britischen Serie der 70er-Jahre, die in Deutschland „Das Haus am Eaton Place“ hieß. Ein Prinzip, das Fellowes als Drehbuchautor auch schon erfolgreich in Robert Altmans „Gosford Park“ (2001) bediente: Die da unten bedienen die da oben, klatschen und tratschen dabei über die Herrschaften und stehen ihnen doch gegen alle Unbill von außen bei.
Im dritten Kinofilm wird diese Hierarchie einmal umgekehrt. „Das große Finale“ spielt erst mal nicht auf dem Land, sondern in London. Filmstar Guy Dexter (Dominic West), der in „Eine neue Ära“ mit seiner Film-Entourage Downton Abbey durcheinanderbrachte, speilt hier Theater. Und nicht nur die Crawleys sind eingeladen, sondern auch die Dienerschaft. Die sitzt natürlich im dritten Rang, auf den billigeren Plätzen, weit über den Lordschaften im ersten Rang.
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Dann platzt eine gesellschaftliche Bombe. Just auf einem hochherrschaftlichen Ball, bei dem auch die Crawleys geladen sind, kommt heraus, dass Mary (Michelle Dockery) sich hat scheiden lassen. Ein Skandal. Selbst Robert Crawley (Hugh Bonneville), der Lord Grantham, und seine Angetraute Cora (Elizabeth McGovern) wissen nichts davon. Ihre Tochter wird des Balls verwiesen. Die Eltern wollen mit ihr gehen, müssen aber bleiben. Weil das Königspaar erwartet wird. Und sich sogar unter einer Treppe vor ihr verstecken.
Die Serie begann im Jahr 1912 und endet nun im Jahr 1930
Erst dann, nach einer guten halben Stunde, geht es nach Downton Abbey, erklingt die ikonische Eröffnungsmelodie, von der man schon fürchtete, dass sie gar nicht mehr erklingt. Erstmals sieht man die sonst so kühle, selbstgerechte Lady Mary weinen. Wegen der sozialen Ächtung. Oder doch wegen der verkrusteten Gesellschaft, die so altertümlich denkt.
Mutter Cora will die Tochter trösten und ihr zu Ehren ein Dinner geben. Doch alle Nachbarn sagen ab. Wer geht schon zu einer Geschiedenen! Doch die Filmwelt bringt die Wende. Denn Guy Dexter arbeitet jetzt mit dem erfolgreichen Bühnenautor Noël Coward (Arty Froushan) zusammen. Der pfeift auf Gesellschaftsregeln, kommt gern mit Dexter. Und nun wollen doch alle hin. Um den Autor zu erleben. Der wird dabei sogar zu einem seiner berühmtesten Stücke inspiriert. Wieder gibt es also eine ironische zweite Ebene.
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Die Serie begann im Jahr 1912, mit dem Untergang der Titanic. Lord- und Dienerschaft mussten fortan einen Weltkrieg überstehen, die Spanische Grippe, den Börsencrash. Vor allem aber die zunehmende Aufweichung der Klassenschranken. Nun, im Jahre 1930 angekommen, heißt es Abschied nehmen, und das gleich in mehrerlei Hinsicht.
Das Alter kennt keinen Stand. Hier müssen gleich drei Figuren abtreten
Die Köchin Mrs. Patmore (Lesley Nicol), die stets klagte und lamentierte, muss den (Koch-) Löffel abgeben. Der treu ergebene Butler Carson (Jim Carter), der noch engstirniger war als sein eigener Herr, muss schon zum zweiten Mal, diesmal aber endgültig in Rente.
Aber das Alter kennt keinen Stand. Auch Lord Grantham (Hugh Bonneville) muss abtreten. Und sein Anwesen verlassen. Dessen Gemäuer er, wie schon im Trailer zu sehen ist, noch mal wehmütig küsst. „Es ist schwer zu akzeptieren, dass nun Zeit ist, zu gehen“, stöhnt er einmal. Das trifft wohl auch auf die Serienmacher zu.
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Ein großes Finale ist dieser Film nicht. Dazu fiel dem mittlerweile 76-jährigen Fellowes zu wenig ein für viele der Figuren, die jetzt nur noch mal in die Kamera gucken dürfen. Eher ein kleines Epilögchen. Aber eins, das das Abschiednehmen und den Abschiedsschmerz selbst zum Thema macht. Und insofern doch hochinteressant ist.
Dass Lord und Lady Grantham dabei eine Wohnung in der Stadt beziehen sollen, in einem Haus, in dem noch andere wohnen, entsetzt den Lord. Und wird die Zuschauer amüsieren, die froh wären, so nobel zu wohnen. Am Ende bleibt das ganze Anwesen für die Tochter. Mary allein zuhaus. So altmodisch sind selbst die Crawleys. Warum können nicht alle zusammen hier wohnen bleiben? Platz ist ja genug. Welch dekadente Verschwendung.
Drama, GB 2025, 125 min., von Simon Curtis, mit Michelle Dockery, Hugh Bonneville, Elizabeth McGovern, Jim Carter.


