Satter Bass dringt über den Klang einer Säge bis in den Gang des GOP Artisticals an der Essener Rottstraße und lockt hinein. Erste Lichtkonzepte verwandeln die Baustelle zurück in eine Location, wo mitreißende Live-Shows das Publikum auf ganz neue Art abholen sollen. Wo bislang die Vorstellungskraft nicht nur des künftigen Publikums gefordert war, entsteht Stück für Stück eine moderne Location für weltweit einzigartiges Entertainment und gewinnt an Realität. Zwar herrscht noch immer an vielen Stellen „Baustellenromantik“, aber die Wände haben bereits das neue Farbkonzept in Schwarz, dunklem Lila, Blau, zurückhaltendem Violett und Pink angenommen. Betondecken im Industrial Look – eine Hommage an den Standort Essen – treffen auf elegante Rundungen, moderne Designelemente und geschwungene Formen.

GOP Artistical Saal
An mancher Stelle herrscht noch Baustellenatmosphäre, aber in Essen wächst zusammen, was zusammengehört.© Anja Grevener | Anja Grevener

Das Theater wird zum Darsteller

Im Saal dreht der Bassist auf, unterstützt von Schlagzeug, Keyboard und E-Gitarre. Rockig klingt bei dieser Probe der Groove, voll füllt er aus den unter der Decke hängenden Boxen den Zuschauerraum, sodass man erahnen kann, was die Besucher in wenigen Wochen als Sounderlebnis erwarten und mitreißen wird, wenn sie zum ersten Mal über die seitlich angebrachte Treppe den Saal betreten – und die letzten Feinabstimmungen an Show, Saal und Technik abgeschlossen sind. Auf der in Schwarz (noch) zurückhaltenden Bühne, an der die drei großen LED-Flächen installiert sind, die bei GROOVE verschiedene Effekte und Lichtstimmungen zeigen werden, bewegen sich die Tänzer, holen zu einem gemeinsamen Auftritt den Bassisten und die Gitarristin in ihre Choreografie. Alles unter Anleitung von Choreografin Julieta Sgarlatta und unter den wachsamen Augen von Show Director Aleks Uvarov und Musical Director Jens Eckhoff und begleitet von – oder eher dazwischen – Sébastien Tardif, der für Comedyelemente mit einer schwingenden Poolnudel für seinen eigenen GROOVE sorgt. Auf den Rücken einiger T-Shirts das Motto des Teams, das sich gerade im völlig neu konzipierten Raum zusammenfindet: „We don’t just perform. We GROOVE“. Alle Elemente sollen gemeinsam in das neue GOP Artistical einziehen, aus Einzelteilen etwas Größeres, Neues zusammenfügen. Aus diesen einzelnen Komponenten, dem neuen Saal, der immersiven Technik, dem Sound, den Musikern und Künstlern, entsteht gerade ein Team, das das Publikum in den GROOVE der Siebziger mitnehmen wird. Genau darin liegt der entscheidende Unterschied zu einem konventionellen Theaterumbau: Die technische Ausstattung wird nicht nachträglich in einen bestehenden Raum integriert. Architektur, Medientechnik, Licht, Akustik und Showdramaturgie werden als zusammenhängendes System gedacht. Das Theater wird selbst zum Darsteller.

GOP Artistical Saal
Im komplett umgestalteten Saal ist der endgültige Look schon mehr als gut erkennbar und Musik und Künstler hauchen ihm ersten GROOVE ein.© FUNKE Media Sales NRW | Anja Grevener

Alle Säulen unter einem Dach

Verschwunden ist an den meisten Stellen der nackte Beton und hat für eine den Raum umfassende hochmoderne Bühne den Platz geräumt, auf der bald, Premiere ist am 18. September, dieser GROOVE toben wird, mit Live-Musik und international gefeierten Show-Acts. Nicht nur die Musiker proben, sondern auch in Zeitslots aufgeteilt die Akrobaten und Artisten aus aller Welt, die in die Stockwerke über dem Saal in ihre Künstlerwohnungen eingezogen sind und Essen zu ihrer neuen künstlerischen Heimat werden lassen.

„Als sie den neuen Saal betreten haben, wie eine Schulklasse auf einem Ausflug, waren alle überwältigt“, beschreibt Theaterdirektor Christian Buddrus mit einem Funkeln im Auge die wachsende Magie, die sich in seinem Haus ausbreitet. Es kommt zusammen, was für die Macher von GROOVE seit rund zwei Jahren zusammengehört und auf das alle gemeinsam hin fiebern: Das einzigartige Artistical GROOVE wächst zu einem großen Ganzen zusammen. Artisten, Show-Acts, Musiker, Sänger beleben das neu gestaltete Haus und interagieren miteinander und mit der Technik, die den ganzen Saal für das Publikum umspielt, sodass auch die Zuschauer zum Teil der Inszenierung werden und in die Siebziger abtauchen können. Ab diesem Zeitpunkt ist nur noch von ihnen, den künftigen Besuchern, begeisterte Vorstellungskraft für eine moderne Zeitreise gefragt – GROOVE macht sich ganz real bereit für seinen weltweit einzigartigen großen Auftritt. Die Grenzen zwischen Bühne, Architektur und Publikum beginnen sich aufzulösen.

GOP Artistical Saal
Alle Elemente des neuen Artisticals werden derzeit bei den Proben zusammengeführt und treffen im umgestalteten Saal aufeinander.© FUNKE Media Sales NRW | Anja Grevener

Die Balance macht die Show

„Jetzt wird das Ganze ausbalanciert. Mit der Technik könnten wir aus allen Rohren feuern“, sagt der Theaterdirektor Christian Buddrus, schiebt lächelnd direkt ein Aber hinterher. „Aber es soll ein großes Ganzes werden, das allen Elementen und Beteiligten ihren Raum lässt. Die Technik soll die Show stützen, sie nicht überlagern und trotzdem immersiv das Publikum mit hineinziehen. Die Möglichkeiten, die diese sorgfältig ausgewählte und zusammengestellte Technik hat, sind nahezu endlos. Dass sie ausgespielt, aber nicht zu dominant wird, daran tüfteln der technische Leiter Sebastian Drozdz und sein Team gerade.“

Der neue Saal des GOP Essen
Die Planungen von Innenarchitektin Viki Kitzig gewinnen langsam an Realität und das Artistical GROOVE macht sich bereit für die Premiere am 18. September 2026.© GOP Entertainment Group | GOP Artistical-Theater Essen

Noch sitzt dieses Team dazu mit Laptops und Steuerpulten an einem improvisierten Techniktisch im Zuschauerraum, zieht aber bald auf die erhöhte Position am anderen Ende des Saals um. Wie mächtig und immersiv diese Technik wirken kann, zeigt nicht nur der satte Sound, sondern auch die beleuchteten Spiegelflächen an den Seiten des völlig verwandelten ehemaligen Varieté- und Kinosaals. Sie allein geben dem Raum bereits eine neue Stimmung und Weite, während die beweglichen Leuchtkörper an der Decke (noch) dezent in hellem Blau strahlen. Bei den Shows unterstützen sie mit ihren Bewegungen und farblichen Lichteindrücken die Choreografie des Artisticals. Klettert man hinter die Bühne, sieht man raumhoch, zentral und rechts und links der Bühne positioniert unzählige verbundene Monitore, die zusammen eine LED-Fläche von 150 Quadratmetern erschaffen, auf der GROOVE visuell unterstützt wird. Das, was die Planungsgrafiken und Simulationen von Innenarchitektin Viki Kitzig lange Zeit nur digital abbilden konnten, gewinnt für alle Beteiligten mit jedem Tag an greifbarer Realität.

GOP Artistical Saal
Die beweglichen Leuchtkörper unter der Decke sind bereits installiert und auch hinter den Spiegelflächen erstrahlt Licht, das dem Saal Weite verleiht.© FUNKE Media Sales NRW | Anja Grevener

Die eine oder andere Abzweigung

Auch dass es bei den Proben in diesem Moment rockig und nicht „funky“ zugeht, ist Teil des (Zusammen-)Wachsens des Artisticals GROOVE. „Wir brauchten zuerst ein Motto: die Siebziger. Und das füllen wir nach und nach mit Leben. Das bedeutet auch, dass wir die eine oder andere Abzweigung oder Verbreiterung in die Show eingebaut haben“, erklärt Christian Buddrus, was Freunde der Kultbands Queen oder Led Zeppelin freuen wird. Genauso wie der mitreißende Klang der Songs und Arrangements von Jens Eckhoff, der aus den Boxen schallt und mit dem die Live-Band samt Sängerin Della Miles gemeinsam mit allen Künstlerkollegen in wenigen Wochen vor Publikum den Saal rocken und beben lassen wird.

GOP Artistical Saal
Die bequemen Sitze erinnern an die Vergangenheit dieses Hauses: Ursprünglich gab es an der Rottstraße ein Kino, wo heute hochmodernes Live-Entertainment einzieht.© FUNKE Media Sales NRW | Anja Grevener