Die Parteien in Berlin schalten im Wahlkampf einen Gang hoch: Seit Sonntag 12 Uhr dürfen sie Zehntausende von Wahlplakaten an den Straßen der Hauptstadt aufhängen, um für sich und ihre Inhalte zu werben. Und keine Minute vorher: Das Bezirksamt Tempelhof-Schöneberg hatte strenge Kontrollen angekündigt. Es drohen Bußgelder, und die Plakate sollen sichergestellt werden, also abgehängt.
Die Linke rund um ihre Spitzenkandidatin Elif Eralp hatte dennoch schon plakatieren lassen, in Steglitz am Uniklinikum. Da grüßte die 45-Jährige am Sonntagmorgen von einem tiefroten Plakat. Warum die Partei hier schon rumhing: unklar. Vielleicht hatte nicht jeder Genosse mitbekommen, dass das Plakatieren an Laternenmasten erst zur Mittagszeit beginnen darf, nicht wie bislang um Mitternacht. Das Abgeordnetenhaus hat das Berliner Straßengesetz auf Antrag der Regierungskoalition aus CDU und SPD in diesem Jahr entsprechend geändert.
Die Partei, die mit dem Versprechen von günstigeren – oder wenigstens nicht noch weiter steigenden – Mieten das Rote Rathaus wieder, nun ja, rot färben will, ist indessen in bester bürgerlicher Gesellschaft. In Mahlsdorf forderte die CDU wohl ordnungswidrig unter anderem „knallharte Strafen für Müllsünder“ und verspricht: „Berlin wird sauber.“

In Marzahn-Hellersdorf war die CDU bereits am Sonnabendabend beim Plakatieren erwischt worden, in flagranti sogar, von der rechtskonservativen Konkurrenz. Der Nahkampf, den Spitzenkandidat Stefan Evers mit der AfD führen will, er hatte offenbar etwas verfrüht begonnen.
Das Berliner Abgeordnetenhaus hat festgelegt, dass ab dem 02.08., 12 Uhr in #Berlin plakatiert werden darf. Die Herrschaften von der im Land und im Bezirk #Marzahn #Hellersdorf noch (!) regierenden #niewiederCDU interessiert das herzlich wenig. Die plakatieren im WK3 in Helle… pic.twitter.com/6N9tsdW50i
— Martin Koblischke (@mako_bln) 1. August 2026
Ordnungsamt kennt keine Gnade
Und in Neukölln hatten die Genossen aus dem Kurt-Schumacher-Haus schon plakatiert, wie ein aufmerksamer Nutzer bei X anprangerte. Unterwegs waren die Sozialdemokraten etwa im Süden des Bezirks. Dort wurde gegen 21.15 Uhr von der Morgenpost ein zweiköpfiges Team gesichtet, das Plakate in der Fritz-Reuter-Allee aufhing.
Zur gleichen Zeit waren auch die Grünen in der Ecke bereits fleißig am Plakatieren. Dass das Aufhängen der Plakate erst ab 12 Uhr am Sonntag erlaubt war, schien hier niemanden zu interessieren. Man könne froh sein, dass sich in der Urlaubszeit überhaupt genügend Plakatierer finden, so eine Helferin. Eigentlich hätte man sich parteiübergreifend auf einen Start nicht vor 20 Uhr am Samstagabend geeinigt. Selbst daran hätten sich letztlich jedoch die wenigsten Parteien gehalten.

In Frohnau sorgte die SPD bereits am Mittwoch für einen kleinen Wahlkampf-Eklat. Zwei XXL-Plakate mit Kai Kottenstede und Alexander Ewers standen auf dem Ludolfingerplatz, berichtete die „B.Z.“. SPD-Kreischef Gilbert Collé bat um Verzeihung, sprach von einem „klaren Fehler“ des Dienstleisters und machte den anderen Parteien ein Angebot: Sie dürfen „einen Beitrag in der Story meines Instagram-Kanals posten“. Das gelte für die Kandidaten von Linke, CDU, FDP und Grünen.

Ebenfalls viel zu früh hing ein offenbar handgemaltes Plakat der Bergpartei am Strausberger Platz in Friedrichshain. Das Ordnungsamt kannte keine Gnade und sorgte für Ordnung, sehr zum Frust der Partei.
Viertelmillionen Plakate sollen Berliner beglücken
Zum Plakatieren rücken überwiegend Parteimitglieder an, oft unterstützt von den Spitzenkandidaten. Allein die fünf im Landesparlament vertretenen Parteien plus FDP und BSW wollen nach eigenen Angaben mit zusammen fast einer Viertelmillion Wahlplakaten für sich werben. Sieben Wochen vor der Wahl zum Berliner Landesparlament lässt sich damit nicht mehr übersehen, dass die heiße Phase des Wahlkampfs begonnen hat.
Der Termin für die Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und den zwölf Bezirksverordnetenversammlungen ist am 20. September. Die Plakate dürfen anschließend noch eine Woche lang hängen bleiben.
pcl mit dpa



