Stadtgespräch Nummer 1 in Essen und in der Metropole Ruhr: GROOVE, das brandneue Artistical im Essener GOP Theater. Aufregend, spektakulär, rekordverdächtig. Doch Augenblick mal: Artistical? Was ist ein Artistical? Nachgefragt bei der GOP Entertainment Group. Die muss es wissen, denn deren Kreative heben das vielversprechende Show-Baby gerade aus der Taufe. „Unser Artistical GROOVE ist weltweit einzigartig, es ist das erste seiner Art. Ein Live-Show-Format, das atemberaubende Artistik und Akrobatik in die Welt von Musical, Live-Konzert und Tanz katapultiert. Für das Publikum vollzieht sich förmlich eine Show-Explosion, die die Grenzen des Bühnenraums aufhebt, die überall gleichzeitig stattfindet: oben, unten, an den Rändern“, erklärt Christian Buddrus, Direktor des GOP Theaters. Klingt spannend, ist es auch und niemand beschreibt so gut wie die Macherinnen und Macher hinter GROOVE, was es mit einem Artistical auf sich hat.
Teil 1 unserer dreiteiligen Serie: Der immersive Raum
Das Dach des neuen Artisticals GROOVE stützt sich auf drei Säulen: der immersive Raum, Live-Musik und Artistik. Verantwortlich für das Design und die Technik dahinter, für das Bereiten der Bühne für die Musiker und Artisten zeichnen Architektin Viki Kitzig und der Technical Director und Visual Design & Stage Architect Sebastian Drozdz.
Am Tag der Pressekonferenz im GOP-Theater an der Rottstraße am 8. Juli 2026 saß das Team des neuen GOP-Artisticals selbst staunend über die Dimensionen des alten Kino- und Varieté-Saals und das ungewohnte Flair eines Rohbaus in einer Art tiefer Höhle. Als „Mordor“, bezeichnete Theaterdirektor Christian Buddrus diesen Anblick, frei nach dem düsteren Land aus Tolkiens „Der Herr der Ringe“. Der einstmals bunte Saal des GOP-Varietés ausgeräumt. Keine Tische, keine Teppiche, keine Bestuhlung, kein Theatervorhang. Und mehr – oder weniger – als das. Nur noch blanker Beton und Baugerüste bis zur kahlen Decke. Beeindruckt zeigten sich davon nicht nur die Pressevertreter, sondern auch das Team des GOP, das aus diesem Nullpunkt heraus den Neuanfang wagt, ein völlig neues Theaterkonzept nach Essen holt und es von Grund auf neu denkt und plant. Im wahrsten Sinne ins Dunkle hinein. Denn die Planung, die vor rund zwei Jahren begann, erfordert von allen Beteiligten viel Vorstellungskraft.

Eine neue Geschichte soll auf die Bühne gebracht werden – aber diese gibt es noch nicht einmal, sondern nur die entkernten Räume. Dass bei der Premiere am 18. September 2026 im GOP-Artistical diese Bühne für eine moderne und immersive Show stehen wird, die auch noch neue Maßstäbe in der Gestaltung und Technik setzt, liegt in Viki Kitzigs und Sebastian Drozdz‘ Händen und Köpfen. Sie sind die Gesichter des Design- und Technikkonzepts – und das stellt sie vor besondere Herausforderungen.
Der erste Schritt in den Raum
Bevor eine Geschichte überhaupt auf der Bühne beginnt, beginnt sie mit dem ersten Schritt in den Raum. Mit der Atmosphäre, mit der Materialität, gemischt der Frage: Wie fühlt sich dieser Ort eigentlich an? Genau das ist der Ausgangspunkt für die Arbeit von Viki Kitzig. Sie ist Architektin bei „Kitzig Interior Design“, ein Kreativbüro, das auf die Bereiche Gastronomie, Office, Retail und Hotellerie spezialisiert ist. Viki Kitzig entwickelt für die GOP Entertainment Group die Identität des neuen Artisticals in Essen und übersetzt die Haltung des neuen GOP-Artistical Theaters in eine räumliche Erfahrung, die die Besucher vom ersten Moment an begleiten soll. „Die Vision war, das Theater komplett anders zu gestalten“, sagt Kitzig. Ihr Raumkonzept soll „transformativ“ auf den Besucher wirken, wie sie es beschreibt: „Ich komme von der Straße und dann schraube ich mich auf der sanft geschwungenen Treppe nach oben, in das Foyer, wo das eigentliche Erlebnis beginnt. Wenn man hineinkommt, merkt man schon etwas von der Show – aber man weiß es noch nicht“, verrät sie ihre Grundidee.

Kontrastspiel im Design
Viki Kitzig hat an der Technischen Universität Dortmund Architektur studiert und ist dadurch eng mit dem Ruhrgebiet verbunden. Graduiert hat sie an der University of Fine Arts Hamburg (HFBK). In die Planungen der Räumlichkeiten des neuen Artisticals hat sie den Ort mit einbezogen: Materialien wie Elemente aus Metall spiegeln die Verbindung zur Ruhrmetropole Essen. Ihr Konzept spielt zudem mit Kontrasten: „Zwischen hell und dunkel, zwischen weich und hart. Es gibt dunkle und farbige Flächen. Geometrische Formen, die sich im Raum ganz stark abbilden oder vor dem dunklen Hintergrund nach vorne rücken. Der Saal etwa wird eine weiche Hülle bekommen, aber eine roughe Decke. Der Raum nimmt sich zurück – und er wird völlig anders aussehen.“ Für die Architektin ist das leere Theater eine Hülle für viel weitere Kreativität – und für das Team eine Herausforderung: „In kurzer Zeit entsteht hier eine neue Welt.“ Was es in ihrem Konzept nicht gibt, das verrät sie schon, ist die mit dem Varieté assoziierte Farbe Rot.
Bei GROOVE gehen Viki Kitzigs Design und die moderne Bühnentechnik Hand in Hand, oder wie die Architektin es ausdrückt: „Die Technik greift in den Raum ein.“
Die Technik greift in den Raum
Dafür sorgt der zweite Kopf hinter dem Design: Sebastian Drozdz, der bei der GOP showconcept, der Agentur der GOP-Varieté Theater, als Technical Director und Visual Design & Stage Architect arbeitet. Damit aus einer künstlerischen Idee ein funktionierendes Bühnenerlebnis wird, braucht es jemanden, der Gestaltung, Technik und Architektur zusammenführt, jemanden, der die Voraussetzungen dafür schafft, dass Medien, Bewegung, Raum zu einer gemeinsamen Sprache finden. Das liegt in Sebastian Drozdz‘ Händen. Er verantwortet das Visualdesign und ist gleichzeitig der Stage Architect. Er entwickelt die Bühne als technischen und visuellen Erlebnisraum und sorgt dafür, dass die künstlerische Vision von GROOVE jeden Abend Wirklichkeit werden wird. Drozdz und sein Team statten die Bühne und das Theater mit der immersiven Technik aus, die das Showerlebnis prägen soll: Als Bühnenbild dient eine 150 Quadratmeter große LED-Fläche, die unterschiedliche Stimmungen und Bilder projiziert. Neue Audiotechnik sorgt dafür, dass die Gäste den neuen GROOVE auch spüren, den die frisch gecastete Band live auf ihren Plätzen auf der Bühne und im Saal spielt. Der Raum selbst wird Teil der Inszenierung, die Beleuchtung kann sich zurücknehmen oder sich in die Show durch Lichtstimmung und Bewegung einbringen.

Schnittstelle zwischen Design und Technik
Sebastian Drozdz arbeitet an der Schnittstelle, wo künstlerische Vorstellungen auf technische und räumliche Möglichkeiten trifft. Für ihn ist seine Technik mehr als Technik, sie ist ein Teil der Show. „Also rein faktisch haben wir ganz klassische technische Baukörper, die wir installieren, aber für das Artistical war es von Anfang an mein Wunsch – und aller anderen auch in den ersten gemeinsamen Gesprächen –, dass wir versuchen, so zu denken oder so zu kreieren, ja schon designen, dass wir es hoffentlich so nutzen können. Es gibt, anders als in unseren anderen Qualitätstheatern, nicht mehr die klassischen technischen Positionen, sondern es sind immer multifunktionale Dinge, die viel mehr geben als einzeln. So puzzeln wir die Einzelteile zusammen zu einem schönen Erlebnis. Der Saal wird ein unglaubliches Erlebnis mit immersiver Technik, voller Freude und Eleganz.“
Zu viel verraten wollen beide noch nicht, denn es soll für die Besucher eine mitreißende Erfahrung und Überraschung werden, wenn sie ab September die umgestalteten Räume des GOP-Artisticals betreten. Was Sebastian Drozdz aber gerne offen teilt, ist seine Begeisterung für das Projekt: „Ein neues Theater zu schaffen, ist im Prinzip das Schönste, was man machen kann, da man von Anfang an dabei ist.“
Die heiße Phase läuft
Nach dem letzten Vorhang der Varieté-Vorstellung Ende April hat für Kitzig und Drozdz die heiße Phase ihrer Arbeit begonnen – bis zum Premierenwochenende muss das Konzept umgesetzt werden und einsatzbereit sein. Und die Vergangenheit des ehemaligen Kinosaals kam bei der Entkernung ans Tageslicht und grätschte auch kurzzeitig in die Planung: eine Säule, mit der niemand gerechnet hatte und die nun einbezogen werden muss, und ein Bote aus Hollywood: Lex Barker in seiner Paraderolle als Old Shatterhand in den „Winnetou“-Filmen der 1960er-Jahre klebte bis jetzt versteckt an einer der Wände, musste seinen Platz aber für Neues räumen.
„Was jetzt entsteht, ist einzigartig“, freut sich Viki Kitzig. „Wenn man in der Show war, weiß man, dass alles zusammenhängt.“
Wie genau das aussehen wird, ist aber sogar noch für diese beiden kreativen Macher eine Art Geheimnis. Denn: „Eins zu eins können wir es erst sehen, wenn wir einziehen und die ganzen technischen Mittel hochfahren und mit Leben befüllen“, lacht Sebastian Drozdz, der zusammen mit Viki Kitzig in den nächsten Wochen, bis die Proben in Essen Ende August beginnen, aus „Mordor“ den GROOVE der Disco-Ära herauskitzeln wird.



