Date-Night in Essen – in den Siebzigern schon mehr als eine klassische Revierstadt mit Fördertürmen, Krupp und Schichtarbeit. Zwar geben im Vordergrund noch Malocher und Schwerindustrie den Ton an, doch erwacht hier ein neues Lebensgefühl. Besonders zum Vorschein kommt es, wenn die Sonne untergeht. Denn neben Tanzlokalen und Konzerthallen machen sich in der Essener Innenstadt ganz neue Ausgehmöglichkeiten breit: Discotheken. Hier tanzen die Gäste zum Groove von Schallplatten, bis der Morgen dämmert. Davor brauchte man Live-Musiker und -Orchester, und wenn die Feierabend machten, wars mit dem Tanzen vorbei. Essens wildes Nachtleben: ohne Discos wäre es ganz schön lange ganz schön zahm geblieben.

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Kohlenhalden und Zechen l im Revier 1973
November 1973: Kohlenhalden, hier bei der Zeche „Emil Fritz“, prägen den Alltag. Das Ausgehen in die Discotheken ist damals für viele eine bunte Gegenwelt zum tristen Alltag im Revier.© picture alliance / Klaus Rose,dpa | Klaus Rose

Anfangs wenig Disco in der Disco

Schaut man sich die Playlists der Läden in den frühen Siebzigern an, fällt auf, dass in Essens Discos auffallend wenig Disco-Musik läuft. Musikalisch fliegt Deutschland zu dieser Zeit vor allem auf schmissigen Pop, auf deutschen Schlager und auf internationalen Rock, auch gern in der deutschen Spielart des Krautrock. Das ändert sich erst in der Mitte des Jahrzehnts, als Disco-Hits die deutschen Single-Charts erobern: „Lady Bump“ von Penny McLean (1975); „Ma Baker“ von Boney M oder „Space“ von Magic Fly (beides 1977) schaffen es in die Top Ten und entern damit auch die Tanzflächen. Diese werden mehr und mehr zur großen Bühne. Als 1978 der Film „Saturday Night Fever“ in die deutschen Kinos kommt, springt der Funke endgültig über. Das Land ist vom Disco-Fieber gepackt. Musik, Mode und Lebensstil – ganz Deutschland fühlt sich Disco.


 


So sah die Disco Dancing San Francisco, ein Hot-Spot des Nachtlebens, zu Beginn der Achtziger aus.
  So sah die Disco Dancing San Francisco, ein Hot-Spot des Nachtlebens, zu Beginn der Achtziger aus.

Erst Spiegel, dann Tanzfläche  ̶  oder beides gleichzeitig

Bis heute zählt der Soundtrack mit Songs der Bee Gees zu den meistverkauften. Wer kennt nicht „Stayin‘ Alive“ oder „Night Fever“?

"Saturday Night Fever" Released by Robert Stigwood Organization (RSO) December 16, 1977
Legendäre Pose: 1977 tanzte sich John Travolta an der Seite von Karen Lynn Gorney in "Saturday Night Fever" in die Herzen und der Disco-Boom begann. Viele Ausgehwütigen im Ruhrgebiet wollten Travolta nacheifern.© Getty Images | Michael Ochs Archives

John Travolta in der Hauptrolle des Tony Manero, der sich immer samstagnachts vom hart arbeitenden Sohn italienischer Einwanderer in den umschwärmten König der Tanzfläche verwandelt: Diese Geschichte kennt und erlebt man auch im Ruhrgebiet. Die Zutaten für die Transformation à la Tony: hautenger Anzug, weit aufgeknöpftes Hemd mit riesigem Kragen, Goldkettchen und die Haare schön. „You should be dancing“ (1976) hätten die Bee Gees dazu gesagt: Du solltest tanzen. Wird gemacht! In Essen beispielsweise in Läden wie dem legendären Mississippi im Handelshof. Bereits 1967 wird es als große Diskothek angekündigt, realisiert wird es dann im Stil eines Mississippi-Dampfers mit Ober-, Zwischen- und Unterdeck – ein Ort also, der Inszenierung und Ausgehen zu einem bunten Cocktail zusammenmixt.

Rockpalast in der Gruga
Ein Essener Kultformat: Rockpalast in der Grugahalle, hier ein Auftritt von Paul Butterfield 1978. Vorerst hatte „Disco“ wenig zu melden. Rock und Krautrock waren angesagt.© Ruhr Museum | Manfred Scholz

Man geht geschniegelt in Glitzerklamotten und Schlaghose, sieht und wird gesehen, hört die neuesten Platten und schlürft Mixgetränke in allen Farben. Mit amerikanischer Coolness, ist klar! Auch das San Francisco gegenüber der Lichtburg ist in den Siebzigern ein Motor des Essener Nachtlebens. Herzstück und strahlender Blickfang des Clubs, der schon 1958 unter dem Namen Arkadia eröffnete, ist eine riesige Tanzfläche aus Glas. Aus Glas! Spieglein, Spieglein, man stelle sich das Gefühl beim Tanzen nur mal vor! Weitere Hotspots des Essener Nachtlebens: Sigis Kalei an der Steeler Straße. Der Club gilt als Keimzelle der DJ-Kultur, also jener Sound-Künstler, die hinterm Mischpult den Takt und den Rhythmus der Nacht mixen. Wie ein Magnet zieht die Kult-Institution Blow Up die Feierwütigen aus dem ganzen Revier auf seinen Dancefloor. Mit den ersten bunten Lichtorgeln, psychedelischen Farben und satten Bässen ist dieser Club laut, schick und schillernd und er liefert den Soundtrack einer neuen Generation.


 

 

Im „Tanzpalast Arkadia“, wie die Werbung verspricht „Die elegante Unterhaltungsstätte“, ging es bei Tanztees gediegener zu. Ab 1968 wurde es das „Dancing San Francisco“ und lockte Ausgehwütige an.
    Im „Tanzpalast Arkadia“, wie die Werbung verspricht „Die elegante Unterhaltungsstätte“, ging es bei Tanztees gediegener zu. Ab 1968 wurde es das „Dancing San Francisco“ und lockte Ausgehwütige an.

GROOVE im GOP schließt den Kreis

Und genau dieses unbeschwerte, vibrierende Gefühl holt das GOP Varieté-Theater Essen jetzt zurück auf die Bühne: GROOVE. Mit dem neuen Show-Format des Artisticals wird der Zeitgeist der 70er nicht einfach nur kopiert, sondern spektakulär ins Hier und Jetzt katapultiert. Wenn die Beats von damals auf die Weltklasse-Akrobatik von heute treffen, wird klar: Der Groove hat das Ruhrgebiet nie wirklich verlassen.

GOP Artistical-Theater Essen, GROOVE
Eine Live-Band auf der Bühne wird im neuen Artistical-Theater Essen bei GROOVE den Ton angeben.© GOP Entertainment Group