Die neue Ausstellung in der Reihe 21st Sculpture im Lehmbruck Museum ist überschaubar. Trotzdem hat sie einiges zu bieten: 2 Meter und 88 Zentimeter hoch sind die Stahl- und Aluminiumkonstruktionen, in denen Glaspaneelen eines ehemaligen Militärhangars der KFOR (Kosovo Force) eingefasst sind. Die Gläser sind allesamt von der Sonne gezeichnet. Von hinten sind diese Fenster beleuchtet und besonders im Dunkeln muss die Installation nahezu gespenstisch wirken. Ausstellungsraum ist die Nordhalle mit ihren mehr als sieben Meter hohen Glasscheiben. So entsteht eine Verbindung zwischen Museum und Öffentlichkeit.

Das Werk ist von Flaka Haliti, die aus dem Kosovo stammt. Und was die Installation noch ungewöhnlicher macht: Die Künstlerin hat sie im Lehmbruck Museum vor Ort fertiggestellt. „Als ich den Raum, in dem ich jetzt meine Ausstellung habe, das erste Mal gesehen habe, hat es mich wirklich umgehauen“, sagt die Künstlerin. „Die Fenster, der Park, die Architektur. Ich habe noch nie ein Museum gesehen, das öffentlicher für sein Publikum ist, als dieses.“

Ein leerer Bereich in der Mitte des Ausstellungsraums

Vor drei oder vier Wochen, so schätzt Museumsleiterin Söke Dinkla, hat Haliti dann ihre Arbeiten im Duisburger Museum vollendet. Jede Stele sei in Einzelteilen angeliefert worden. „Dass das Museum zum Atelier wird, hatten wir noch nie“, sagt Dinkla. Auch für die anderen Mitarbeiter im Museum sei das eine ganz besondere Erfahrung gewesen. Vor allem, weil Besucherinnen und Besucher währenddessen weiterhin den Raum besucht haben.

In greller Farbe und faulenzender Position: einer der beiden Roboter von Flaka Haliti.
In greller Farbe und faulenzender Position: einer der beiden Roboter von Flaka Haliti.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

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Aber die gehören ohnehin zum Werk von Flaka Haliti dazu: Die Künstlerin hat durch die Anordnung der Stelen einen leeren Bereich in der Mitte des Raums geschaffen – und auch das ist sehr ungewöhnlich. Dadurch werden die Besucherinnen und Besucher, die sich darin bewegen, selbst zum Teil der Ausstellung. „Ich habe mich auch erst gefragt, ob das so bleibt“, sagt Dinkla und lacht. Dazu habe nämlich noch keine Künstlerin zuvor den Mut gehabt. Haliti habe eine Zuneigung für Zwischenräume. „Und sie inszeniert dieses Dazwischen“, erklärt Dinkla.

Die Künstlerin im Lehmbruck Museum

Die Künstlerin ist 1982 in Prishtina, im Kosovo, geboren worden und hat den Krieg dort in den 1990er Jahren miterlebt. Diese Erfahrung hat sie selbst und ihr Werk geprägt. 2015 ist sie auf der Biennale in Venedig bekannt geworden. Dort hat sie den Pavillon für ihr Heimatland bestückt. Sie hatte bisher Ausstellungen in der Nationalgalerie des Kosovo, im Kunsthaus Hamburg, der Cukrarna in Ljubljana oder im mumok (Museum moderner Kunst) Wien.

Unter dem Titel „Sculpture 21“ präsentiert das Lehmbruck Museum seit 2014, anlässlich des 50. Jubiläums des Museums, wechselnde Positionen zur zeitgenössischen Skulptur. Die Ausstellung läuft bis zum 8. März.

Flaka Haliti: Spiel mit Gegensätzen

Ein Thema, dem sich Haliti ebenfalls immer wieder widmet, sind Gegensätze: Das Vertraute und das Fremde, das Alte und das Neue, das Technoide und das Menschengemachte. So auch bei ihren Robotern. Sie sind aus Material aufgegebener Militärlager der KFOR entstanden. Sie tragen also eine schwere Last und viel Geschichte in sich und sind dafür umso leuchtender in ihrer Farbgebung. Sie trotzen nur so vor Leichtigkeit und Heiterkeit. Beide liegen auf dem Boden und gehen keiner Aufgabe nach. Der eine hat es sich auf dem Rücken bequem gemacht und drückt seine Beine gegen eine Wand, der andere liegt auf dem Bauch und scheint zu faulenzen. Durch dieses Zugeständnis vermenschlicht die Künstlerin die beiden wiederum.

Die Glaspaneele hat Flaka Haliti erst vor Ort im Duisburger Museum fertiggestellt. Sie sind auch vom Park vor dem Museum gut sichtbar.
Die Glaspaneele hat Flaka Haliti erst vor Ort im Duisburger Museum fertiggestellt. Sie sind auch vom Park vor dem Museum gut sichtbar.© FUNKE Foto Services | Alexandra Roth

Der Raum, den Haliti geschaffen hat, wirkt im Gesamten ebenfalls leicht und heiter. Es entsteht ein poetisches Monument, das für die Architektur des Lehmbruck Museums geschaffen ist – aber das durch seine Präsenz die Grenze von Innen und Außen durchdringt. „Ja, letztlich bin ich bei einer Licht-Installation gelandet“, sagt die Künstlerin. „Denn auch geschlossene Fenster lassen Licht durch.“