Vor fünf Jahren wurde der Hauptstadtflughafen BER feierlich eröffnet. Doch bis dahin war es ein steiniger Weg, die Fertigstellung verzögerte sich letztlich um neun Jahre. Bundesweit wurde der „Pannenflughafen“ BER zum Gespött – und auch nach seiner Eröffnung ebbte die Kritik nicht ab.
Heute feiert der BER das Jubiläum seines fünfjährigen Betriebs. Doch nicht jedem Passagier ist zum Feiern zumute. Der Ruf des BER gilt nicht als der beste. Wird er zu Unrecht verschrien? Unsere Autoren sind geteilter Meinung.
Flughafen BER: Ist die ständige Kritik am Berliner Airport berechtigt?
Pro von Daniel Weidmann
Wenn provinziell, dann richtig: Wir brauchen Tegel zurück!
Daniel Weidmann, Chef vom Dienst
Viel zu spät, viel zu teuer: Was schlecht startet, kann ja noch werden – sollte man meinen. Seit fünf Jahren dürfen Berlinerinnen und Berliner nun nach Brandenburg tingeln, um am BER ins Flugzeug zu steigen. Wie schon den neuen Hauptbahnhof wollte der gemeine West-Berliner den Flughafen nie haben. Weil er stur und rückwärtsgewandt ist? Die Bilanz zeigt: nein. Denn der Flughafen Berlin-Brandenburg versagt in fast allen Bereichen.
Es ist nicht das 90er Jahre Design, das rote Etwas (THE Magic Carpet), das die Eingangshalle ziert. Der Fakt, dass der Airport erst fünf Jahre alt ist, sorgt bei diesem Anblick eher für Erheiterung. Doch schon allein die An- und Abreise lässt die Mundwinkel nach unten sacken: Wer nicht ausgerechnet am Ostkreuz wohnt, darf sich auf Fahrzeiten von mindestens einer Stunde einstellen. Spandauer müssen sich die Frage stellen, ob der Flughafen Hamburg nicht näher ist.

Der Abflug bedeutet dann vor allem eines: Stress. Wer seinen Flieger erwischen will, sollte zwei Stunden vorher da sein. Bei keinem anderen Airport ist die Schlange der Koffer, die bei der Sicherheitskontrolle nachkontrolliert werden, länger als die der freigegebenen. Da bringt es nichts, wenn nun Flüssigkeiten und Laptops im Gepäck bleiben dürfen, wenn am Ende das Uno-Spiel meiner 14-jährigen Schwester auf Sprengstoff kontrolliert wird.
Bleibt das leidige Problem: Der Flughafen ist zu klein. Terminal 1 hat nie die Ansprüche eines Großstadtflughafens erfüllt. Der BER wirkt gedrungen – und als winziger Fleck im Brandenburger Acker lächerlich. Terminal 2 krönt den Kleinstadt-Charme – und erinnert an das einstige „Air Berlin“-Provisorium von Tegel.
Der BER ist einer Hauptstadt wie Berlin unwürdig. Wenn provinziell, dann richtig. Und so hat der West-Berliner recht: Wir brauchen Tegel zurück!
Contra von Pascal Biedenweg
Ein Flughafen, der wie Berlin selbst ist: unperfekt, aber mit Charakter
Pascal Biedenweg, Digital Lead
Fünf Jahre ist es her, dass Berlin endlich den Flughafen bekam, über den es jahrzehntelang gespottet hatte. Der BER war alles, was man in dieser Stadt erwartet – zu spät, zu teuer, zu kompliziert. Doch siehe da: Das einstige Pannenprojekt steht heute besser da als sein Ruf. Der „World’s Most Improved Airport“ hat inzwischen vier Skytrax-Sterne, ist Deutschlands Pünktlichkeits-Champion und begrüßte gerade seinen 100-millionsten Passagier. Das ist mehr als ein verspäteter Start: Das ist eine Landung in der Realität.
Natürlich läuft nicht alles rund. Wer am Gepäckband auf seinen Koffer wartet, kann sich die Wartezeit mit der philosophischen Frage vertreiben, ob das Gepäcksystem vielleicht einfach introvertiert ist. Auch die Handy-Ladestationen sind so gemächlich, dass man in der Zwischenzeit fast ein neues Modell kaufen könnte. Doch verglichen mit den Tagen, als selbst Dübel Schlagzeilen machten, ist das heute Luxusgejammer.
Der BER ist längst zu einem Symbol geworden. Nicht mehr für das Scheitern, sondern für das Durchhalten. Ein Flughafen, der wie Berlin selbst ist: unperfekt, aber mit Charakter. Früher lachte die Welt über uns, heute fliegt sie von hier nach Rom, Reykjavik und Riga. Und wer den BER immer noch für einen Witz hält, hat schlicht den Anschluss verpasst.
Vielleicht ist das die eigentliche Pointe der Geschichte: Der BER funktioniert. Und das ist in dieser Stadt schon eine kleine Sensation.
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