- Eine Expertin spricht vom „astronomischen Ereignis fast schon des Jahrhunderts“.
- Am 12. August soll es eine Sonnenfinsternis und Perseiden-Schauer geben - alles in einer Nacht.
- Wie die Wetteraussichten sind und wo Sie das Ereignis am besten beobachten können.
„Das astronomische Ereignis fast schon des Jahrhunderts“, kündigt Dr. Susanne Hüttemeister, Astrophysikerin an der Ruhr-Universität und Leiterin des Bochumer Zeiss-Planetariums, für den 12. August an. (Hobby-)Astronomen in Deutschland steht ein Highlight bevor: eine zum Teil 90‑prozentige Sonnenfinsternis, gefolgt vom Hochpunkt des Perseiden-Sternschnuppenstroms. Alles in einer Nacht.
Schon die nahezu vollständige Sonnenfinsternis über Deutschland ist eine Seltenheit. Danach verdunkelt der Mond erst voraussichtlich 2081 wieder die Sonne, erklärt die Astrophysikerin. Und auch bei den Perseiden handele es sich um ein spektakuläres Naturphänomen: Die Staubkörner eines Kometen treten mit hoher Geschwindigkeit in die Erdatmosphäre ein und bringen sie zum Leuchten. Von der Erde aus werden sie als Sternschnuppen sichtbar. „Es kommt nichts auf dem Boden an“, erklärt Susanne Hüttemeister. „Dazu sind diese Teilchen viel, viel zu klein. Die verglühen vollständig.“ Kein Wunder, bei einer Reisegeschwindigkeit von ungefähr 60 Kilometer pro Sekunde.
Sonnenfinsternis in NRW: ideale Wetterbedingungen
Bevor der Sternschnuppenstrom sichtbar wird, muss aber die Sonne untergehen. Die Sonnenfinsternis findet statt, kurz bevor die Sonne am Horizont verschwindet, erklärt die Expertin: „Es geht um 19.17 Uhr los, da steht die Sonne mehr so elf, zwölf Grad hoch. Um 20.11 Uhr ist das Maximum, da steht sie sechs Grad hoch.“ Zu diesem Zeitpunkt seien etwa 90 Prozent der sichtbaren Sonne vom Mond verdeckt.

Laut Prognose des Deutschen Wetterdienstes (DWD) bietet das Wetter über NRW ideale Voraussetzungen für das Himmelspektakel. Bei Höchstwerten zwischen 27 bis 33 Grad werden viel Sonnenschein und teils dünne Wolken erwartet. Diese schränkten die Sicht auf die Sonnenfinsternis jedoch kaum ein, so die Einschätzung einer DWD-Meteorologin.
Das sollten Sie beim Beobachten der Sonnenfinsternis beachten
Was gibt es beim Beobachten der Finsternis zu beachten? „Wenn man die Sonnenfinsternis beobachten will, ist es total egal, ob man in der Stadt ist oder nicht“, sagt die Expertin. Weil die Sonne aber sehr tief stehen wird, wenn der Mond sie verdeckt, sei in der Vorbereitung wichtig, darauf zu achten, dass keine Bäume oder Häuser im Sichtfeld stehen. Und noch etwas anderes gilt es zu beachten: „Ohne Sonnenfinsternisbrille geht gar nichts“, sagt die Astrophysikerin. „Die Sonne ist zwar zu 90 Prozent abgedeckt, aber 10 Prozent der Sonnenhelligkeit sind noch so unglaublich hell, dass man da unter gar keinen Umständen mit dem bloßen Auge direkt hinschauen kann.“
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Der ungeschützte Blick in die teilweise verdeckte Sonne kann nach Angaben des Bundesamtes für Strahlenschutz zu nicht heilbaren Netzhautschäden bis zur Erblindung führen. Dasselbe gilt für den Blick durch Kameras, Ferngläser oder Teleskope. Wer trotzdem die Sonnenfinsternis verfolgen möchte, kann eine solche Schutzbrille kaufen, zum Beispiel in einigen Planetarien, aber auch online. Wichtig sei das CE-Symbol. Außerdem muss die Brille als für den direkten Blick in die Sonne wirksam gekennzeichnet sein und die Folie der Gläser darf keine Kratzer, Löcher und Risse aufweisen.
Wo Sie die beste Sicht auf die Perseiden haben
Gegen 21 Uhr werde die Sonne vollständig untergegangen sein, so Susanne Hüttemeister. Etwa zwei Stunden später könne man die Perseiden am Himmel beobachten. Am besten seien die Sternschnuppen in den frühen Morgenstunden des 13. August erkennbar. Besonders wichtig: „Ein dunkler Himmel“, sagt die Expertin. „Das ist das Allerwichtigste. Je dunkler, desto besser.“ Im Ruhrgebiet ist Lichtverschmutzung ein Problem. Empfehlenswert sei es daher, raus aus der Stadt und weg von künstlichem Licht zu fahren.
Man muss nicht unbedingt auf ganz große Expeditionen gehen. Wenn man keine direkte Sicht auf Straßenlampen hat und am Stadtrand ist, dann ist das schon viel besser, als wenn man in der Innenstadt ist.
Dr. Susanne Hüttemeister, Astrophysikerin, Professorin an der RUB und Leiterin des Zeiss-Planetariums
Susanne Hüttemeister empfiehlt dafür besonders das Sauerland, das Münsterland und den Nationalpark Eifel. „Der ist sogar ein Dark-Sky-Reservat, wo die Himmelshelligkeit ganz bewusst geschützt wird“, sagt sie. Aber auch in der Nähe gebe es einiges zu sehen: „Man muss nicht unbedingt auf ganz große Expeditionen gehen. Wenn man keine direkte Sicht auf Straßenlampen hat und am Stadtrand ist, dann ist das schon viel besser, als wenn man in der Innenstadt ist.“ Wie viel Lichtverschmutzung es in Ihrer Gegend gibt, zeigt eine interaktive Karte online.
Perseiden-Schauer: Das Wetter muss mitspielen
Oft sei bei den Perseiden die Rede von bis zu 100 Sternschnuppen pro Stunde. „Das ist nicht realistisch“, sagt die Expertin. Nur unter idealen Sichtbedingungen, ganz ohne Lichtverschmutzung und direkt unter dem Perseiden-Strom, sei das denkbar. Für den kommenden Strom sei das unwahrscheinlich.
Da das Wetter mitspielt, seien die Bedingungen in diesem Jahr aber trotzdem sehr gut. Der Grund dafür: die Sonnenfinsternis. „Der extrem störende Faktor, dass mit den Perseiden der Mond am Himmel steht, entfällt dieses Jahr“, erklärt die Expertin. Der Mond schiebt sich bei einer Sonnenfinsternis vor die Sonne. Weil die Sonne dann nur die erdabgewandte Seite anstrahlt, ist auf der Erde Neumond. Der Mond ist am Nachthimmel nicht sichtbar und sein Licht stört nicht bei der Beobachtung der Sternschnuppen.
Diese NRW-Städte bieten Programm rund um Sonnenfinsternis und Perseiden
Auf die astronomisch gesehen spannendste Nacht des Jahres bereiten sich auch die Sternwarten und Astronomen in NRW vor. Bei der deutschlandweiten „Langen Nacht der Astronomie“ gibt es an einigen Orten in der Region die Möglichkeit, gemeinsam mit Wissenschaftlern die Perseiden oder die Sonnenfinsternis zu beobachten. [Anm. d. Red.: Einige der Veranstaltungen könnten bereits ausverkauft sein.]
Die Sternwarte Bochum veranstaltet einen Familientag zur Sonnenfinsternis. Von 15 bis 22 Uhr finden in der Sternwarte Kurzvorträge, Führungen und Live-Beobachtungen statt. Tickets kosten einen symbolischen Eintrittspreis von einem Euro. Weitere Informationen gibt es hier.
Kostenfreies Planetariumsprogramm und die Beobachtung der Sonnenfinsternis und der Perseiden erwarten die Besucher im Galileum Solingen. Von 17 Uhr bis Mitternacht wird dort in den Himmel geschaut. Hier gibt es mehr Informationen.
Sonnenfinsternis schauen, mitten in der Industriekultur – das bietet das Bergbaumuseum Bochum an. Mitmachprogramm, Vorträge und Blick auf das Naturphänomen vom Förderturm erwarten die Besucher. Von 18 bis 21.30 Uhr sollen erst die Sonnenfinsternis und dann die Perseiden vom Turm und der Bergbauwiese beobachtet werden. Tickets und weitere Informationen gibt es hier.
Das vollständige Programm der „Langen Nacht der Astronomie“ finden Sie hier. Falls Sie die Naturereignisse lieber von zu Hause aus beobachten und trotzdem einige der Informationen erfahren möchten, können Sie einige Vorträge und Veranstaltungen außerdem über YouTube streamen. Das Programm und den Link finden Sie hier. (mit dpa)




