Bergkamener Denkmal

Schlacht bei Pelkum jährt sich

Foto: Bodo Kürbs

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Bergkamen. Das Denkmal steht etwas versteckt auf dem Kommunalfriedhof am Rathaus. Auf dem Sockel sind Namen eingemeißelt. Doch nur wenige Menschen wissen, was dieses Denkmal zu bedeuten hat.

Dort haben Bergkamener Angehörige der „Roten Ruhrarmee”, die bei der sogenannten Schlacht bei Pelkum am 1. April 1920 ums Leben kamen, und einige Bürger, die Tage später erschossen wurden, ihre letzte Ruhestätte gefunden.

Frauenfigur als

Allegorie auf Freiheit

Das Denkmal hat in den 20er Jahren der Bergkamener Gemeinderat errichten lassen. „Die Frauenfigur ist wohl eine Allegorie auf die Freiheit”, vermutet Stadtarchivar Martin Litzinger. Diese war durch den Rechtsputsch unter der Führung des Generallandschaftsdirektors in Königsberg, Wolfgang Kapp, und des Generals Walther von Lüttwitz am 13. März 1920 in Berlin gegen die junge Weimarer Republik gefährdet.

Zur Abwehr des bereits am 17. März 1920 gescheiterten Putsches wurde zum Generalstreik aufgerufen. Der verselbstständigte sich im Ruhrgebiet, es bildete sich die Rote Ruhrarmee, die soziale und politische Forderungen und eine Räterepublik durchsetzen wollte. „Dem gescheiterten Rechtsputsch folgte der Versuch eines Linksputsches an der Ruhr”, so Martin Litzinger. Teile der Roten Ruhrarmee erreichten am 27./ 28. März den Raum Bergkamen-Kamen-Pelkum. Deren Mitglieder quartierten sich bei Hausbesitzern und vor allem Bauern ein und nahmen sich dort, was sie brauchten. Auf der Schachtanlage Grimberg I/II wurden 160 kg Sprengstoff und 250 Sprengkapseln beschlagnahmt.

Ab 29. März 1920 ruhte auf den Zechen in Bergkamen und Rünthe die Arbeit. Auf Grimberg I/II hatte sich ein Arbeiteraktionsausschuss gebildet, der Vorbereitungen zum Kampf mit den Regierungstruppen, bzw. Freikorps traf. Am Gründonnerstag, 1. April, trafen gegen Mittag Teile des Freikorps Epp und der Roten Ruhrarmee in Pelkum aufeinander. „Die Aufständischen wurden innerhalb von zwei Stunden geschlagen und zogen sich rasch in Richtung Bönen, Kamen und Bergkamen zurück. Mit unvorstellbarer Rohheit und Brutalität gingen die Freikorpssoldaten gegen Gefangene und Verwundete vor”, so Martin Litzinger.

79 Rotarmisten

starben in Pelkum

Nach offizieller Liste der Polizei starben 79 Rotarmisten in Pelkum, darunter acht Bergmänner und ein Schlosser aus der damaligen Bergbaugemeinde Bergkamen. Die Überlebenden flüchteten in Richtung Dortmund. Es gab Plünderungen und Beschlagnahmungen. Martin Litzinger berichtet, dass der Weddinghofer Landwirt Schulter Ostermann alle Lebensmittel verlor und die Gastwirte Brüggemann in Heil und Klute in Weddinghofen Getränke und Tabakwaren abliefern mussten.

Am Karfreitag, 2. April 1920, rückten das Freikorps in den Raum Bergkamen ein. In Rünthe wurde eine Frau erschossen, weil sie verdächtig vorkam. Es wurde das Standrecht verkündet. Von 18 Uhr bis zum Morgen durfte niemand mehr die Straßen betreten. Die Häuser wurden nach Waffen durchsucht. In Schönhausen wurde ein Mann festgenommen. Beim Standgerichtsverfahren im Kasino von Grimberg I/II wurde er, weil er Schienen am Bergkamener Bahnhof gesprengt hatte, erschossen. Sein Schwiegersohn wurde in Oberaden erschossen, weil er sich im Besitz eines beschlagnahmten Wagens befand und angeblich einen Offizier ausgeraubt hatte. Das letzte bekannte Todesopfer gab es am 23. Mai. Ein Mitglied des Bergkamener Aktionsausschusses wurde von Soldaten verhaftet und in Höhe Haus Reck „auf der Flucht” erschossen.

Im Mai rückte das Freikorps Epp aus dem östlichen Revier ab. Anschließend fanden in Münster gegen einige Bergkamener Gerichtsverfahren wegen des Verdachts der Beteiligung an Aktionen der Roten Ruhrarmee statt. Die meisten wurden freigesprochen.

Gedenkveranstaltung

Ein Arbeitskreis ruft zur Gedenkveranstaltung anlässlich des 90. Jahrestages auf.

Am heutigen Samstag wird um 15 Uhr auf dem Pelkumer Friedhof an der Kamener Straße der „Schlacht bei Pelkum” gedacht.

Die „Schlacht bei Pelkum” war eine Schlacht gegen den aufkeimenden Faschismus.

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