Porträt

„Mit Geißbock": Ex-Fußballprofi Paul Scheermann (60)

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Er erlebte die „goldene Zeit des Fußballs” und spielte zusammen mit den großen Stars: Paul Scheermann (60) bestritt fast vierzig Bundesligaspiele für den 1.FC Köln.

Er erlebte die „goldene Zeit des Fußballs” und spielte zusammen mit den großen Stars: Paul Scheermann (60) bestritt fast vierzig Bundesligaspiele für den 1.FC Köln. Parallel stu-dierte er an der Sporthoch-schule und unterrichtet heute als Lehrer am Geschwister-Scholl-Gymnasium in Lüden-scheid. Im WR-Interview erinnert sich der Ex-Profi an Altherren-Fußball, echte Kameradschaft und einen Doppelpack gegen Hacki Wimmer.

Herr Scheermann, wie wurden Sie Fußballprofi?

Scheermann: Ich habe an der Kölner Sporthochschule studiert und nebenbei Fußball in meinem Heimatort gespielt. Dann kam mir ein bisschen der Zufall zur Hilfe: Mein Trainer in der Unimannschaft war gleichzeitig auch Trainer bei den Ama-teuren des 1. FC Köln. Der hat mich 1970 zum FC geholt und nach einer guten Saison in der damaligen Oberliga Mittelrhein bekam ich einen Profivertrag.

Und spielten von 1971 bis 73 in der Kölner „Jahrhundert-Mannschaft”.

Ja, wir hatten damals eine starke Truppe: Wolfgang Overath, Hannes Löhr, Heinz Flohe und Wolfgang Weber, um nur einige zu nennen. Das waren große Namen. Die Zeit in Köln ist mir heute noch in bester Erinnerung.

Erinnert man sich dort auch noch an Sie?

Der heutige FC-Präsident Wolfgang Overath war neu-lich zu einer Sponsorenveranstaltung in Lüdenscheid. Anschließend bin ich zu ihm hin und habe ihn angesprochen. Overath hat dreimal geguckt und dann gefragt: 'Paul, bist du`s?' Danach hat er mich zu einem Spiel der Kölner ins Stadion eingeladen.

Was war Ihr schönstes Er-lebnis als Fußballer?

Daran erinnere ich mich genau: Es war der 2. Oktober 1972 und wir spielten im Derby gegen Borussia Mönchengladbach. Diese Spiele waren immer von rheinischer Rivalität geprägt. Ich war damals ein junger Spieler, wurde oft nur eingewechselt. In diesem Spiel kam ich aber schon nach 14 Minuten. Die Mannschaft hat überragend gespielt, wir gewannen am Ende 4:3. Mein direkter Gegenspieler war der Hacki Wimmer, trotzdem gelangen mir zwei Tore.

Die Siebziger Jahre werden von Fans heute oft als „goldene Zeit des Fußballs” verklärt. Was war damals anders?

Zunächst einmal gab es früher eine besondere Kameradschaft. 'Elf Freunde müsst ihr sein' – das hatte eine wichtige Bedeutung. Der Fußball hat sich natürlich auch verändert: Das Spiel ist schneller und athletischer geworden. Dagegen waren wir früher Altherren-Fußballer.

Wie haben sich die finanziellen Dimensionen seit Ihrer aktiven Zeit verändert?

Das lässt sich gar nicht mit heute vergleichen. Diese gan-ze Werbung und das Sponso-ring gab es noch gar nicht – oder nur am Rande: Wir sind damals nur mit dem Geiß-bock und dem Kölner Dom auf der Brust aufgelaufen. Auf der anderen Seite reichte das Geld, um mir hier in Lü-denscheid etwas aufzubauen.

Nach Ihrer Karriere, die sie unter anderem nach Oberhausen und zum Schluss zu Rot-Weiß Lüdenscheid führte, wurden Sie Lehrer für Sport, Politik und Erdkunde. Was ist schöner: Fußballer oder Lehrer zu sein?

Beides ist schön, auf unter-schiedliche Weise und alles zu seiner Zeit. Als Fußballer habe ich viel erlebt, viele Menschen kennengelernt und meine sportlichen Leistungsgrenzen erfahren. Als Lehrer kann ich mit jungen Menschen arbeiten, mich mit ihnen auseinandersetzen und ihnen die Freude am Sport vermitteln.

Haben Sie als Fußballer etwas gelernt, das Sie heute an Ihre Schüler weitergeben?

Als Fußballprofi sind Tugenden wie Disziplin, Pünktlichkeit und Ehrgeiz sehr wichtig. Diese Eigenschaften musste ich mir selbst aneignen und versuche sie heute im Unterricht an die Jugendlichen zu vermitteln.

Haben Sie zwei Leben gelebt?

Nein, das sehe ich nicht so. Ich hatte das große Glück, mein Hobby zum Beruf machen zu können, habe aber immer auch an die Zeit danach gedacht und mich parallel fortgebildet. Der Fußball war immer meine große Leidenschaft, aber nie alles für mich.

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