Erinnerung an die ermordeten Juden

Lünen. Unglaubliche und widerwärtige Szenen mit der anschließenden Ermordung von drei jüdischen Bürgern in der Stadtmitte und in Lünen-Süd haben sich am morgigen Sonntag vor 70 Jahren in der Reichspogromnacht abgespielt. An die Schreckensnacht vom 9. ...

... auf den 10. November erinnern das Mahnmal an der Lippe und der Gedenkstein für die Synagoge an der Kirchstraße. Stadtarchivar Fredy Niklowitz hat die Nacht als Mitverfasser des Buches "Geschichte der Juden in Lünen" anhand der Quellen in allen Einzelheiten beschrieben. Die Judenverfolgung hatte schleichend schon um 1930 begonnen. Eine Boykottstimmung machte sich ab 1934 breit.

Vor dem Laden von Helene Apfel an der Jägerstraße sprach ein SA-Mann Kunden mit der Bemerkung an "Kauf nicht bei Juden". Leopold Kniebel bekam als Zahnarzt keine Anstellung und Dr. Carl Rosenberg wurde nachts verhaftet und geschlagen, ihm wurden die Krankenkassen entzogen und ein SA-Mann stand vor der Praxis, um Privatpatienten fernzuhalten.

Die jüdischen Kaufleute wurden immer stärker drangsaliert, zunächst mit Inseratensperren. Die letzte jüdische Geschäftsanzeige gab die Roßschlachterei Uri Feldheim vom Roggenmarkt auf. Zwischen 1936 und 1938 schlossen sechs jüdische Geschäfte: Kniebel (Textilien) in Lünen-Süd, Metzgerei Emil Levy, Rose Salamon (Lebenmittel), Rosenberg (Möbel) und die Epa (Einheitspreisgeschäft) an der Langen Straße. Die Epa inserierte danach als "rein arisches Geschäft". Am 6. Januar 1939 schloss die Rossschlächterei Feldheim als letztes jüdisches Geschäft in Lünen.

Aber die Schreckensnacht vor 70 Jahren stellte alles an bisheriger Judenverfolgung in den Schatten. Nach einer Kundgebung im Schützenhof trafen sich die "Parteigenossen" an der Synagoge in der Kirchstraße, rissen die Einrichtung heraus und verbrannten sie auf dem Alten Markt. Von dort trieben Obernazi Ernst Meckler und sein Gesinnungsgenosse Schmidt die Juden Elsoffer und Aronstein im Laufschritt zur Lippe, kommandierten sie an eine Stelle zum Deich, wo das Wasser besonders tief war.

Sie sollten die Lippe durchschwimmen. Als sie zögerten, bekam Elsoffer einen Stoß und rollte bis nah an den Fluss, Aronstein ging selbst dorthin.

Nach mehreren Aufforderungen, ins Wasser zu gehen, stiegen sie in den Fluss, Elsoffer wurde sofort abgetrieben, seine Leiche wurde am 30. November von einem Bauern gefunden.

Meckler war zum anderen Ufer gelaufen, um zu verhindern, dass die Juden an Land gingen. Er sah aber, dass Elsoffer verschwunden war und hörte nur noch, dass Schmidt Aronstein aufforderte, aus dem Wasser zu kommen. Er überlebte diese unmenschliche Aktion der beiden Nazis.

Nahezu gleichzeitig kam es in den schräg gegenüber liegenden Geschäften der Juden Siegmund Kniebel und Albert Bruch an der Jägerstraße nach der Zerstörung der Läden zu einer wilden Schießerei. Mehrere Menschen waren zuvor in den Laden von Kniebel eingedrungen, die zuvor die Fenster eingeworfen und mit Hämmern und Spitzhacken die Sicherungseinrichtungen zertrümmert hatten.

Der Ortsgruppenleiter Österreich bat während dieser Aktion seinen Mitnazi Gutt, den Laden von Bruch zu übernehmen. Auf der Jägerstraße entwickelte sich plötzlich eine wilde Schießerei, wie in der späteren Verhandlung ausgesagt wurde. Einige Männer, auch Österreich, waren die Treppe zur Wohnung von Kniebel hinauf gestürmt. Er schoss Kniebel unter anderem in den Bauch, der das nicht überlebte.

Gutt war inzwischen in die Wohnung von Bruch eindrungen, traf ihn im Schlafzimmer und schoss zweimal. Bruch wurde durch einen Schuss hinter dem linken Ohr tödlich getroffen. Damit waren in der Pogromnacht drei jüdische Bürger von den örtlichen Nazis getötet worden.

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