Gedenkkreuze

Erinnerung am Straßenrand

Foto: WR

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„Es hat sich ein gesellschaftliches Bedürfnis entwickelt, die Trauer öffentlich zu machen und neue Formen von Trauer zu entwickeln”, schreibt Christine Aka in ihrem Buch „Unfallkreuze, Trauerorte am Straßenrand”.

Öffentlich trauert der Männerkreis der Stephanusgemeinde Opherdicke an der Mühlenstraße um Pfarrer Karl Suermann, der hier am 12. Juni 2000 bei einem tragischen Unfall ums Leben kam.

Seine Schwester Helene Suermann erinnert sich: „Sie kamen mit dem Rad von der Vorbereitung einer Wallfahrt aus Hagen zurück, als es passierte.” Ihr Bruder war Letzter in der Fahrradgruppe, so dass niemand genau sah, wie er plötzlich stürzte. Ein Motorrad passierte im gleichen Augenblick die Radfahrer, „doch aufgeklärt wurde der Unfall niemals so richtig”, sagt Helene Suermann.

Seither trauern sie und viele Gläubige um den Pfarrer der katholischen Kirchengemeinde St. Katharina in Unna. Vor allem aber auch jene, die bei dem tödlichen Unfall dabei waren und seither an der Unglücksstelle ihren ganz persönlichen Trauerort am Rande der Mühlenstraße geschaffen haben. Frische rosa Schnittblumen vor dem Eichenkreuz mit der Aufschrift „Zum Gedenken an unseren Mitwallfahrer Pfr. Karl Suermann - 12. Juni 2000” zeigen, dass der Ort am Truppenübungsplatz stetig und liebevoll gepflegt wird.

„Der Tod vor der Zeit schockiert”, schreibt Christine Aka in ihrem Buch: „Freunde, Nachbarn und oft auch Angehörige versuchen an der Unfallstelle die Realität zu begreifen, denn der Unfallort zeigt, dass das Unfassbare tatsächlich geschehen ist. In den Tagen danach werden solche Orte des Todes dann zu Orten der Trauer.” Blumen, Spielzeug, Erinnerungsobjekte und Briefe, dazu oft ein einfaches Holzkreuz, markieren allerorten die Stelle der Trauer. Solche Unfallkreuze sind nach dem Verkehrstod zunächst junger Menschen mittlerweile fast selbstverständlich geworden.

Bei zahlreichen Interviews mit Angehörigen und Freunden von Verkehrsopfern hat Aka erfahren, dass die Unfallkreuze die Ausdrucksform eines neu entstandenen Trauerrituals sind. Die Unfallorte erzählen von den Toten, von ihren Freunden und Hobbys und davon, wie die Zurückgebliebenen mit ihrer Trauer umgehen. „Der Ort, an dem jemand gestorben ist, ist dabei nicht nur eine Stätte des Totengedenkens, für viele Angehörige und Freunde wird er zu einem Ort der Nähe und der emotionalen Verbindung zu dem Verunglückten”, so Aka. Sie weiß zu berichten, dass auf die Frage, warum die Angehörigen ein Kreuz an der Unfallstelle aufstellten, alle gleich antworten: Es solle ein Mahnmal sein. „Doch wenn man sich intensiver mit den Menschen unterhält, bemerkt man, dass die Kreuze vielmehr Zeichen für die Angehörigen selber sind, um ihrer Trauer einen Ort zu geben”, so Aka.

Christine Aka, „Unfallkreuze. Trauerorte am Straßenrand”. Beiträge zur Volkskultur in Nordwestdeutschland, Band 109, Verlag Waxmann, 2007, 299 Seiten, 45 SW- und 76 farbige Abbildungen, ISBN 978-3-8309-1790-8, 19,90 €.

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