Sybille Lhotzky wartet schon in ihrem Garten in Geldern und steht vor einem üppigen Rosmarinstrauch. Es ist ruhig, ein paar Bienen schwirren umher und das Wasser von einem kleinen Brunnen plätschert. „Aus dem Rosmarin kann man ein Haarwasser machen. Das wirkt durchblutungsfördernd“, sagt sie. Die 62-Jährige ist diplomierte Kräuterfachfrau und bietet Kurse an, in denen sie zeigt, wie die Teilnehmerinnen und Teilnehmer selbst Naturkosmetik herstellen können. An diesem Vormittag will sie einen kleinen Einblick geben.

Sie geht rüber zur Terrasse. Auf einem Tablett auf einem Tisch hat sie schon alles vorbereitet: Gänseblümchen in Öl, getrocknete Birkenblätter, Kamilleblüten, Kakao- und Sheabutter und auch ein paar selbsthergestellte Produkte wie Duschpflege, Körpercreme oder eine Handpflege.

Sybille Lhotzky stellt selbst Naturkosmetik her
Ein Tablett voller Rohstoffe für Naturkosmetik.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Natürlich benutzt die 62-Jährige ihre Kosmetik auch selbst. „Ich liebe meine Produkte“, sagt sie. Sie nimmt ein Glasfläschchen vom Tisch. „Das ist mein Duschbad. Es enthält nur wenige Zutaten. Zwei milde Tenside und Pflanzenöl. Der Duft kommt von zwei reinen ätherischen Ölen. Für den Sommer habe ich mich für Zitrone und Pfefferminze entschieden“, sagt sie. Nach dem Duschen cremt sich die Kräuterfachfrau gerne mit ihrer eigenen Körperbutter ein. „Sie besteht aus Sheabutter, Kakaobutter und aus einem selbsthergestellten Öl aus Quittenschale.“

Bröselige Konsistenz ist ein Qualitätsmerkmal

Sie öffnet den Tiegel, nimmt etwas Körperbutter mit einem Holzspatel heraus und streicht es auf ihre Hand. „Die Konsistenz ist etwas bröselig, aber das ist ein Qualitätszeichen“, weiß sie. Auf der Haut schmilzt die Körperbutter und wird zu einem Öl. „Sie zieht sehr gut ein“, erklärt sie. Eine Abschminklotion hat sie auch parat. Die Flüssigkeit in der kleinen Flasche hat zwei Phasen. „Man muss sie vor Gebrauch schütteln. Ich hatte so ein kleines Fläschchen mit im Urlaub und war selbst überrascht, wie ergiebig das Öl ist.“

Sybille Lhotzky stellt selbst Naturkosmetik her
Die feste Handcreme stellen die Teilnehmenden auch in den Kursen von Sybille Lhotzky her.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Die Blüten, Öle und anderen Zutaten, die sie für ihre Naturkosmetik verwendet, bringt sie zu den Kursen mit. „Wir können dann direkt loslegen“, sagt sie. Und wo bekommt sie die natürlichen Inhaltsstoffe her? „Es ist schwierig, Pflanzen am Niederrhein zu finden, die man verwenden kann. Viele von ihnen wachsen nah an der Straße, sind an Stellen, an denen Hunde unterwegs sind, oder im Naturschutzgebiet, in dem nicht gepflückt werden darf.“ Deswegen sammelt sie die meisten Blumen und Blätter im Urlaub auf Wanderungen. Und natürlich wächst auch einiges in Sybille Lhotzkys Garten.

Naturkosmetik selbst herstellen

Sybille Lhotzky bietet den nächsten Workshop am Sonntag, 17. Mai, in Xanten auf der Bislicher Insel 11 an. Von 11 bis 12.30 Uhr lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer, wie sie Naturkosmetik selbst herstellen können. Der Kurs kostet pro Person 35 Euro. Anmeldung per E-Mail an naturforumbislicherinsel@rvr.ruhr. Weitere Informationen zu den Kursen gibt es per E-Mail an kraueter-be-greifen@freenet.de

Sie geht rüber von der Terrasse auf den Rasen. „Gänseblümchen wachsen bei mir nur wenige. Wir haben Rollrasen“, sagt sie und lacht. „Aber ich habe auch schon versucht, sie auszusäen.“ Denn wenn im Garten nicht gespritzt wird, können die kleinen Korbblüter für Kosmetik verwendet werden. „Man kann ein kleines Glas zur Hälfte mit Gänseblümchen befüllen und dann mit Distelöl aufgießen“, erklärt sie. Rund vier Wochen sollte das Öl dann ziehen. Dieses Öl kann man dann als Basis für Kosmetik nutzen. „Man erhitzt erst das Öl und darin schmilzt man dann Sheabutter oder Kakaobutter.“

Viele Pflanzen zieht Sybille Lhotzky selbst

Wie mit den Gänseblümchen, so handhabt sie es mit vielen ihrer Pflanzen. „Das Gärtnern gehört einfach dazu. Ich habe natürlich viele Kräuter im Garten“, sagt sie und zählt auf: „Da unten ist ein Oregano, das hier ist eine Zitronenmelisse und das ist eine besondere Kresse, die einen senfigen Geschmack hat.“ Sie geht ein Stück weiter zu einem anderen Beet und zeigt auf eine höhere Pflanze, die bisher keine Blüten trägt. „Das ist eine Apothekerrose. Die verwende ich auch sehr gerne. Aber es dauert noch ein bisschen, bis sie blüht.“

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Für Pflanzen, Kräuter und ihre Heilkraft hat sich Sybille Lhotzky schon immer interessiert. „Ich habe lange nach einer passenden Ausbildung gesucht“, erinnert sie sich. „Als unsere Kinder fertig mit dem Studium waren, habe ich gesagt: Jetzt bin ich dran.“ Nach längerer Suche ist sie auf eine Schule in Dortmund gestoßen und hat dort 2020 die einjährige Ausbildung zur Kräuterfachfrau gemacht. Seitdem bildet sie sich stetig auf Fortbildungen weiter. „Mein Mann hat mich gefragt, was ich damit machen will. Aber ich wollte die Ausbildung in erster Linie für mich selbst machen.“

Sybille Lhotzky stellt selbst Naturkosmetik her
Sybille Lhotzky schneidet in ihrem Garten einen Rosmarinzweig ab. Daraus macht sie Haarwasser.© FUNKE Foto Services | Kai Kitschenberg

Und nun freut sie sich darüber, ihr Wissen in ihren Kursen und Workshops weiterzugeben. „Die Leute sind immer sehr begeistert“, sagt sie. „Es sind auch immer mehr Männer dabei. Offenbar ist es ein kleiner Trend, Pflegeartikel selbst herzustellen.“ Drei selbstgemachte Produkte nehmen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nach ihren Workshops mit nach Hause: Körperpflege, Duschbad und eine feste Handcreme. Davon sei alles sehr ergiebig. „Es ist immer noch preiswerter, sich die Sachen selbst herzustellen, als sie zu kaufen“, sagt Sybille Lhotzky. „Aber erst einmal macht es natürlich Spaß. Es ist ein sinnliches Erlebnis und ein schöner Ausgleich.“

Kauft man denn überhaupt noch Kosmetikprodukte, wenn man sie selbst herstellen kann? „Dekorative Kosmetik schon“, verrät sie noch schnell, bevor sie das Gartentor öffnet. Aber auch bei der benutzt sie am liebsten Naturprodukte. Sie drückt die Klinke herunter und lächelt zum Abschied, bevor sie alleine zurück in ihren Garten geht.