Der Frühling beschert der Region an Rhein und Ruhr warmes, sonniges Wetter, das zu Spaziergängen im Grünen einlädt. Allerdings freuen sich auch auf Gräsern und Büschen sitzende Zecken auf zwei- und vierbeinige Wanderer. Denn auch in diesem Jahr begann die Zeckensaison, bedingt durch den milden Winter, wieder früher, als es mal üblich war, sagt Birgit Königs vom NABU NRW. Eine zeckenfreie Zeit zwischen November und Februar gebe es gar nicht mehr.

Der Naturschutzverband gibt Tipps, wie man sich vor den Blutsaugern und den Krankheiten, die sie übertragen können, schützen kann – und ruft dazu auf, gefundene Zecken zu Forschungszwecken online zu melden.

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Wann und wo sind Zecken aktiv?

Das sei vom Wetter abhängig, sagt NABU NRW-Sprecherin Königs. Sobald es über 10 Grad sind und es feucht ist, seien die Tiere in der Natur aktiv. Bevorzugt sitzen die Zecken dann im hohen Gras oder auf Büschen in bis zu eineinhalb Metern Höhe. Am liebsten halten sie sich an Waldrändern, Wegerändern im Wald, Bachufern und Waldlichtungen auf. Dort warten sie auf den Pflanzen und lassen sich von vorbeiziehenden Wirten abstreifen. „Es ist ein verbreiteter Irrglaube, dass sie Menschen anspringen“, sagt Königs. Auch würden sie sich nicht von Bäumen fallen lassen.

Wie schützt man sich vor Zecken?

Königs empfiehlt zum Schutz lange Kleidung, um Arme und Beine zu schützen. Zieht man die Socken über die Hosenbeine, kommen die Zecken auch dort nicht unter die Kleidung. Schutzsprays können hilfreich sein, wenn sie auf Hals und Nacken sowie Fuß- und Handgelenke aufgetragen werden, da der Geruch die Zecken abhält. Idealerweise trägt man helle Kleidung, auf denen die dunklen Tiere besser sichtbar sind.

Nach einem Aufenthalt in der Natur sollte man zudem den eigenen Körper absuchen. Auch Kinder und Hunde sollten nach Zecken abgesucht werden. Findet man dann eine Zecke, könne man diese mit den Fingernägeln, einer Zeckenkarte oder einer Pinzette entfernen. Dabei wird das Tier so nahe wie möglich an der Haut gepackt und dann mit leichtem Drehen aus der Haut gezogen. „Danach sollte man den Stich beobachten. Tritt in den kommenden Tagen ein Unwohlsein auf und eine ringförmige Rötung um den Stich, sollte man zum Arzt gehen.“ In diesem Fall könnte man sich mit der Lyme-Borreliose infiziert haben.

So sieht es aus, wenn sich eine Zecke in die Haut bohrt. Wird sie nicht vorsichtig entfernt, saugt sie sich mit Blut voll und fällt irgendwann von selbst ab. Auf diese Weise werden Krankheitserreger übertragen.
So sieht es aus, wenn sich eine Zecke in die Haut bohrt. Wird sie nicht vorsichtig entfernt, saugt sie sich mit Blut voll und fällt irgendwann von selbst ab. Auf diese Weise werden Krankheitserreger übertragen.© FMG | Frank Knittermeier

Welche Krankheiten können Zecken übertragen?

In Deutschland können Zecken die Viruskrankheit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) übertragen sowie die von Bakterien ausgelöste Borreliose. FSME ist eine Erkrankung der Hirnhäute und des zentralen Nervensystems, die nicht durch Medikamente behandelt werden kann. Im schlimmsten Fall endet die Krankheit tödlich oder mit bleibenden Hirnschäden.

Das FSME-Virus kann durch Zecken übertragen werden, da es sich im Speichel der Tiere befindet. Da diese bei einem Stich zuerst ihren Speichel in die Wunde injizieren, wird das Virus direkt beim Stich übertragen. Die Krankheit kommt jedoch überwiegend in ausgewiesenen Risikogebieten vor.

Die Borreliose dagegen tritt bundesweit auf. Der Erreger, Bakterien namens Borrelien, können also von jeder Zecke übertragen werden. Tatsächlich tragen laut Wald und Holz NRW 10 Prozent der Zecken in NRW das Bakterium in sich. In Süddeutschland sind es laut bayerischem Gesundheitsministerium sogar 15 bis 20 Prozent.

Die Krankheit zeichnet sich durch ringförmige Rötungen und Kopfschmerzen, Fieber, Muskel- und Gelenkschmerzen im frühen Stadium sowie Nerven- und Hirnhautentzündungen, Lähmungen und Schwellungen an Knie- und Sprunggelenken im späteren Stadium aus. Das RKI schätzt, dass es in Deutschland jährlich zu 80.000 bis 120.000 Borreliose-Infektionen kommt. Die Krankheit kann mit Antibiotika behandelt werden.

Welche FSME-Risikogebiete gibt es?

Das Robert Koch-Institut (RKI) hat in Deutschland 185 Kreise und Städte als Hochrisikogebiet für FSME-Infektionen ausgewiesen. In diesen Gebieten besteht eine höhere Gefahr der Übertragung des Virus durch einen Zeckenstich. In NRW ist die Stadt Solingen das einzige ausgewiesene Hochrisikogebiet.

Weitere Risikogebiete liegen vor allem im Süden und Südosten Deutschlands. So sind Bayern und Baden-Württemberg Risikogebiete (mit den Ausnahmen Schweinfurt und Heilbronn), ebenso wie südliche Landkreise in Hessen und Thüringen.

Sachsen ist bis auf die Stadt Leipzig und den Landkreis Leipziger Land Hochrisikogebiet. Zudem sind Teile Sachsen-Anhalts, die Lausitz in Brandenburg sowie die niedersächsischen Landkreise Celle und Emsland, der Landkreis Marburg-Biedenkopf in Hessen, der Landkreis Birkenfeld in Rheinland-Pfalz sowie der Saarpfalz-Kreis im Saarland betroffen.

Kann man sich auch außerhalb der Risikogebiete mit FSME infizieren?

Ja, das ist in Einzelfällen möglich. Im vergangenen Jahr gab es laut RKI-Jahresbericht 40 Fälle von FSME-Infektionen außerhalb von Risikogebieten. Einer davon kam im Kreis Wesel vor. Zum Vergleich: Insgesamt wurden 2025 in Deutschland 693 FSME-Erkrankungen erfasst.

Wer auf Nummer sicher gehen will, kann eine vom Körper entfernte Zecke auch per Post an ein Labor schicken, welches das Tier auf Krankheitserreger testet. Eines dieser Labore in NRW ist das LABCON OWL in Bad Salzuflen in Ostwestfalen-Lippe. Die Überprüfung kostet 50 Euro.

Gibt es Impfungen gegen FSME und Borreliose?

Gegen FSME gibt es bereits seit einigen Jahren eine Schutzimpfung. Diese empfiehlt das RKI Menschen, die in den Risikogebieten Zecken stärker ausgesetzt sind, sich also länger in der freien Natur aufhalten. Auch NABU-Sprecherin Königs sagt: „Wer sich länger in den Risikogebieten aufhält und dort zum Beispiel in der Natur wandert, sollte sich impfen lassen.“

Eine Impfung gegen die Borreliose gibt es in Europa bisher nicht. Allerdings befindet sich ein Impfstoff der Unternehmen „Pfizer“ und „Valneva“ derzeit in der klinischen Prüfung. Dieser ist ein Sechsfachimpfstoff, der gegen die sechs in Europa und Nordamerika am häufigsten vorkommenden Arten von Borrelien schützen soll. Das schreibt „Valneva“ in einer Mitteilung.

Mücken, Zecken und andere Plagegeister

Wie kann ich bei der Forschung helfen?

Der NABU ruft dazu auf, gefundene Zecken zu melden. Die Naturschutzorganisation möchte damit die Verbreitung der verschiedenen Zeckenarten erforschen. Denn bundesweit gebe es 19 Zeckenarten, sagt NRW-Sprecherin Königs. In den letzten Jahren sind laut NABU die Wiesenzecke und die Schafzecke hinzugekommen, die sich nun weiter ausbreiten. Allerdings müssen die Tiere hier nicht per Post verschickt, sondern fotografiert werden. Die Bilder können dann per Online-Formular an den NABU geschickt werden.