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YouTube sperrt Musikvideos in Deutschland

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München/Hamburg. Schlechte Nachrichten für Musikfans: Seit Dienstag sperrt das weltgrößte Videoportal Youtube alle Musikvideos für deutsche Nutzer. Hintergrund ist ein Streit zwischen der Verwertungsgesellschaft Gema und der Google-Tochter YouTube.

Das weltgrößte Internet-Videoportal YouTube sperrt alle Musikvideos für deutsche Nutzer. Hintergrund ist ein Streit zwischen der Verwertungsgesellschaft Gema und der Google-Tochter YouTube. Beide Parteien signalisieren aber Verhandlungsbereitschaft.

Welche Videos werden gesperrt?

YouTube sperrt derzeit alle Musik-Clips für die deutschen Nutzer. Wer sich etwa ein Video von Superstar Anastacia ansehen will, kann dies zwar noch über das Portal suchen. Sobald er aber versucht, das Video abzuspielen, erscheint der Hinweis, dass der Clip in Deutschland nicht angezeigt werden kann. Wie viele Musikvideos betroffen sind, kann Youtube nicht sagen. Die Rede ist aber von mehreren tausend Clips. Gelöscht werden die Musikvideos, die Plattenfirmen selbst in das Portal eingestellt haben und alle von Nutzern angfertigten Kopien.

Was passiert mit privaten Videos, in denen etwa Gema-geschützte Musik im Hintergrund läuft oder nachgesungen wird?

Private Videos sind laut YouTube-Sprecher Henning Dorstewitz von der Filterung nicht betroffen. Allerdings sei es ohnehin verboten, urheberrechtlich geschütztes Material ins Portal zu stellen. Auch wenn leidenschaftliche Karaoke-Sänger jetzt nicht fürchten müssten, mit ihren Videos aus dem Portal gelöscht zu werden, verletzen auch Karaoke-Versionen streng genommen das Urheberrecht.

Warum hat YouTube die Videos gesperrt?

Laut YouTube fordert die Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte Konzertveranstalter (Gema) mehr Geld für die Nutzung der Musikvideos. Bisher hat das Videoportal eine Pauschale für alle Clips gezahlt, dieser Vertrag ist aber gestern ausgelaufen. YouTube geht davon aus, dass die Gema künftig 12 Cent pro Abruf eines Clips verlangt. Zwar läge derzeit ein Angebot der Verwertungsgesellschaft über einen Cent pro Clip vor, dies sei aber nur eine kurzzeitige Offerte für den Übergang. Nach Angaben von YouTube würde das Videportal bei jedem Clip „massiv draufzahlen”, deshalb habe man sich entschlossen, die Videos zu sperren.

Was fordert die Gema?

Die Gema fordert laut Sprecherin Bettina Müller nicht in erster Linie mehr Geld, sondern mehr Transparenz von YouTube. Eine Verlängerung des Vertrags auf Basis von Pauschalzahlungen lehne die Gema ab, weil so die gerechte Ausschüttung an die von ihr vertretenen Künstler nicht möglich sei. Dafür benötige man Daten zur Nutzung der einzelnen Musikvideos, die YouTube nicht liefern will. Schließlich verdiene Youtube Geld mit den Werken der Künstler, also müssten diese auch angemessen beteiligt werden. Vor zwei Wochen sorgte bereits der Konflikt zwischen der englischen Verwertungsgesellschaft und YouTube für Aufregung. Seitdem sind in Großbritannien alle Musikvideos gesperrt.

Wie reagieren Künstler und Plattenfirmen?

Britische Künstler äußern heftige Kritik gegen Youtube und deren Geschäftsgebaren: Als Reaktion auf den Streit haben sich britische Künstler aus unterschiedlichen Bereichen zur "Featured Artists Coalition" (FAC) zusammengeschlossen. Mittlerweile publizieren über 60 Songschreiber - darunter etwa Radiohead-Gitarrist ed O'Brien - auf der Internetseite www.fairplayforcreators.com ihre Statements zur aktuellen Lage. Ein ähnlicher Zusammenschluss werde derzeit auch in Deutschland organisiert, sagt Bettina Müller von der Gema. Die Plattenlabels hoffen auf ein schnelles Ende des Streits: "Wir bedauern die derzeitige Situation sehr. Youtube ist eine wichtige Plattform für unsere Künstler", sagt Sebastian Hornik, Sprecher von Sony BMG.

Wie geht es weiter?

Beide Parteien wollen an den Verhandlungstisch zurückkehren. „Dieser Zustand ist nicht hinnehmbar, dafür ist das Portal für unsere Künstler zu wichtig”, sagt Bettina Müller von der Gema. Das Angebot von einem Cent sei verhandlungsfähig, von der Forderung nach Nutzerzahlen werde man aber nicht abrücken. „Ob Werbepartner, Plattenfirmen oder Künstler: von dieser Situation profitiert niemand”, sagt auch Henning Dorstewitz. Bei YouTube hoffe man inständig, dass es schnell zu einer Einigung kommt. Dies sei nur möglich, wenn die Gema realistische Forderungen stelle.

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