Unicef-Bericht

Wie geht es den Kindern?

Foto: WR

Köln. Die Rechte der Kinder werden weltweit mit Füßen getreten. Die Fakten über Ausbeutung und Gewalt, die Unicef in einemam Dienstag veröffentlichten Bericht dokumentiert, sind erschütternd – und: Sie zeigen noch nicht das ganze Elend.

Die Datenlage, so beklagt das Kinderhilfswerk der Vereinten Nationen, ist schlecht. Die volle Wahrheit kommt nicht ans Licht.

Wie geht es den Kindern dieser Welt?

Millionen Mädchen und Jungen weltweit sind dem Unicef-Bericht zufolge Opfer von Gewalt, Ausbeutung oder Menschenhandel. 150 Millionen Kinder unter 15 Jahren müssen hart arbeiten, gehen deshalb kaum oder gar nicht zur Schule. Schätzungsweise 51 Millionen Kinder kamen allein 2007 zur Welt, ohne dass ihre Geburt registriert wurde.

Warum ist die Registrierung so wichtig?

Ohne Geburtsurkunde haben Kinder kaum Aussichten auf einen Platz in der Schule und sind krimineller Ausbeutung schutzlos ausgeliefert. In einigen Weltregionen wie im südlichen Afrika werden zwei Drittel aller Kinder nicht registriert, in Somalia und Liberia sogar 95 Prozent.

Welche Missstände stellt Unicef in den Vordergrund?

Die mindestens eine Million Kinder in Gefängnissen: Mehr als die Hälfte von ihnen sitzt ohne Gerichtsverfahren in Haft. „Die große Mehrheit dieser Kinder hat keine schweren Verbrechen begangen”, beklagt das Hilfswerk. Es weist außerdem darauf hin, dass mehr als 18 Millionen Kinder in Familien aufwachsen, die aufgrund von Kriegen oder Naturkatastrophen aus ihrer Heimat vertrieben wurden.

In mindestens 29 Ländern der Erde sind Mädchen durch die Tradition der Genitalverstümmelung bedroht. Jedes dritte Mädchen in Entwicklungsländern wird als Kind verheiratet. In den Ländern Niger, Tschad und Mali liegt der Anteil der Kinderheiraten bei über 70 Prozent, in Bangladesch, Guinea und der Zentralafrikanischen Republik sind es mehr als 60 Prozent.

Gibt es keine Entwicklungen zum Besseren?

Kaum, der Bericht zeigt Fortschritte in zwei Bereichen auf: In vielen afrikanischen Ländern sinkt der Anteil der Mädchen, die an ihren Genitalien beschnitten werden. Das Heiratsalter von Mädchen in Ländern wie Bangladesch, wo Kinderheiraten weit verbreitet sind, leicht gestiegen.

Der Schwerpunkt liegt auf den armen Ländern?

Ja, Unicef-Direktorin Ann Venemann weist darauf hin, dass eine Gesellschaft „sich nicht entwickeln kann, wenn ihre jüngsten Mitglieder in Kinderheiraten gezwungen, sexuell ausgebeutet und ihrer grundlegenden Rechte beraubt werden”. Der Bericht blickt aber auf alle Regionen der Erde und zeigt: Kinder werden in jedem Land Opfer von Gewalt, Kinderarbeit, sexuellem Missbrauch und Menschenhandel.

Gibt es besondere Erkenntnisse über Europa?

Für Osteuropa stellt der Bericht fest, dass die Staaten aufgrund der sozialistischen Vergangenheit stärker im Kinderschutz engagiert sind; zugleich bestehe aber die Gefahr, dass Gewalt und Ausbeutung unentdeckt blieben. Menschenhandel und Missstände im Justizwesen werden außerdem als Besorgnis erregend genannt. Gewalt, Kinderarbeit, Menschenhandel und die Lage von Flüchtlingskindern stehen bei den Problemen in Industriestaaten obenan.

Was kann der Bericht bewirken?

Er kann die Augen für ein Problem öffnen, das gern übersehen wird, und er kann das Bewusstsein für die notwendigen Schutzmaßnahmen stärken. Unicef fordert breite Bündnisse zwischen Regierungen, Zivilgesellschaft und Unternehmen sowie einen verstärkten Kampf gegen die Armut.

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