Eversbusch

Wacholder aus Hagen - ein hochprozentiges "Maggi"

Foto: Manuela Schwerte/press

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Hagen. Wenn früher von Hagen-Haspe die Rede war, dachte man an Stahl aus der Hasper Hütte, Brandt-Zwieback und Spirituosen aus dem Hause Eversbusch. Die Back-und Hochöfen sind inzwischen erkaltet - einzig der 46-prozentige Doppelwacholder hat überlebt.

Zunächst sticht beim Blick aufs Eversbusch-Etikett ein Fehler ins Auge: Wacholder wird, allen Regeln zum Trotz ,mit doppeltem „h“, also Wachholder, geschrieben. Ein Irrtum?

Mitnichten. Zwar entschied die orthografische Konferenz im Juni 1908, dass das „h” aus Wörtern wie Thür, Thunnel, Wirthschaft und eben Wachholder zu verschwinden habe, doch das focht Ernst Eversbusch seinerzeit nicht an. Er bewies westfälischen Dickkopf und entschied, dass Wachholder in Haspe weiterhin zwei h enthält.

Eversbusch legt großen Wert auf Tradition. Zu Recht?

Ein klares Ja. Auch heute noch werden die Beeren mit Alkohol und Wasser in der Original-Wacholderblase aus dem Jahre 1817 destilliert. Zudem ist Eversbusch nach wie vor ein echter Familienbetrieb: Die Brüder Christoph und Peter Eversbusch sowie deren Frauen Antje und Klaudia schmeißen den Laden ohne jede fremde Hilfe. Destillieren, veredeln, abfüllen, verpacken, Bücher führen...

Westfalen gilt eher als Heimat des Korns. Wer kam auf die Idee mit dem Wacholder?

Tatsächlich hatte sich Johann Christoph Eversbusch, Urururururgroßvater der heutigen Besitzer, dem Brennen von Korn verschrieben. Erst dessen Enkel Peter Christoph sorgte für frischen Wind im heimischen Betrieb. Als preußischer Jäger kämpfte er in den Kriegen von 1813 und 1815 gegen Napoleon und fand trotz aller Kriegswirren noch die Zeit, sich ein holländisches Wacholderrezept mit 46 Prozent Alkohol zu notieren.

Der gemeine Wacholder kommt in hiesigen Breiten selten vor. Woher hat Eversbusch seinen Rohstoff?

Seit drei Generationen beziehen die Hasper die Beeren vom selben Importeur aus der Toskana. Mit jährlich zwei bis drei Tonnen ist Eversbusch der größte Abnehmer dieses Händlers auf dem Kontinent. Allerdings nur, weil England nicht zum Festland gehört. Die in London beheimatete Weltfirma Gordon’s Dry Gin bestellt nämlich beim selben Lieferanten und dürfte einige Kilo mehr ordern.

Eversbusch wird eine medizinische Wirkung zugeschrieben. Ist da was dran?

Viele behaupten das. Noch in den 1930er Jahren warb die Brennerei mit dem Spruch: „Wenn Dich des Harnes Säure plagt, das Zipperlein Dich peinigt, hilft Eversbusch-Wachholder Dir, ein deutscher Trank, der reinigt!”

Warum wird Eversbusch auch „Hasper Maggi” genannt?

Es gibt zwei Theorien. Die erste besagt, dass sich nach übermäßigem Genuss am nächsten Morgen ein Maggi-Geschmack einstellt, sobald man aufstößt. Wahrscheinlicher ist indes These zwei: Das gelb-rote Etikett ähnelte schon vor Jahrzehnten dem auf der Maggi-Flasche.

Wird Eversbusch nur in Haspe und Umgebung getrunken?

Nein. Nach Südtirol liefern die Hagener ebenso wie nach Hamburg, wo sich ein ehemaliger Hasper Lehrer auch mit 93 Jahren noch regelmäßig einen Eversbusch genehmigt. Während des 1. Weltkriegs gab es auch an der Front dankbare Abnehmer. Einer der Soldaten schrieb: „Für die mir gütigst übersandte Flasche Wachholder meinen besten Dank. Er ist ein herrliches Getränk zum Frühstück..."

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben