Kommentar

Vorurteile abbauen

Foto: WR RALF ROTTMANN

Ayse Öztürk, 30, arbeitssuchend. Trifft das auf Sie zu? Dann brauchen Sie eigentlich gar keine Bewerbungen schreiben, Sie erfüllen alle Parameter, die Personalchefs zusammenzucken lassen. Frauen in gebärfähigem Alter und Menschen mit ausländischem Namen haben, das belegen zahlreiche Studien, nur schlechte Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Da kann die Qualifikation noch so hervorragend sein.

In einer Pilotphase wurden nun anonyme Bewerbungen getestet – und für wesentlich fairer befunden. Plötzlich bekamen auch Menschen die Chance, beim Personalchef vorzusprechen, die sonst stets Ablehnungsschreiben bekamen. Traurig – aber wahr.

Die anonyme Bewerbung ist keine preisverdächtige Lösung zur Aufsprengung unserer mit Rollenklischees und Vorurteilen behafteten Gesellschaft. Eigentlich ist sie sogar ein Schritt zurück. Aber: Wenn sie wirklich auf dem Weg zur Gleichberechtigung hilft, dann ist sie für viele Menschen eine große Chance. Mittelfristig sogar für die ganze Gesellschaft. Die Bundesregierung hat es vor einiger Zeit so formuliert: Mütter und Migranten sind ein Schlüssel im Kampf gegen den Fachkräftemangel. Bis alle das verinnerlicht haben, ist die anonyme Bewerbung wohl das schärfste Schwert.

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