Vom Spieltisch auf die Straße: Croupiers streiken

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Düsseldorf. Täglich gehen Tausende Euro durch ihre Hände, doch für sie selbst bleibt zu wenig übrig - so sehen es jedenfalls die Croupiers der vier Casinos in NRW. Deshalb gingen sie jetzt für mehr Gehalt auf die Straße.

Von Walter Bau Wer schon einmal am Roulettetisch stand, kennt das. Die Kugel ist gefallen, der Croupier schiebt dem Glücklichen einen Stapel Jetons hinüber, der Gewinner bedankt sich generös: "Ein Stück für die Angestellten." Aus diesem Trinkgeld, im eleganten Casino-Jargon Tronc genannt, speist sich das Gehalt der "Spieltechniker", wie die Croupiers offiziell heißen.

Doch der Topf reicht am Ende des Monats oft nicht mehr für die Gehaltszahlungen. Deshalb muss der Arbeitgeber zuschießen, was wiederum für eine ungünstigere Besteuerung der Gehälter sorgt. Ein kompliziertes System - und das Hauptproblem der 280 Croupiers an den vier NRW-Casinos Dortmund-Hohensyburg, Aachen, Duisburg und Bad Oeynhausen.

"Wir wollen weg von diesem veralteten Trinkgeldprinzip und fordern ein ganz normales Tarifgehalt wie jeder andere Angestellte auch", fordert Sascha Tiefenbach, seit 20 Jahren Croupier in Hohensyburg. Mit gut 50 Kollegen steht er in der prallen Sonne vor dem Finanzministerium in Düsseldorf. Weil das Land die Aufsicht über die Casinos hat, wollen sie hier Druck machen für ihre Forderungen.

"Die Gehälter der Spieltechniker sind seit 1996 nicht mehr erhöht worden", betont zudem Andreas Elbracht, Verhandlungsführer der Verdi-Gewerkschaft. Das Salär für die Croupiers liege unverändert zwischen 1270 und etwa 3000 Euro brutto. Die Tarifverhandlungen mit der Betreiber-Gesellschaft Westspiel treten seit Monaten auf der Stelle. Betroffen sind insgesamt 600 Casino-Angestellte in NRW.

Die Pokerspieler geben nichts

Einer der Gründe für die Probleme der Spieltechniker sind die veränderten Spielgewohnheiten der Kundschaft. "Das klassische französische Roulette ist auf dem Rückzug", weiß Peter Nolden, Croupier und Betriebsratschef der Aachener Spielbank. So mancher Besucher ist zum Pokertisch übergewechselt. Das Spiel mit Full House und Royal Flush hat es aus der Schmuddelecke in die Belle Etage geschafft. "Aber Pokerspieler", konstatiert Nolden, "geben kein Trinkgeld."

Beim Finanzministerium haben die Croupiers mit ihrem Protest an diesem Tag allerdings wenig Erfolg. Minister Helmut Linssen (CDU) lässt über eine Sprecherin nur ausrichten, dass die Tarifverhandlungen auch vor dem Hintergrund der Umsatzentwicklung in den Casinos gesehen werden müssten. "Und die", so die Sprecherin, "ist rückläufig."

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