18 Prozent der Völker starben

Varroa-Milbe macht Bienen zu schaffen

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Dortmund. Mit einem „blauen Auge”, so Dr. Werner Mühlen, Referent für Bienenkunde an der Landwirtschaftskammer Münster, haben die Imker in Nordrhein-Westfalen den diesjährigen Winter überstanden.

„Wir haben in NRW einen durchschnittlichen Verlust von 18 Prozent - das ist weniger als das, was wir erwartet hatten”, so der Biologe. Normal sei zwar ein Winterausfall von etwa zehn Prozent - befürchtet hatte man in diesem Jahr gar zwischen 25 und 30 Prozent.

Die Länge des Winters sei für ein Sterben der Völker jedoch gar nicht ausschlaggebend gewesen. Im Gegenteil: „Ein konstant kalter Winter ist sogar gut, dann fangen die Bienen nämlich nicht an zu brüten, sondern haushalten mit ihren Kräften und Energiereserven”, sagt Erwerbsimker Dennis Schüler (32) aus Münster, der rund 250 Völker hat - und nur einen geringen Verlust von drei bis vier Prozent verzeichnete. Verantwortlich für die Verluste sind nach Ansicht der Experten vor allem die Varroa-Milbe, die den Bienen in Europa seit Ende der 70er Jahre stark zusetzt: Dieser Parasit nistet sich in der Brut ein, schwächt seine Wirte, überträgt weitere Krankheiten und kann schließlich zum Tod des Volkes führen. „Eine ganze Reihe der Völker ist bereits im Spätherbst zusammengebrochen. Das ist in dieser Häufigkeit unüblich”, sagt Friedrich Wilhelm Brinkmann, Vorsitzender des Landesverbandes Westfälischer und Lippischer Imker.

Doch da, so meint Schüler, müssten sich die Bienenzüchter auch an die eigene Nase fassen. „Alles, was jenseits von fünf Prozent liegt, ist Verschulden des Imkers. Er hat es versäumt, rechzeitig im Spätsomer etwas gegen die Milben zu unternehmen.” Insofern sei nicht ein kalter Winter Grund für die Verluste, „sondern das Problem ist hausgemacht. Denn die, die gestorben sind, waren Weihnachten schon tot.”

Üblicherweise wird die Varroa-Milbe bekämpft, indem direkt nach der Honigernte Ameisensäure im Bienenvolk verdunstet werde, so Mühlen. Im Winter gebe es dann eine Behandlung mit Oxalsäure. „Beides sind biologische Methoden, bei denen es darauf ankommt, es richtig zu machen.” Erfahrung, die den 600 Jung-Imkern, die jedes Jahr neu hinzukommen, vielleicht noch fehlt. Doch das glaubt Dennis Schüler nicht: „Gerade diejenigen, die mit diesem Hobby beginnen, die Lehrgänge besuchen und sich auf dem aktuellen Stand fortbilden, versuchen natürlich, möglichst keinen Fehler zu machen. Sie sind gut geschult”, betont er. „Probleme haben eher die beratungsresistenten Altimker, die alles so weitermachen wollen, wie sie es immer getan haben.”

Doch ganz gleich, ob es sich um junge oder erfahrene Imker handelt, um Hobby- oder Berufs-Imker: Ihre Bienen haben dasselbe Bedürfnis. Sie brauchen nun vor allem Wärme und viele Pollen, um mit dieser Eiweißquelle ihre Brut aufzuziehen, und warten auf die Obstbaumblüte. „Wenn das Wetter besser wird, wird auch die Stimmung beim Imker schlagartig besser”, sagt Friedrich Wilhelm Brinkmann, „denn dann geht das Kribbeln wieder los.”

  • „Wer den Bienen helfen will, sollte seinen Garten nicht zum Wohnzimmergarten machen“, sagt Friedrich Brinkmann. „Rasen, Buxbaum und Tanne sehen vielleicht ordentlich aus, aber am besten ist es, dass man für die Insekten etwas wild werden lässt und entsprechende Blumen aussät.“
  • Für den eigenen Garten eignen sich auch mehrjährige Stauden vor allem aus der nektar- und pollenspendenden Familie der Lippenblütler, unter denen auch viele Küchenkräuter sind, die nicht übermäßig groß werden und hübsch blühen.
  • In Super- und Drogeriemärkten gibt es als „Bienenschmaus“ einen fertigen Mix aus Samen von Kräuter-, Duft- und Blütenpflanzen. Auch in kleineren Gärten können sich Buchweizen, Kornblume, Ringelblume, Borretsch, Dill, Koriander und Büschelschön aussäen lassen.
  • Für Flächen ab 100 Qua­dratmeter verkauft die Landwirtschaftskammer Münster eine „Bienenweidemischung“ zum Preis von drei Euro. (Tel. 0251 / 23760).
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