Hauptversammlung

Skandalfirma Envio fast ohne Eigenkapital

„Ein bisschen plakativ“ dargestellt sieht Envio-Chef Dr. Dirk Neupert die Vergiftungen seiner Ex-Mitarbeiter.

„Ein bisschen plakativ“ dargestellt sieht Envio-Chef Dr. Dirk Neupert die Vergiftungen seiner Ex-Mitarbeiter.

Foto: Knut Vahlensieck

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Dortmund. Die Bosse der Giftfirma im Reich der einarmigen Banditen: „Wenn das keinen Symbolwert hat“, scherzte ein Aktionär im Casino Hohensyburg. Im Glücksspieltempel ging am Dienstag die Hauptversammlung der Envio AG über die Bühne – ohne Gewinne für die Anleger. Auch ohne Entlastung für den Vorstand. Mit Blick auf laufende Ermittlungen wegen Umweltstraftaten und Körperverletzung wurde sie vertagt.

„Christmas Show“ stand auf dem Banner am Eingang. Drinnen gab es die Rute für die Envio-Chefs. Doch die Hiebe – sie gerieten zarter als Vorstandsvorsitzender Dr. Dirk Neupert sie erwartet hatte. Dafür sprach das Großaufgebot an Sicherheitskräften, das er engagiert hatte. Am Ende kostete die Versammlung mit Brötchen und Suppe für 35 Teilnehmer 40 000 Euro. Viel Geld für eine Firma mit einem „Fehlbetrag von 7,2 Millionen Euro“, deren „Eigenkapital mit 85 000 Euro nahezu aufgezehrt“ ist, wie Finanzvorstand Christoph Harks eingestand. Die Frage, ob das sein musste, blieb ebenso offen wie die Berechnung der Rückstellungen von 7,3 Millionen Euro, die Envio an den Rand der Überschuldung bringen.

„Neupert ist wie das Wetter: eiskalt“

„Unsere Gesellschaft hat es auf Seite 1 der großen Regionalzeitungen geschafft – mit der Schlagzeile ‚Giftmüll ging in die ganze Welt’“, empörte sich Thomas Hechtfischer, Landeschef der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz. Doch Envio-Vorstandschef Dr. Dirk Neupert hält die bundesweit beispiellosen Vergiftungen von Ex-Mitarbeitern für „ein bisschen plakativ“ aufbereitet. „Neupert ist wie das Wetter: eiskalt“, schauderte es Fondsmanager Andrew Murphy.

Mit Blick auf den PCB-Ausstoß der im Mai stillgelegten, aber zuvor jahrelang von der Bezirksregierung geduldeten Entsorgungsanlage sieht Neupert die Schuld in Arnsberg. Dort müsse man sich fragen: „Was bedeutet das, was ich hier genehmige? Welche Auswirkungen hat ein genehmigter Betrieb, der jeden Tag fünf Gramm PCB in die Luft pusten darf?“

100 Envio-Aktien für eine Bebra

Envio setzt jetzt auf Biogas. Aus Gärresten und Gülle sollen Bauern den Brennstoff in Erdgasqualität gewinnen können. Wie früher im PCB-Geschäft, schwört Envio auf eine hochmoderne, sichere und effiziente Technik. Für 100 Envio-Aktien bekommen Anleger nun ein Bebra-Papier.

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