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Schulz ist für den schlimmsten Fall gerüstet

Krisenvorsorge: Manfred Schulz mit seinem stromunabhängigen Kurbel-Radio.    WR-Foto: Theo Schmettkamp

Krisenvorsorge: Manfred Schulz mit seinem stromunabhängigen Kurbel-Radio. WR-Foto: Theo Schmettkamp

Foto: WR Theo Schmettkamp

Dortmund/Hagen.   Notstromaggregat, Wasseraufbereitungsanlage, Kurbelradio und Getreidemühle im Keller: Der 58-jährige Hagener Manfred Schulz ist für den schlimmsten Fall gerüstet.

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Wirtschaftskrise, Bankenkrise, Klimakrise. Krisen machen Menschen in diesen Tagen Sorgen. Manchen sogar so viel, dass sie um ihre Existenz fürchten. Dass sie nicht mehr ausschließen, unser gesamtes Wirtschaftssystem könnte zusammenbrechen und schon bald könnte es ums nackte Überleben gehen. Dagegen versuchen sie sich zu wappnen – mit zum Teil skurrilen Mitteln.

„Wenn ich ein Gewitter aufziehen sehe“, sagt Manfred Schulz*, „dann gehe ich doch auch ums Haus, und schaue, ob alle Fensterläden geschlossen sind.“ Täglich liest Schulz in der Zeitung von milliardenteuren Rettungsschirmen und der aufziehenden Rezession. Hört in den Nachrichten, dass der Euro in Gefahr ist und sieht, wie viele Politiker einen hilflosen Eindruck machen.

„Es muss doch nur mal nach dem Atomausstieg zu einem längeren Stromausfall kommen oder wegen der Zahlungsschwierigkeiten unser auf Just-in-time-Belieferung aufgebautes Warensystem zusammenbrechen“, meint Schulz – dann würden Güter des täglichen Lebens schnell knapp und die Krise würde sich immens verschärfen.

Der 58-jährige Hagener hat zur Selbsthilfe gegriffen, damit er „beim Gewitter“ nicht im Regen steht. Er hat Vorräte angelegt und sich für den schlimmsten Fall gerüstet. Mit Hilfe des Münchners Gerhard Spannbauer, der sich vom Garagenverkäufer und ehemaligen Mitglied der umstrittenen Scientology-Sekte zum Krisenexperten entwickelte.

70 000 Käufer besorgten sich sein Buch „Finanzcrash – die umfassende Krisenvorsorge“, und auch sein neuer Wälzer „Europa vor dem Crash: Was Sie jetzt wissen müssen, um sich und Ihre Familie zu schützen“ steht schon in den Bestsellerlisten. Gerhard Spannbauer (47) ist derzeit auf allen Kanälen präsent – im Sat1-Duell gegen Michel Friedman, im ZDF-Morgenmagazin und im Bayerischen Rundfunk. Passend dazu betreibt der Krisen-Warner im Internet einen Shop, in dem es alles gibt, was man zum Überleben in der sich zuspitzenden Situation benötigt.

Warner sind auf allen Kanälen unterwegs

„Ich habe mir schon oft Gedanken über die aufziehende Krise gemacht“, sagt der Hagener Manfred Schulz, „und ich glaube, dass es nicht schadet, eine gewisse Vorsorge zu treffen.“ Im Keller hat Schulz Lebensmittel eingelagert und Wasser. „Ohne Wasser kann man nicht lange überleben. Deshalb habe ich zehn Kisten Mineralwasser im Keller“, sagt Schulz. Im Regal steht außerdem eine Wasseraufbereitungsanlage, um notfalls auch das Hagener Volme-Wasser trinkbar zu machen. Ein Notstromaggregat und ein Reservekanister mit Benzin gehören ebenso zu Schulz’ Vorräten wie eine Getreidemühle und eine Menge Weizenkörner. Eine Petroleumlampe hilft, wenn der Strom mal wegbleiben sollte und ein Weltempfänger mit Kurbel, um unabhängig vom Strom Nachrichten empfangen zu können. „Es muss ja gar nicht ein Krieg oder eine Revolution ausbrechen – auch eine extreme Wettersituation macht es sinnvoll, gerüstet zu sein“, meint Schulz. „Ich finde, jeder sollte Vorsorge für sich selbst treffen.“

Weil das aber längst nicht jeder für angebracht hält, weil es sich viele auch nicht leisten können, teure Vorsorgepakete in den Keller zu stellen, empfiehlt Krisenpapst Gerhard Spannbauer, sich ausreichend zu schützen. Für den Fall, dass der hungrige Mob vor der Tür des Vorsorgekellers steht, sozusagen. „Dann werden Plünderungen, Einbrüche, Überfälle und Diebstähle leider zur Tagesordnung gehören“, orakelt Spannbauer und bietet in seinem Webshop auch entsprechende „Hilfsmittel“ an: Eine Armbrust beispielsweise, um „im Notfall zurückschlagen zu können“, Pfefferspray, Messer oder eine Sportschleuder. Die Verteidigungs-Sets sollten am besten auf jeder Etage im Haus verteilt sein – „im Auto haben Sie ja wahrscheinlich auch sieben Airbags“.

Manfred Schulz hat sich aus dem Spannbauer-Shop einen Regenschirm bestellt – einen ganz speziellen. Lässt sich dezent tragen wie ein Regenschutz, doch in seinem Innern gibt’s ein massives Stahlrohr mit dem der Träger Schläge abwehren und notfalls auch selbst austeilen kann. Kostenpunkt: 139 Euro. Nicht ganz billig, wie auch die anderen Vorsorgepakete, die Spannbauer gepackt hat: Komplett-Paket „Selbstverteidigung“ mit Stichschutzweste und Armbrust 1164 Euro, der „Notfall-Rucksack Krisengrundausstattung“ für 999 Euro oder das Paket „Ernährung“ mit u.a. 90 Kilo Getreide, Getreidemühle und Keimgerät für 854 Euro.

Gute Ideen oder einGeschäft mit der Angst

Dass Spannbauer, wie ihm Kritiker vorwerfen, die Angst der Menschen schürt und damit konsequent Geschäfte macht, will Spannbauers Kunde Manfred Schulz nicht komplett von der Hand weisen – steht aber dazu. „Er hat eben diese Geschäftsidee gehabt, und er hat auch immer wieder gute Vorschläge, woran man denken sollte“, meint Schulz. „Ob man das dann annimmt, muss jeder für sich selbst entscheiden.“

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Meinung: Vorschlag zur Bewaffnung „grenzwertig“

Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt ebenfalls, für Notsituationen vorzusorgen. Haushalte sollten schauen, wie sie in Notfällen ein bis zwei Tage über die Runden kommen, ohne einkaufen gehen zu können.

Dass es in verschärften Krisensituationen aber zu Plünderungen und Übergriffen kommen könnte, halten die Zivilschutz-Experten für unrealistisch. Vielmehr habe die Forschung gezeigt, dass in Krisensituationen Menschen eher dazu neigen, sich ganz pragmatisch gegenseitig zu helfen, sagt Ursula Fuchs, Sprecherin des Bundesamtes. Selbstorganisation und Nachbarschaftshilfe seien eher zu erwarten als chaotische Situationen mit Mord und Totschlag.

Spannbauers Vorschläge zur Selbstverteidigung hätten sie „entsetzt“ – die Empfehlung sich zu bewaffnen, sei „grenzwertig“.

Kostenlose Hinweise zur Vorsorge für Notsituationen gibt es auf der Webseite des Bundesamtes unter: www.bbk.bund.de

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