50. Geburtstag

Memory - das Spiel, bei dem meist Kinder gewinnen

Foto: unbekannt

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Dortmund. Ein Spieleklassiker feiert Jubiläum. Dienstag vor 50 Jahren wurden die ersten Memory-Spiele verkauft. Seitdem ist kaum ein Spiel in NRW so beliebt wie die Pärchensuche mit den quadratischen Karten. ausgespielt. Selbst zu Meisterehren haben es die Nordrhein-Westfalen immer wieder gebracht.

Gute Spiele brauchen nicht viele Worte. Für sie genügen zwei Sätze als Erklärung. Zum Beispiel: Wer aus einer beliebigen Zahl von verdeckt liegenden Bild-Paaren je zwei Kärtchen umdreht und die meisten Paare findet, ist Sieger. Jeder Mitspieler ist nur einmal am Zug, es sei denn, er stößt auf ein Pärchen.

Den meisten Deutschen muss man aber selbst das nicht mehr erklären. 91 Prozent der Menschen hierzulande kennen laut einer Studie das Spiel und können es spielen. Nicht nur in der Heimat, auch im Ausland.

Ein normaler Erwachsener kann ein Kind kaum besiegen

In über 80 Ländern wird es verkauft. Bisher rund 75 Millionen Mal. Alle Kärtchen aneinander gelegt würden den Erdball umrunden. Acht Mal. „Unser größter Erfolg”, heißt es beim Hersteller Ravensburger. Und wer hat es erfunden, dieses Spiel? Ein Schweizer.

Heinrich Hurter hieß er und bastelte um 1950 ein Spiel für die Familie seines Sohnes William, der damals Militärattaché in London war. Quadratische Kartontäfelchen nahm er dafür und klebte darauf Ausschnitte aus Illustrierten und Warenhauskatalogen. Zeichnungen, Fotos oder Ausschnitte von Gemälden. „Our Memory Game” tauften britische Freunde der Familie das Spiel und ermunterten William Hurter, das Spiel einem Spielehersteller anzubieten.

Hurter nahm Kontakt zum Ravensburger Spieleverlag auf, der damals noch Otto Maier Verlag hieß. Dort rannte der Eidgenosse offene Türen ein. Der damalige Programmleiter Erwin Glonneger zögerte keine Sekunde, das Spiel aufzunehmen. „Es war eine Entscheidung aus dem Bauch heraus”, erinnert sich der heute 84-Jährige. Auf der Nürnberger Spielwarenmesse im Frühjahr 1959 wurde das Spiel mit der Artikelnummer 6202 erstmals der Öffentlichkeit präsentiert. Am 15. April des gleichen Jahres stand es zum Preis von 4,80 Mark in den Geschäften. Binnen kurzer Zeit war die Erstauflage von 6000 Stück vergriffen.

Vor allem Kinder sind seitdem begeisterte Memory-Spieler. Weil sie hier auch gegen Erwachsene gewinnen. Oft mühelos, meist haushoch. „Kinder sind die geborenen Memory-Spieler”, bestätigt Dr. Susane Wilpers, Professorin an der Hochschule in Heilbronn. Das liegt an den Synapsen im Gehirn. 200 Billionen haben Kinder davon. Erwachsene dagegen müssen mit der Hälfte auskommen.

Nicht weil sie dümmer sind, sondern weil ihr Gehirn gelernt hat. Mit dem Lernen baut sich das Gehirn nämlich Synapsen-Autobahnen, auf denen es schnell vorankommt. „Es wird effizienter”, erklärt Wilpers. „Nebenstrecken werden weniger genutzt, dadurch aber auch weniger Synapsen benötigt, und nicht genutzte Synapsen baut das Hirn mit der Zeit ab.” Dann fehlt es an der nötigen Rechenleistung für einen Sieg beim Memory.

„Ein normaler Erwachsener kann ein Kind kaum besiegen”, weiß auch Andreas Urh. Doch Urh ist kein „normaler Erwachsener”. Der 51-Jährige aus Sankt Augustin ist Mitglied der „Gesellschaft der Freunde des Memory-Spiels” und mehrfacher Deutscher Meister in der Pärchensuche. NRW gilt als Memory-Hochburg. Seit 1990 wird der Meistertitel deshalb in mehreren Klassen auf den Essener Spieletagen ausgespielt. Urh sitzt seit mehr als zehn Jahren mit am Tisch. Expertenklasse.

An der beißen sich auch die besten Kindern die Zähne aus. „Weil Kinder nicht strategisch spielen, sondern aus dem Bauch heraus”, sagt der Pärchensucher. Deshalb decken sie eine bekannte Karte auch ein zweites Mal auf ohne zu wissen wo das Pendant ist. Experten machen so etwas nie. Sie wissen wo etwas liegt, wenn sie es einmal gesehen haben.

Eine Zitrone auf C4 - so kann ich mir alles merken

Weil sie Strategien haben. Jeder seine ganz eigene. Urh etwa hat das Spielfeld wie ein Schachbrett aufgeteilt, nutzt Eröffnungszüge als Gedächtnisstütze. „Etwa Zitrone auf C4. So kann ich mir alles merken.”

Manchmal aber ist gerade das nicht gut. Je länger ein Turnier dauert, desto besser muss ein Spieler auch vergessen können. Vergessen, auf welchen Plätzen die Karten in den Spielen zuvor lagen. „Das ist schwieriger als alles andere”, hat Urh festgestellt und weiß. „Memory ist ein Spiel, das höchste Konzentration erfordert. Eine Sekunde nicht aufgepasst und der Sieg ist futsch.”

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