Michael Heckhoff flüchtig

"Man darf ihn nicht in die Enge treiben"

Foto: WR

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Werl. Mit dem Namen eines der flüchtigen Aachener Ausbrecher verbinden sich Erinnerungen an eine dramatische Geiselnahme 1992 in der JVA Werl. 13 Stunden hielten Michael Karl Heckhoff und Kurt Knickmeier sechs Menschen in ihrer Gewalt, dann zündeten sie zwei von ihnen mit Wundbenzin an.

Den damals 33-jährigen Heckhoff hält der Dortmunder Rechtsanwalt Reinald Imig auch heute noch für einen Menschen, der „im Prinzip gefährlich ist. Was aber nicht heißt, dass er gefährlich werden muss.” Aber, sagte Imig gestern zur WR, „man sollte unbedingt vermeiden, ihn in die Enge zu treiben.” Der Dortmunder Jurist hatte Heckhoff in zwei Großverfahren - unter anderem wegen der Geiselnahme 1992 in Werl - verteidigt.

Mit Geiselnahmen kannte Michael Heckhoff sich schon damals aus, an jenem 30. Juni 1992. Er saß in Werl ein, weil er mit einer Maschinenpistole eine Bank in Mülheim überfallen hatte. Bei seiner Festnahme zog er eine kleine Pistole und brachte einen Polizisten und seine Kollegin in seine Gewalt. Der 33-Jährige gilt für die Sondereinsatzbeamten am 30. Juni als Mastermind, als krimineller Kopf, der die Aktion im Werler Gefängnis ausgeheckt hat. Im Verbund mit dem absolut gewissenlosen Komplizen Knickmeier entsteht eine hochbrisante menschliche Ladung, die jederzeit explodieren kann.

Pistolenattrappe gebaut

Gegen 10 Uhr haben sich Knickmeier und Heckhoff mit Zahnschmerzen in der Sprechstunde von Hans-Joachim P. (49) gemeldet. Der Neheimer Zahnarzt kommt mit drei Arzthelferinnen in den Knast, um Häftlinge zu behandeln. Aus Brot, Seife und Schuhcreme, so stellt sich später heraus, haben die beiden Häftlinge eine täuschend echte Pistolenattrappe gebaut. Mit fünf Geiseln verbarrikadieren sie sich im Sanitätstrakt. Nervenaufreibende Stunden liegen vor Sandra K. (21), Elke S. (23), Hans H. (49) sowie zwei weiteren Geiseln.

Heckhoff und Knickmeier verlangen eine Million Mark und ein Fluchtauto und zwar bald, „sonst liegt die erste Leiche vor der Tür.” Die SEK-Beamten wissen zu diesem Zeitpunkt bereits, dass dies keine leere Drohung ist. Knickmeier gilt als zutiefst kalter Killer, als ein Monstrum außerhalb jeglicher Moral. Im ostwestfälischen Enger hatte er, ohne mit der Wimper zu zucken, zwei Menschen erschossen, darunter eine 22-jährige Frau, die um ihr Leben flehte. Ein Komplize tötete bei dem Überfall einen weiteren Menschen.

Geiseln angezündet

Dreizehn Stunden zieht sich das Drama in Werl hin, dann greifen die SEK-Beamten um 23 Uhr zu. Sie haben die beiden Geiselnehmer mit einem Fluchtwagen aus ihrem Versteck gelockt, dann werfen sie eine Blendgranate. Beide Gangster werden von Kugeln getroffen. Dennoch gelingt es Knickmeier noch, zwei der mit Wundbenzin übergossenen Geiseln mit einem Feuerzeug in jeder Hand, in menschliche Fackeln zu verwandeln. Beide werden schwer verbrannt.

Ob sich Michael Karl Heckhoff seit dieser Zeit geändert hat? Sein damaliger Anwalt Reinald Imig sagt: „Ich hatte seit 15 Jahren keinerlei Kontakt mehr zu ihm. Und ich weiß natürlich nicht, wie sich ein Mensch in 15 Jahren Gefängniszeit ändert.” Heckhoff, meint Imig, sei die Gesellschaft zu seinem Mithäftling Knickmeier zum Verhängnis geworden. „Da gehörte er nicht hin, das war nicht gut für ihn.”

Flucht aus Gefängnis Aachen

In dem Prozess um die Geiselnahme von Werl schien sogar ein geläuterter Heckhoff vor dem Richter zu sitzen. „Ich schäme mich für die Tat, ich bin doch kein Monster”, sagte er und entschuldigte sich bei seinen Geiseln. Soviel Weichherzigkeit war damals zuviel für Kurt Knickmeier. Das Urteil, lebenslang für beide, sei für ihn belanglos. Getrieben von einem Haß auf die Justiz, auf alles, wünschte er für sich die Todesstrafe: „Ich habe keinen sehnlicheren Wunsch, als so durch diese Gesellschaft erlöst zu werden.”

Sein Komplize hat nun aus dem Aachener Gefängnis den gewaltsamen Weg in eben jene Gesellschaft zurückgesucht. Wohin wird er Heckhoff führen? Reinald Imig ist sich nicht sicher. Als ein Mann, der schon in jungen Jahren im Gefängnis landete, zähle für Heckhoff nur eines: „Das Recht des Stärkeren.”

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