Gesellschaft

Kinderkrach ist kein Lärm

Foto: Knut Vahlensieck - Kinder in der fabido Kindertagesstätte Lange Straße machen Lärm im Außenbereich des Kindergartens, der mitten in einem Wohngebiet liegt.

Foto: Knut Vahlensieck - Kinder in der fabido Kindertagesstätte Lange Straße machen Lärm im Außenbereich des Kindergartens, der mitten in einem Wohngebiet liegt.

Foto: Knut Vahlensieck

Dortmund.   Der Kinderlärm-Presslufthammer-Vergleich des Vorsitzenden der Senioren-Union NRW, Leonhard Kuchart, hat bundesweit für teils heftige Kritik gesorgt.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Eine Welle der Empörung hat der Landesvorsitzende der nordrhein-westfälischen Senioren-Union, Leonhard Kuckart, mit seiner Forderung ausgelöst, aus Lärmschutzgründen Kindergärten aus Wohngebieten herauszuhalten. Der CDU-Politiker aus Schwelm geriet dabei auch aus den eigenen Reihen heftig unter Beschuss. Kuckart hatte zuvor den Lärm spielender Kinder mit dem Hämmern eines Pressluftbohrers verglichen.

In Berlin bekam Kuckart Kritik von allen Seiten. „Kinder gehören in die Mitte unserer Gesellschaft“, sagte Familienministerin Kristina Schröder (CDU). „Und Kindertagesstätten gehören nicht an die Randgebiete verdrängt, sondern da hin, wo die Familien wohnen.“ Kindergeräusche zu akzeptieren sei eine Wertentscheidung. „Und für mich heißt diese Wertentscheidung: Ja zu den Kindern.“

„Ein solches Statement ist eine unzumutbare Belästigung - und bestimmt nicht die spielenden Kinder“, sagte FDP-Familienpolitikerin Miriam Gruß. Heinz Riesenhuber (CDU), mit 75 Jahren ältester Abgeordneter im Bundestag, bezeichnete Kuckarts Aussage als Diskussionsbeitrag. „Mein Lebensgefühl ist aber ein anderes“, sagte der Alterspräsident. „Ich finde es prima, wenn die Generationen zusammenleben.“

„Eine Gesellschaft, die Kinderlärm als Belästigung empfindet, hat keine Zukunft. Sie wird schlicht aussterben“, forderte NRW-Familienministerim Ute Schäfer (SPD) mehr Toleranz ein. Landesumweltminister Johannes Remmel (Grüne) schlug moderatere Töne an und räumte ein, dass beim Neubau von Kindertagesstätten in einem Wohngebiet „die Interessen älterer Menschen berücksichtigt werden müssen“. Kindergeschrei dürfe aber nicht mit Verkehrs- und Industrielärm verglichen werden, so Remmel.

„Um heute gehört zu werden, muss man provozieren“, verteidigte Leonhard Kuckart gestern seine Äußerung. Er sei nicht kinderfeindlich, sondern setzte sich für die Belange der älteren Menschen ein. Wenn die Bundesregierung mit der neuen Immissionsschutzverordnung den Bau von Kindertagesstätten in Wohngebieten generell schütze, seien „die Interessen nicht richtig abgewogen“. Für ihn spielt dabei die Quelle des Lärms keine Rolle: „Ob Presslufthammer oder Kinder – die Wirkung ist doch die gleiche.“

Kuckart schlug im Gespräch mit der WR vor, die Folgen von Kinderlärm in reinen Wohngebieten wissenschaftlich untersuchen zu lassen und dabei die Umweltschutzverbände einzubinden.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (5) Kommentar schreiben