Integration

Junge Muslime werden immer konservativer

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Dortmund. NRW-Minister Armin Laschet diskutierte in Dortmund mit Experten über Integration und die Probleme, die damit verbunden sind. Eine der Einschätzungen: Deutschland bekommt ein Problem mit jungen muslimischen Männern, die aggressiv gegen die Gesellschaft eingestellt sind.

Der konservative Islam ist auf dem Vormarsch. Deutschland bekommt ein Problem mit jungen muslimischen Männern, die aggressiv gegen die Gesellschaft eingestellt sind. Zu diesem Schluss kam der Politikwissenschaftler Hubert Kleinert während eines Podiumsgespräches im Rahmen der Veranstaltungsreihe zu den zentralen Themen der Zukunftskommission in Dortmund.

Aus Frust aggressiv gegen die Gesellschaft

Der Politologe warnte vor der Gefahr, dass junge, männliche Muslime durch Frust etwa über geringe Aufstiegschancen die „Identitätskrücke” eines konservativ ausgelegten Islams entwickeln und sich „aggressiv gegen diese Gesellschaft” verhalten könnten: „Das ist unser größtes Problem mit den Jungen”, so Kleinert, obwohl sie „durchaus von der westlichen Konsumgesellschaft geprägt” seien.

Der Politologe sprach während einer Podiumsdiskussion in den Westfalenhallen, zu der Armin Laschet, Integrationsminister von NRW, eingeladen hatte. Neben dem Minister diskutierten auch die Autorin und Juristin türkisch-kurdischer Herkunft, Seyran Ates, sowie der türkische Schriftsteller Zafer Senocak.

"Religion als Schild"

Die Schriftstellerin Ates bestätigte: „Es schließen sich immer mehr junge Menschen dem konservativen Islam an. Sie entwickeln eine gewisse Aggressivität darin, ihre Religion nach außen zu tragen.” Als Beispiel führte sie eine Begegnung an, die sie im Regionalzug hatte: Ein Mädchen mit Kopftuch habe im Sitzen in der Bahn gebetet. Ates: „Das hat es vor 20 Jahren nicht gegeben. Sie tragen ihre Religion als Schild vor sich her.”

In dem Erstarken des konservativen Islam sieht Ates eine Reaktion auf Ausgrenzung der Muslime nach dem 11. September 2001. „Aber auch die islamische Gesellschaft hat sich nicht genug mit Gewalt und Terrorismus auseinandergesetzt.” Bei der Integrationspolitik habe die Regierung „Jahrzehnte verschlafen”.

"Man muss den Aufstieg fördern"

Minister Laschet räumte das ein: „Man muss den Aufstieg fördern. Das ist seit 40 Jahren von der Politik versäumt worden.” Er verwies auf die niedrige Einwandererquote. Jeder vierte Einwohner hierzulande habe einen „Zuwanderungshintergrund”. Die Republik könne es sich kaum leisten, die Menschen nicht zu fördern, schließlich müssten sie den Staat mitfinanzieren.

In der Diskussion kristallisierte sich heraus, dass beide Seiten stärker an Integration arbeiten müssen. Während Kleinert den Erfolg der türkischen Kinder in der Schule und ihre „soziale Grundausstattung” bemängelte, forderte der Schriftsteller Zafer Senocak bessere Aufstiegchancen für Muslime: „Wenn die Aufstiegschancen besser werden, kommen wir voran. Sonst können wir so viele Konferenzen abhalten, wie wir wollen.”

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