Sieperting bei Eslohe ist die geografische Mitte der "jüngsten Region Deutschland"

Hier dreht sich alles um Südwestfalen

Foto: WR

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Sieperting. Südwestfalen hat seinen Mittelpunkt gefunden. Er liegt in Sieperting. Bitte, wo? Sieperting? Tatsächlich ist hier, nahe Eslohe, zwischen Arnsberg und Meschede, die geografische Mitte der „jüngsten Region Deutschlands”. Jetzt wurde der Punkt mit einem Findling markiert.

Schön ist es hier. Schön ruhig. Und Ruhe, Ausgeglichenheit, die sucht doch, wer seine Mitte finden will. Aber wie genau geht denn das? „Um dich ganz persönlich einzumitten”, so verrät im Internet die „Schamanenstube”, „stell dich auf ein Bein und winkle das andere an.” Und dann: Beginne zunächst mit einer Erdung, spüre den Kraftfluss und lenke beim Atmen gezielt die Luft in die Mitte des Körpers. Ommm.

Hat Dirk Glaser, Chef der Südwestfalen-Agentur, etwa auf diese Weise Sieperting gefunden?

»Willy Brandt schickte einst Günter Grass«

„Nein”, lacht er, „ganz so magisch war das nicht. Wir haben im Auftrag der fünf südwestfälischen Kreise Geografen beauftragt. Sie sollten den Punkt finden, wo man die Südwestfalen-Karte quasi auf eine Nadelspitze setzen kann - und sie dann im absoluten Gleichgewicht bleibt.” Herausgekommen ist dabei der Punkt mit den Koordinaten 8°9' 9,39'' E / 51° 15' 42,68''.

Für Einheimische überraschend

Sieperting. Für Einheimische kam das nicht überraschend. „Das war uns immer schon klar”, scherzt Eslohes Bürgermeister Reinhold Weber, zu dessen Gemeinde Sieperting gehört. In der Vergangenheit haben dies jedoch noch nicht allzuviele Menschen erkannt. „Promis” hat es in der Geschichte eher nicht hierher gezogen. Nur einmal, da war ein ganz Berühmter hier: Schriftsteller Günter Grass besuchte 1967 Eberhard Koenig, den schöngeistigen Kettenfabrikanten aus Sieperting. Grass war damals Wahlkampfhelfer von Willy Brandt. „Und als Brandt davon hörte, dass Koenig ein Sozialwerk für seine Mitarbeiter einrichten wollte, da schickte er Grass hierher, um mehr darüber zu erfahren”, erinnert sich Rudolf Franzen vom Maschinen- und Heimatmuseum Eslohe.

Sieperting. Vor rund 600 Jahren gegründet, umfasst das Dorf heute 30 Häuser. Über die Grenzen Südwestfalens bekannt ist die Firma Ketten Wulf, Hersteller von Spezialketten. Das Unternehmen betreibt in Sieperting einen Produktionsstandort, vor dessen Toren jetzt auch der Stein steht, der das Dorf als Mittelpunkt Südwestfalens auszeichnet.

Sieperting. Eine stark befahrene Durchgangsstraße, der Sauerland-Radring ganz in der Nähe und 84 Einwohner. „Früher waren es mal mehr, so um die 130”, sagt Eslohes Bürgermeister. Doch insbesondere die Jüngeren zog es fort. Früher gab es auch noch eine Post und einen Krämerladen.

Stellvertretend für die Region

Zurückgehende Einwohnerzahlen, leer stehende Immobilien, dahinschmelzende Infrastruktur. Steht Südwestfalens Mittelpunkt damit stellvertretend für die ländlichen Orte der Region? „Leider ist das so”, ahnt Dirk Glaser. „Für viele Dörfer ist das ein Problem.” 2013 findet in Südwestfalen die „Regionale” statt, ein besonderes Förderprogramm der Landesregierung für die Region. Bis dahin will die Südwestfalen-Agentur nicht nur die Städte ins Visier nehmen, sondern auch die ländlichen Gegenden. „Wie kann man es schaffen, wieder mehr Leben auf die Dörfer zu bringen”, gibt sich Glaser als Aufgabe auf. „Wir wollen auch den jüngeren Menschen deutlich machen, wie attraktiv das Leben und Arbeiten hier sein kann.”

Noch aber zeigt der demografische Wandel in die Gegenrichtung. „Wenn man mal in die Zukunft schaut”, sinniert Klaus Fiebig, „dann wird man schon nachdenklich.” Fiebig lebt seit 30 Jahren in Sieperting. Freiwillig.

»Weniger Geld, aber hier habe ich mehr Lebensqualität«

Aus dem Ruhrgebiet kommend, studierte er in Meschede, fand einen Job bei der Telekom und seine Liebe in Sieperting. Seitdem ist er da. „Ich habe sicher nie soviel verdient wie meine Kommilitonen, die nach dem Studium nach Süddeutschland zogen”, weiß Fiebig. „Aber ich habe mehr Lebensqualität.”

Die Ruhe, Wiesen und Wälder direkt vor der Haustür und aus dem Kran das eigene Wasser, das in mehreren Siepertinger Quellen gewonnen wird. Fiebig und die anderen, die hier leben – sie haben ihren ganz persönlichen Mittelpunkt gefunden. Und das schon seit vielen Jahren.

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