Wetter

Gefahr eines schnellen Hochwassers

Foto: WR

Im Westen. Regen statt Schnee, Plusgrade statt Frost: Mit dem durchgreifenden Wetterwechsel, den die Meteorologen vorhersagen, steigt die Gefahr von Hochwasser an Lenne, Volme und Ruhr rasant an. Der Hochwasserwarndienst der Bezirksregierung Arnsberg rechnet für das Wochenende sogar mit einem extrem schnellen Anschwellen der Flusspegel. Wie hoch das Wasser tatsächlich steigt, lässt sich allerdings (noch) nicht sagen.

Alles hängt demnach vom Schwammeffekt ab: „Der angekündigte kräftige Regen wird zunächst von der Schneedecke zurückgehalten wie ein Schwamm – bis die Sättigungsgrenze erreicht ist. Dann fließen der Regen und das Schmelzwasser auf den gefrorenen Böden extrem schnell ab“, erklärt Uwe Jansen, Hy­drologe beim Hochwasserwarndienst. Deshalb die Warnung an alle betroffenen Behörden an den Fluss-Anrainern, sich auf „ein sich schnell und kräftig entwickelndes Hochwasser“ vorzubereiten.

Von Donnerstag auf Freitag sollen mit einer südwestlichen Strömung vom Atlantik die milden Luftmassen und damit der Regen bis in Hochlagen eintreffen. Die Höchstwerte steigen bis auf 11 Grad, lautet die Prognose der Wetterdienste.

Dazu: heftiger Regen. „In der Nacht zu Freitag bereits bis zu 20 Liter pro Quadratmeter“, liest Uwe Jansen aus den Vorhersagen; bis Sonntag folgen dann noch einmal zwölf Liter. Das alleine wäre nicht schlimm, das könnten die Flüsse verkraften. Wäre da nicht die flächendeckende und teils hohe Schneedecke.

„Der Altschnee ist wie konserviertes Wasser“, beschreibt Niko Renkosik, Meteorologe beim Wetterdienst Meteomedia. Um die Menge zu berechnen, müsse die Schneehöhe in Zentimetern mit dem Faktor 2 bis 3 multipliziert werden; der Faktor hänge davon ab, wie „verdichtet und verhärtet“ die Schneedecke ist.

Der Meteorologe spricht von „enormen Mengen“, die in Südwestfalen liegen: „Pro Quadratmeter sind das durchschnittlich bis zu 60 Liter Wasser, wenn die Schneeschmelze einsetzt. Das ist dann wie ein Dauerregen.“

Alleine im Einzugsbereich des Biggesees, der einen wichtigen Hochwasserschutz für die Städte und Gemeinden entlang der Lenne hat, lägen 20 Millionen Kubikmeter Wasser in Form von Schnee.

Deshalb habe der Ruhrverband bereits in den letzten Tagen begonnen, in seinen Talsperren im Sauerland Platz zu schaffen. „Aus dem Biggesee werden täglich 500 000 Kubikmeter Wasser abgelassen“, berichtet Uwe Jansen. Diese Menge sei für die Flüsse derzeit völlig unproblematisch; Lenne, Volme und Ruhr führen einen „für Winterwetter typischen mittleren Wasserstand“. Aktuell könne der Biggesee noch rund 14 Millionen Kubikmeter Wasser aufnehmen. Auch aus der Henne-, Möhne- und Sorpe-Talsperre werde Wasser abgegeben, um Stauraum für Schmelzwasser und Niederschläge zu schaffen.

Überschwemmungen
in Uferzonen

Wann die Hochwasserwelle aus Regen und Schneeschmelze in Lenne, Volme und Ruhr herabfließt, sei noch offen; spätestens zum Wochenende sollen die Pegel der Flüsse steigen und zu Hochwasser führen – inklusive Überschwemmungen in den Uferzonen. Wie hoch, lasse sich derzeit noch nicht konkret vorhersagen.

Nach den Modellen der Wetterdienste markiert der Wetterumschwung zum Wochenende nicht nur ein Intermezzo; die Phase mit milderem Wetter könne durchaus mehrere Tage andauern, gibt Wetterfrosch Niko Renkosik den 15-Tage-Trend wieder. „Es stellt sich eine für unsere Breiten früher typische Winterwetterlage mit Tiefdruckgebieten, die vom Atlantik kommen, ein“, beschreibt er die Aussichten.

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