Systemgastronomie

„Es bleibt schon jetzt nichts übrig“

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Die Gewerkschaft NGG Dortmund verteilte während der aktuellen Tarif-Auseinandersetzung Infomaterial in der Innenstadt. WR-Foto: Ralf Rottmann

Die Gewerkschaft NGG Dortmund verteilte während der aktuellen Tarif-Auseinandersetzung Infomaterial in der Innenstadt. WR-Foto: Ralf Rottmann

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund. Wenn Zayde Torun essen gehen will, überlegt sie es sich zweimal, ob sie sich in einer Filiale einer italienischen Kette an den Tisch setzt. „Unser Motto lautet: So schmeckt Arbeit nicht“, sagt die Gewerkschaftssekretärin der NGG (Nahrung-Genuss-Gaststätten) in Dortmund, „und in der Systemgastronomie sowieso nicht.“

Bestätigt sieht sich die 31-Jährige, seitdem sie die Arbeitsbedingungen in der Branche kennt – und vor allem, seitdem der Bundesverband der Systemgastronomie (BdS) angekündigt hat, das Gehalt der Beschäftigten um bis zu zehn Prozent senken zu wollen.

Einer, der davon betroffen wäre, ist Percy (Name geändert). 1985 kam er aus Sri Lanka nach Deutschland, seit 1992 arbeitet er als Küchenhilfe in Dortmund, seit 14 Jahren im selben Schnellrestaurant. 39 Stunden in der Woche brät er Burger, dafür erhält er 1366 Euro brutto – sprich 8,08 Euro Stundenlohn. Vergebens hat er sich bislang bemüht, einen besser bezahlten Job in einem „richtigen“ Restaurant zu finden. „Keine Chance“, sagt er. „Mit 46 Jahren bin ich schon zu alt. Und wenn man mir etwas anbietet, dann höchstens 20 bis 30 Stunden in der Woche. Das reicht absolut nicht.“ Denn schon jetzt weiß er kaum, wie er den Lebensunterhalt für seine Frau und zwei Kinder (10 und 14) bestreiten soll. Gerade erst stellten ihn die Materialien, die er zum Schulanfang kaufen musste, wieder vor Probleme. „Es bleibt einfach nichts übrig“, sagt er. „Und die Kinder sehen ständig etwas und fragen. Aber ich muss jedes Mal Nein sagen. Das tut weh.“ Deshalb bemüht er sich jetzt, nach seiner Arbeit in der Burger-Küche noch einen zusätzlichen Aushilfsjob als Pizza-Fahrer zu finden.

Als Einstiegsgehalt bekomtm ein Arbeitnehmer in dieser Branche bislang 7,50 Euro in der Stunde. In der zweiten Stufe, nach einem Jahr im Job, gibt es 7,65 Euro. Der Bundesverband der Systemgastronomie will diesen Lohn laut NGG um 10 Prozent für 18 Monate bei Neueinstellung senken. Sollte der Gesetzgeber die Mehrwertsteuer bei Außerhausverkäufen von 7 auf 19 Prozent erhöhen, soll die Lohnsenkung für alle Mitarbeiter gelten.

Was es für Percy bedeuten würde, wenn sein Gehalt künftig bei der selben Arbeit noch um weitere zehn Prozent gekürzt würde? Er schüttelt den Kopf. Das kann er sich nicht vorstellen. „Das geht nicht“, sagt er.

Das findet Zayde Torun auch. „Diese Ungerechtigkeit, dass die Arbeit nicht angemessen bezahlt wird und man den Lohn für diesen Knochenjob sogar noch weiter absenken will, ist wirklich unglaublich und macht uns sauer. Dagegen kämpfen wir.“

Wie viel Geld Percy künftig verdient, ist nicht nur wichtig, um die Familie versorgen zu können. Es sind auch Träume damit verbunden. „Seit 26 Jahren war ich nicht in meiner Heimat“, erzählt er. „Seit 26 Jahren habe ich meine Mutter nicht gesehen.“ Noch immer klammert er sich an die Hoffnung, dass er irgendwann ein Visum für sie erhält, damit sie ihn besuchen und ihre Enkel kennenlernen kann. Doch dafür müsste er einen Netto-Lohn von etwa 1800 Euro vorweisen können. Absolut utopisch für jemanden, der in der Systemgastronomie arbeitet.

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