Dortmunder erfand preisgekröntes Agricola

Er will nur spielen

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Mit Bauern und Bohnen zum Erfolg: Der Dortmunder Uwe Rosenberg ist der erfolgreichste Spieleautor des Jahres.

Sein „Agricola” belegt nicht nur Platz eins beim Deutschen Spiele-Preis, es erhielt von der Jury Spiel des Jahres auch den „Sonderpreis Komplexes Spiel 2008”. Bekannt aber wurde Rosenberg schon zuvor mit „Bohnanza”.

Seit Jahren geht das nun schon so. Seit der Kindheit eigentlich. „Wenn ich mir etwas ausdenke, bin ich neugierig, wie es funktioniert”, sagt Rosenberg. Und Rosenberg denkt sich oft etwas aus. Vor allem Spiele. Über 300 mögen es gewesen sein in den letzten drei Jahrzehnten. Rund zehn Prozent davon wurden bei einem Verlag veröffentlicht. „Der übliche Schnitt für einen Spieleautoren”, sagt der 38-Jährige. Eines davon wurde zu dem, was man gemeinhin „Klassiker” nennt. Das ist nicht üblich. „Passiert etwa alle zwei Jahre irgendwo auf der Welt”, hat Rosenberg festgestellt.

Im Projekt stecken zwei Jahre Arbeit

Bei ihm ist es 1997. Ein Kartenspiel namens „Bohnanza” hat der gebürtige Ostfriese da vorgestellt, in dem die Spieler zu Bohnen-Bauern werden und die verschiedenen Sorten gewinnbringend anbauen und ernten müssen. Bis heute schwärmen Spieleforen von den innovativen Spielmechanismen. Gut 20 Minuten dauert es, die Regeln durchzulesen, weiß Rosenberg. „Aber beim Spielen am Tisch haben Sie einem Neuling alles wichtige in 60 Sekunden erklärt.”

Zwei Millionen Mal "Bohnanza"

Vielleicht ist „Bohnanza” auch deshalb so erfolgreich geworden. Mittlerweile hat es sich zwei Millionen Mal verkauft. Es gibt viele Erweiterungen, mehrere Bücher und einen harten Kreis von Fans. Für Rosenberg war das Bohnenspiel Segen und Fluch zugleich. Die Tantiemen reichen bis heute zum Leben. Aber das Leben als Spieleautor wurde schwieriger. „Weil die eingefleischten Spieler wieder etwas ganz besonders ausgefallenes von mir erwarteten. Aber diese Ideen dann zu abgedreht für die Masse der Gelegenheitsspieler waren.” Und was den Geschmack des breiten Publikums traf, fanden Hardcore-Spieler meist „irgendwie langweilig” und „uninspiriert”. Es gab ein paar Achtungserfolge aber nichts, was „Bohnanza” auch nur nahe gekommen wäre. Bis jetzt. Bis „Agricola”.

Tüfteln und testen

Zwei Jahre arbeitete der Diplom-Statistiker an diesem Aufbauspiel mit Wirtschaftsthematik, in dem jeder Spieler einen Hof führt und versucht mit Hausbau, Ackerbau und Viehzucht reich zu werden. Allein sitzt Rosenberg anfangs in seinem Büro. „Wochenlang, jeden Abend.” Er entwirft Spielfiguren und erfindet Mechanismen. Oder er entwickelt bestehende Mechanismen weiter, verändert sie. Rosenberg tüfftelt und testet. Vieles wird nach einiger Zeit wieder verworfen, manches schon nach einem Abend.

Feinabstimmung in großer Runde

Wenn er zufrieden ist, dürfen andere mittesten. Rosenberg geht „auf Tournee”, besucht quer durch NRW Spielefans zu Hause. „Parameter einstellen”, nennt er das, wenn er ausprobiert, ob ein Spiel sich so spielen lässt, wie er es geplant hat. Bis zum Sommer 2007 feilt Rosenberg an „Agricola”, dreht an den Spieleinstellungen. Dann gibt er das Spiel frei - und der Erfolg nimmt seinen Lauf. Fachkritiker und erfahrene Spieler sind begeistert. „Komplex” ist ein Wort, das in keiner „Agricola”-Besprechung fehlt. „Ein Spiel, für das man sich Zeit nehmen muss”, heißt es. Die Jury des Deutschen Spielepreises hat sich diese Zeit genommen. Und „Agricola” anschließend auf Platz eins gewählt. Auf der Spielmesse in Essen wird Rosenberg ausgezeichnet. Dort stellt er auch den Nachfolger „Le Havre” vor.

Das Spiel der Bauern

Kommerziell kann „Agricola” trotz der Auszeichnung „Bohnanza” nicht das Wasser reichen. Wird es vielleicht auch nie können. Rosenberg ist das egal. Bohnanza sei toll, aber Agricola sein Allzeit-Lieblingsspiel. „Das werde ich auch in vielen Jahren noch spielen.” Andere Menschen möglicherweise auch. Von jungen Leuten hat Rosenberg gehört, die sonst zu Hause sind in der Online-Welt von „World Of Warcraft”. Mit ihren Eltern sitzen sie nun plötzlich im realen Leben am Tisch und spielen das Spiel der Bauern. „Das macht mich”, gibt Rosenberg zu, „schon ein wenig stolz.”

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