Eine Wohnung voller Toaster

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Essen. (ddp) Mit einem voluminösen Toaster aus den Vereinigten Staaten und seinem vergleichsweise spartanischen DDR-Pendant hat alles angefangen: Als Jens Veerbeck feststellte, wie viele Toaster-Variationen es gibt, begann seine Sammelleidenschaft.

Inzwischen besitzt er rund 600 Geräte. Mitte der 90er Jahre durchstöberte der Essener Trödelmärkte und das Internet nach ausgefallenen Toastern. Heute betrachtet er seine Sammlung als vollständig: "Nur bei besonders ausgefallenen Toastern greife ich noch zu."

Wer dem Mediendesigner einen Besuch abstattet, bekommt gleich einen Eindruck von seiner Sammelleidenschaft: Veerbeck hat die seiner Ansicht nach ausgefallensten und interessantesten 120 Toaster in seiner geräumigen Wohnung ausgestellt.

An den ersten Exemplaren verbrannte man sich die Finger

Auch einer der ersten Vertreter findet sich im Regal wieder: Der "D12"-Prototyp der Firma General Electric wurde Anfang des 20. Jahrhunderts entwickelt und ist einer der ersten industriell gefertigten Toaster. Dass es nicht bei diesem ersten Versuch der Ingenieure blieb, verwundert Veerbeck nicht: "Das Gerät war absolut unpraktisch, weil man sich beim Wenden der Toasts zwangsläufig die Finger verbrannt hat." Auf dem Weg zu den heute gebräuchlichen Geräten konzentrierten sich die Entwickler vor allem darauf, die Brotscheiben möglichst elegant wenden zu lassen. "An der grundsätzlichen Technik hat sich gar nicht so viel geändert - nur beim Gehäuse wurde immer wieder variiert", erklärt der Experte.

Ob Toaster mit schmetterlingsähnlichen Flügeln, simplen Klapptechniken oder einem Körper aus blümchenverziertem Porzellan - die Sammlung hat viele Raritäten zu bieten. Die meisten Geräte stammen aus den USA und Europa, aber auch Exemplare aus Israel und Australien befinden sich in Veerbecks Besitz. "Mich verblüfft, wie sich Heerscharen von Ingenieuren die Köpfe zerbrochen haben, um ein simples Gerät wie den Toaster möglichst kompliziert zu konstruieren", beschreibt der Sammler seine Faszination.

Der studierte Industriedesigner ist mit seiner Leidenschaft nicht allein: Während es in Deutschland weniger als zehn ernsthafte Sammler gibt, organisieren sich die amerikanischen Fans in der "Toaster Collectors Association" und treffen sich regelmäßig. Veerbeck nutzte den Kontakt zu anderen Sammlern in der Vergangenheit vor allem, um den Wert potenzieller Neuerwerbungen schätzen zu lassen. Zwischen fünf Euro für Schnäppchen vom Flohmarkt bis zu vierstelligen Summen für besonders rare Modelle hat Jens Veerbeck investiert.

Trotz des unterschiedlichen Werts haben seine Toaster nahezu alle eines gemeinsam: Sie sind älter als der 40-jährige Essener. Veerbeck interessiert sich nicht für moderne Geräte: "Ab den 50er Jahren wurden fast nur noch langweilige Plastiktoaster hergestellt", sagt er. An den älteren Modellen ließen sich dagegen die Stile der jeweiligen Zeit ablesen - vom Jugendstil-Toaster zu Beginn des 20. Jahrhunderts bis zum zusammengesetzten Provisorium aus dem Zweiten Weltkrieg. Um andere Sammler an seiner Leidenschaft teilhaben zu lassen, richtete Veerbeck ein virtuelles Toaster-Museum ein.

An der eigentlichen Existenzberechtigung der Geräte - also dem Toastbrot selbst - hat Veerbeck kein besonderes Interesse. "Das esse ich eigentlich nicht so besonders gerne", sagt er. Daher ist er zwar Herr über 600 Toaster - Toastbrot hat Jens Veerbeck dagegen so gut wie nie im Haus.

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