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E-Zigarette ist der letzte Strohhalm für Raucher - Ansturm in Dortmund und Unna

Symbolbild E-Zigarette, Symbolbild E - Zigarette

Symbolbild E-Zigarette, Symbolbild E - Zigarette

Foto: IKZ

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Dortmund/Unna.In Zeiten von Rauchverboten und steigenden Schachtelpreisen suchen sich Raucher eine Alternative. Und die heißt immer häufiger: E-Zigarette. In Unna gibt es einen regelrechten Ansturm.

Edle Kronleuchter, ein paar ausgestopfte Vögel und die feinen Deckchen auf den runden Holztischen lassen erahnen, dass hier kürzlich, im „Le Gourmet“, noch die internationale Küche heimisch war. Doch mit argentinischem Hüftsteak war in Unna-Königsborn kein Geld zu verdienen. „Jetzt aber haben wir eine Goldgrube gefunden“, sagt Mitinhaber Hans-Joachim Bretschneider. Statt Feinschmecker lockt er nun Raucher in den alten Bahnhof. Mit einem Produkt, das nicht neu, aber derzeit so gefragt ist wie nie zuvor: die elektronische Zigarette. Deren Kritiker aber sind skeptisch.

Es ist Mittwoch, Viertel vor Elf. Noch eine Viertelstunde bis Schichtbeginn. Doch die ersten Dampfer sind schon da. „Heute wird hier die Hölle los sein. Wir hatten wegen der hohen Nachfrage einen Lieferengpass – deshalb stehen heute 70 Abholer auf der Matte“, erzählt Bretschneider. Tatsächlich platzt das Lokal neben seinem Bistro, seinem ersten Standbein, schon vormittags aus allen Nähten. Wer keinen Sitzplatz ergattern konnte, steht. „In der Dortmunder Filiale stehen die sogar bis zur Straße“, klagt ein Kunde. Die Branche boomt. Und wächst offensichtlich täglich. Befeuert durch das strikte Rauchverbot in Kneipen und Gaststätten und die stetig steigenden Preise der herkömmlichen Kippe. Bretschneider: „Wer ein Gerät kauft, bringt drei neue Kunden mit.“

Von Kiwi- bis Redbull-Geschmack

Das Prinzip der E-Zigarette ist schnell erklärt. Zuallererst: Es wird nicht geraucht, sondern gedampft. Das Feuerzeug bleibt in der Hosentasche. Das Nikotin kann in fünf Stufen wunschgemäß dosiert, der Geschmack aus 80 verschiedenen Sorten – von Tabakgeschmack über Kiwi bis Cola-Redbull – gewählt werden. Zieht man an dem digitalen Glimmstängel, verdampft die ölige Flüssigkeit, das sogenannte „Liquid“. Diese Verdampfung erzeugt daraufhin einen süßlich schmeckenden und riechenden Wasserdampf.

Die Dampfer preisen, sie sei günstiger, wohlriechender und gesünder. Zum Preis: Die Erstausstattung, eine E-Zigarette in der Anmutung eines edlen Kugelschreibers, kostet je nach Hersteller 70 Euro (mit Svarowski-Steinen auch weitaus mehr), eine Ladung „Liquid“ hingegen nur 4,95 Euro. „Die Füllung entspricht sieben Schachteln Zigaretten“, sagt der Franchise-Unternehmer und rechnet vor: „Als Kettenraucher hat man das in zwei Wochen wieder raus.“

Wohlriechender ist sie allemal und Tabak und Nikotin legen sich nicht auf die Lunge – und auch nicht auf Möbel. Nur in punkto Gesundheitsverträglichkeit gibt man sich bei der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung mit Sitz in Köln skeptischer. „Zu welchem Schaden die Inhaltsstoffe im Körper führen, ist noch nicht untersucht worden“, sagt Michaela Goecke, Leiterin des Referats für Suchtprävention.

Zukunft verraucht?Eines sei die E-Zigarette, so Goecke, aber keineswegs: ein Mittel zur Rauchentwöhnung. „Sie verführt Kinder und Jugendliche wegen des süßen Geschmacks sogar noch eher zum Rauchen.“ Süße Alco-Pops, die beliebte Alkoholvariante bei Jugendlichen, lassen grüßen.

In der „1. Offiziellen ­Highendsmoke Lounge“ von Bretschneider und seinem Partner Hans-Werner Hortig verehren sie den neuen Glimmstängel. Einer von ihnen ist Günter Schneidereit aus Holzwickede. Er ist seit gut 45 Jahren Raucher. Beziehungsweise war. „Seit fünf Tagen rauche ich E-Zigarette. Als der Akku leer war, musste ich heute Morgen eine normale anstecken und hätte mich fast übergeben“, erzählt er und will einen „Volkssport E-Smoking“ erkannt haben. Die Gründe für die E-Zigarette sind tatsächlich vielfältig. „Ich muss nicht mehr alle zwei Jahre tapezieren“, sagt Markus Pfeiffer aus Schwerte. Oder: „Ich huste nicht mehr und hab’ Luft ohne Ende“, berichtet Sandra Drees aus Unna.

Experten glauben nicht an Nachhaltigkeit

Lieferengpässe und lange Schlangen vor den Filialen seien das eine. Die Nachhaltigkeit eine andere: „Das ist ein Hype, der abebben wird. Der Boom einer Nische, die eine Nische bleiben wird“, sagt Dr. Adam-Claus Eckert vom Bundesverband des Tabakwaren-Einzelhandels. Gesundheitsschädlich, so Eckert, sei diese nicht, aber auch keineswegs eine Alternative zur herkömmlichen Kippe: „Das ist eine technische Spielerei, die jeder mal ausprobieren will.“

Obwohl das Nichtraucherschutzgesetz E-Zigaretten nicht miteinschließt, glaubt der Experte nicht, dass sich diese in der Gastronomie durchsetzt. „Der Unterschied ist bei manchen Modellen schwer erkennbar. Da geraten Wirte in Diskussionen, derer sie nicht Herr werden.“

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