Sprengstoff

Drohkulisse vor Borussias Stadion

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Auf dem Parkplatz C (Endhaltestelle der U-Bahn Stadion) wurde am Donnerstag, 31. März 2011, eine Bombe mit Zeitzünder von Beamten des BKA gesichert. Foto: Franz Luthe

Auf dem Parkplatz C (Endhaltestelle der U-Bahn Stadion) wurde am Donnerstag, 31. März 2011, eine Bombe mit Zeitzünder von Beamten des BKA gesichert. Foto: Franz Luthe

Foto: WR/Franz Luthe

Dortmund. Borussia gegen Hannover, mehr als 80 000 Zuschauer. Allein der Gedanke ist ungeheuerlich: Plante Alexander K. (25) aus Krefeld, inmitten freudiger Fußballfans Bomben und Brandsätze zu zünden?

Die in der Nacht in der Nähe des Dortmunder Stadion ausgegrabenen Sprengvorrichtungen sprechen dafür. Offenbar handelt es sich bei dem Täter um einen Nachahmer von „Dagobert“, einen technisch versierten Erpresser, der vor dem belebten Dortmunder Fußballtempel eine realistische Drohkulisse inszenierte.

BKA rückte an

Es war drei Uhr Donnerstag früh, als zivile Limousinen des BKA und Einsatzfahrzeuge der NRW-Landespolizei am Signal-Iduna-Park anrückten. Mit den Sicherheitskräften im Wagen: der 25-jährige mutmaßliche Erpresser, der einen Anschlag auf das Stadion angedeutet hatte. Er führt die Sprengstoffexperten des BKA zu einem Erddepot in der Nähe der Helmut-Körnig-Leichtathletikhalle. Die Strobel-Allee vor dem Stadion wird abgesperrt, ebenso Parkplatz C. Am Spieltag strömen hier Tausende von Fans vorbei. Abgeschirmt vor neugierigen Blicken durch eine weiße Plane, stoßen die BKA-Leute auf drei USBV, sogenannte unkonventionelle Spreng- und Brandvorrichtungen. „Diese wurden unschädlich gemacht“, sagte eine BKA-Sprecherin. Ob sie auch funktionsfähig waren, wird derzeit geprüft, ebenso wie die Verwendbarkeit der Chemikalien, die gefunden wurden.

Bei ihren Ermittlungen stießen die Beamten auf Hinweise zu einem ungelösten Erpressungsfall: 2010 war ein bekanntes Wirtschaftsunternehmen bedroht worden. Offenbar hat der festgenommene Mann versucht, im Frühjahr 2011 einen neuen Versuch einzufädeln und den Verdacht auf islamistische Kreise gelenkt. In einer Mail an die deutsche Botschaft im pakistanischen Islamabad im Februar gab er den anonymen Hinweis auf zwei geplante, zeitlich gestaffelte Terroranschläge in Deutschland. Die Erinnerung an die erhöhte Terrorgefahr im November 2010, an Polizisten mit Maschinenpistolen in Bahnhöfen und an bewachte Weihnachtsmärkte, war noch allzu frisch. Weil er über detaillierte Kenntnisse über den Bau von Sprengsätzen verfügte, übernahm das BKA.

Anfang der Woche kam Dynamik in den Fall. Einem V-Mann des BKA gegenüber deutete der 25-Jährige einen Anschlag auf das BVB-Spiel am Samstag gegen Hannover an. Am Dienstag schlugen die Ermittler zu und setzten den Mann, polizeilich ein unbeschriebenes Blatt, in einem Kölner Hotel fest. Neben schriftlichen Unterlagen, Laptop und externen Speichermedien stellten die Fahnder in der Wohnung des 25-Jährigen eine große Menge Chemikalien sicher.

Wie ernst war die Lage?

Wie ernst die Lage wirklich war? Am Tag nach den Sprengstofffunden gab es darauf keine endgültige Antwort. Nach erster Einschätzung bestand keine „akute“ Gefahr für die Bevölkerung. „Was daraus hätte werden können, können wir erst später sagen“, sagte die BKA-Sprecherin.

Die Fußballer taten, was sie immer tun: mauern und den Ball flach halten. Der Deutsche Fußballbund, zuständig für die Sicherheit der Stadien, zierte sich, ehe der Sicherheitsbeauftragte Helmut Spahn erklärte: „Bisher sind uns die detaillierten Hintergründe und damit verbundenen Absichten (...) noch nicht klar und auch nicht abschließend zu beurteilen.“

Mit Vorfreude ins Stadion

Holger Sitter, BVB-Fan und Macher der Internetplattform Die Kirsche, will am Samstag dennoch versuchen, mit viel Vorfreude ins Stadion zu gehen. „Dass jetzt Sporteinrichtungen ins Visier kommen, ist noch nicht dagewesen und hat mich total schockiert.“ BVB-Sprecher Josef Schneck kündigte für den Samstag zusätzliche Vorkehrungen an: „Wir werden alles tun, um den Zuschauern ein Gefühl der Sicherheit zu vermitteln.“ Für die Dortmunder Polizei wird es ein ganz normaler Bundesligaeinsatz, sagt Sprecher Wolfgang Wieland. „Ein Tatverdächtiger wurde gefasst, es gibt keinen Hinweis auf eine Gefährdung.“

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