Verbrechen

Die Jagd nach dem grausamen Mörder geht weiter

Fachleute aus Schottland haben den Schädel und das (mögliche) Aussehen des Opfers rekonstruiert.

Fachleute aus Schottland haben den Schädel und das (mögliche) Aussehen des Opfers rekonstruiert.

Foto: Polizei - Sonderkommission MK Bergfeld

Altena.   Ein brutaler Mord in einem Waldstück im Sauerland vor 14 Jahren lässt die Ermittler nicht ruhen.

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Die Tat ist selbst für einen Mord an Grausamkeit und Brutalität kaum zu überbieten: Das Opfer, eine junge Frau um die 20, wird erst von ihrem Vater missbraucht, schließlich gewürgt und bei lebendigem Leib verbrannt. 14 Jahre ist das Verbrechen her, bei dem fast alle Spuren vernichtet wurden. Die zweite Besonderheit: Bis heute ist unklar, wer das Opfer – und vor allem wer der oder die Täter waren. Der private Fernsehsender RTL 2 hat den Fall jetzt in seiner Reihe „Ungeklärte Mordfälle“ ausgestrahlt.

„Ich kenne keinen zweiten Fall dieser Art – zum Glück“, sagt Ulrich Kayser, Leiter des KK 11 beim Hagener Polizeipräsidium, angesichts der Grausamkeit. Rund 15 Hinweise „aus ganz Deutschland“ sind seit der Ausstrahlung am Montagabend bei ihm eingegangen; alle werden abgearbeitet. Bis gestern Nachmittag war kein neuer Ermittlungsansatz dabei. Die Rätsel um den Tod der jungen Frau und ihres Mörders bleiben offenbar bestehen. „Es gibt keine Modelversion für die genauen Tatumstände“, ordnet Kayser den Sachstand über ein Jahrzehnt nach dem Mord ein. Was bleibt, ist die Hoffnung – und wenige Fakten:

Montag, 2. Juni 1997, gegen 19.30 Uhr. Ein Motorradfahrer, der mit seiner Geländemaschine in einem Waldstück oberhalb des Rahmedetals in Altena, nahe der Stadtgrenze zu Lüdenscheid, seinen Bewegungsdrang motorisiert auslebt, macht die grausige Entdeckung: Er findet eine stark verkohlte Leiche und alarmiert sofort die Polizei. Bis in die Nacht hinein arbeiten Kripo und Spurensicherung; die Feuerwehr leuchtet den Leichenfundort aus.

Gerichtsmediziner finden später heraus: Bei den sterblichen Überresten handelt es sich um die Leiche einer jungen Frau, Alter zwischen 14 und 22 Jahren, mit 1,55 Meter Körpergröße eher zierlich. Eine Besonderheit machen sie aus: Die Frau trug einen für die damalige Zeit noch ungewöhnlichen Schmuck, einen Strassstein auf dem rechten Schneidezahn.

Was folgt, sind Ungeheuerlichkeiten: DNS-Spuren belegen, dass die junge Frau von ihrem eigenen Vater missbraucht worden sein muss, dass sie noch gelebt hat, als ihr Körper angezündet wurde – und dass offenbar niemand auf sie wartet. Es gibt bis heute keine Vermisstenmeldung.

Hoffnung keimt auf, als Monate später Fachleute aus Schottland den Schädel rekonstruieren, und der Toten wieder ein Gesicht geben. Die Suche nach Antworten auf die vielen Fragen, die bald auch durch TV-Sendungen läuft, bleibt ohne Ergebnis.

Was hingegen bleibt, sind Spekulationen. Die Tote und ihr/e Mörder könnten zu einer durchreisenden Familie gehört haben, die durch Zufall das abgelegene Waldstück am Bergfeld angesteuert haben, um die junge Frau dort zu töten. Andererseits: „Ich habe Zweifel, dass ein Auswärtiger diesen Platz finden würde“, urteilt Ulrich Kayser. Nur: Das Verschwinden der Tochter wäre bei einer Familie aus der Region wohl kaum geheim zu halten gewesen.

Als „Arbeiten am Rande des Möglichen“ beschreibt der Ermittler Ulrich Kayser seine Tätigkeit. Der gestandene Kriminalist hofft, „dass sich eines Tages die Mutter des Opfers bei der Polizei meldet, weil sie es nicht mehr aushält!“

Hinweise zu dem Verbrechen nimmt jede Polizeidienststelle unter dem Stichwort Bergfeld-Mord entgegen.

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