Prozess

Die Imker schwärmen vom Honig-Urteil

Die Imker sind zufrieden: mit der diesjährigen Ernte und auch demUrteil aus Brüssel. Foto: Timm Schamberger/ddp

Die Imker sind zufrieden: mit der diesjährigen Ernte und auch demUrteil aus Brüssel. Foto: Timm Schamberger/ddp

Foto: ddp

Dortmund. Die Freude war beim obersten Imker Nordrhein-Westfalens nicht zu überhören. „Zum ersten Mal ist es so, dass wir Imker uns insgesamt auch mal berücksichtigt fühlen – das war bisher nie der Fall!“ kommentierte Friedrich Wilhelm Brinkmann das Gentechnik-Urteil des Europäischen Gerichtshofs. Und Dr. Werner Mühlen, Referent für Bienenkunde an der Landwirtschaftskammer NRW, bestätigte: „Für die Imker ist es ein wunderbarer Sieg – und ein wichtiger Schritt zur Sicherung der Qualität und Naturbelassenheit des Honigs.“

Das Grundsatzurteil, dass der Verkauf von Honig mit gentechnisch veränderten Pollen gestoppt wird und künftig alle Landwirte, die Genmais anbauen, den betroffenen Imkern Schadensersatz zahlen müssen, sei „ein wunderbares Statement“, so Mühlen. „Jetzt muss der deutsche Gesetzgeber nur noch sehen, dass er es auch umsetzt.“ Und es gebe auch noch einige offene Fragen – zum Beispiel, wer die Analyse des möglicherweise verunreinigten Honigs zahlen müsse. „Wenn die Konsequenz wäre, dass die Imker das übernehmen müssten, wäre das nicht gut“, so der Experte. „Das könnten sie finanziell nicht leisten.“ Seiner Ansicht nach müsse auch hier das Verursacherprinzip gelten.

Unabhängig davon werde das Urteil seiner Meinung nach langfristige Konsequenzen für den gentechnisch veränderten Maisanabau haben: „In NRW- gibt es noch keine Anbauflächen – und künftig wird es für interessierte Betreiber noch schwieriger werden“, ist er überzeugt.

Diese Einschätzung teilt auch der Vorsitzende des Landesverbandes der Westfälischen und Lippischen Imker. „Auch wenn das Urteil für uns hier vor Ort im Moment noch keine Relevanz hat, ist es eine ganz wichtige Entscheidung für die Imker“, sagte Friedrich Wilhelm Brinkmann. „Wer Gentechnik-Anbau betreibt, wird sich künftig sorgfältig überlegen, ob er das noch machen sollte.“ Zudem entspreche das Urteil mehr der Wirklichkeit, als das bisherige Gentechnikgesetz, das ohne die Imkerei beschlossen worden sei: „Von 300 Metern Sicherheitsabstand zwischen Bienenkörben und Anbauflächen zu reden, war völlig unrealistisch.“ Tatsächlich legten die Bienen einen Radius von etwa zehn Kilometern zurück, bestätigt auch Werner Mühlen: „Kein Imker kann sich vor solchen Feldern schützen.“

Die Sorge der Branchenvereinigung Honig-Verband in Hamburg, wonach einige Imker nun um ihre Existenzgrundlage fürchten müssen, teilt Brinkmann nicht. „Dass der Verband der Vermarkter das anders sieht, weil immerhin 80 Prozent des Honigs aus dem Ausland importiert werden, ist klar“, kommentierte er. „Für die deutschen Imker und die 6000 Mitglieder, die wir als Landesverband vertreten, ist es aber eine tolle Sache. Schließlich präferieren wir die kurzen Wege und wollen den Honig, den wir herstellen, nach Möglichkeit gleich bei dem Lebensmittelmarkt um die Ecke vermarkten.“

Der Experte für Bienenkunde an der Landwirtschaftskammer NRW, Werner Mühlen, schließt nicht aus, dass das Urteil auch Konsequenzen auf das Preisgefüge haben wird. „Ein großer Teil des importierten Honigs stammt aus Ländern, in denen gentechnisch veränderter Mais angebaut wird und der so jetzt nicht mehr hier verkauft werden darf. Gut möglich, dass der deutsche Honig nun teurer wird.“

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