Kriegsverbrechen

Das Geheimnis der "Russenwiese"

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Meschede. Sind auf einer "Russenwiese" im Mescheder Stadtteil Berge 1945 in den letzten Wochen des Naziregimes 40 russische Kriegsgefangene ermordet worden? Seit gestern geht die Dortmunder Staatsanwaltschaft vor Ort diesem Verdacht nach.

Ein neunköpfiges Team, bestehend aus Mitarbeitern der Dortmunder Zentralstelle für die Bearbeitung von NS-Verbrechen und Beamten des Landeskriminalamtes, durchforstet seit Montag Kirchenarchive, Standesamtsunterlagen und die Reste des bei Kriegsende zu großen Teilen zerstörten Mescheder Stadtarchivs. Potenzielle Zeitzeugen werden befragt; auch Heimathistoriker werden angesprochen.

Insgesamt fünf Fälle von bisher nicht geahndeten möglichen NS-Verbrechen im Sauerland bearbeitet die Zentralstelle derzeit. Meschede-Berge steht dabei an erster Stelle. Hinweise auf die mögliche Mordaktion dort hatten ein Mitarbeiter des Volksbundes Deutscher Kriegsgräberfürsorge und die Arnsberger Bezirksregierung gegeben, berichtet Oberstaatsanwalt Ulrich Maaß, der Leiter der Zentralstelle. Sie stützten sich offenbar, wie Maaß sagte, auf Gerüchte und Erzählungen aus der örtlichen Bevölkerung.

Im Blick haben die Ermittler zwei Wiesengelände bei Berge, die als "Russenwiese" infrage kommen. Die sind freilich "mehrere Fußballfelder groß", sagt Stefan Willms, Dezernatsleiter beim Landeskriminalamt, - und damit viel zu groß, um ohne weitere Angaben eine Suche nach den sterblichen Überresten von Menschen zu starten.

Maaß nannte es "in hohem Maße denkbar, dass das hier passiert sein kann". Meschede und das benachbarte Warstein gehörten zu den Orten, wo kurz vor Kriegsende die SS im Rahmen der Endphasenverbrechen wütete: Nachgewiesen sind Mordaktionen, denen mehr als 200 sowjetische Kriegsgefangene bzw. Zwangsarbeiter zum Opfer fielen. (rsr)

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