Innendesign

Mit diesen Einrichtungstipps wird es auch bei uns hygge

Viel Holz, unbehandelt und weiß-lackiert: So wird der Raum hell und gemütlich.

Foto: Jonas Berg, Styling: Martina Mattson / Stadshem / HA

Viel Holz, unbehandelt und weiß-lackiert: So wird der Raum hell und gemütlich.

Hamburg  „Hygge“ steht für Gemütlichkeit und kommt aus Dänemark. Was diesen Wohnstil ausmacht? Das verraten Experten und geben Gestaltungstipps.

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Kerzen, gedeckte Farben und weiche, wärmende Decken, in die man sich an ungemütlichen Herbst- und Wintertagen einmummeln kann – all das gehört für Anette Højland zu einem gemütlichen Heim. Die Geschäftsführerin von Illums Bolighus am Neuen Wall in Hamburg muss es wissen: Schließlich ist sie Dänin, und unsere Nachbarn verstehen es bekanntlich, es sich „hygge“, sprich gemütlich zu machen. Und an diesem Begriff kommt momentan keiner vorbei.

Doch brauchen wir überhaupt Nachhilfe von unseren Nachbarn aus dem hohen Norden? Charmaine Nicolls, Interieurdesignerin bei Rivièra Maison in Hamburg-Neustadt, muss bei dieser Frage schmunzeln. „Nach meiner Beobachtung lieben es die Deutschen gern weniger überdekoriert – sie mögen es eher schlicht, klar und puristisch.“ Aber bei manchen Kunden sei spürbar, dass sie es gern behaglicher hätten. Nur das Wie sei halt oft die Frage. „Ich frage dann: Was brauchen Sie, um glücklich zu sein? Welche Stimmung wollen sie in Ihrem Zuhause haben?“, sagt die 46-jährige Einrichtungsexpertin. Wichtig sei es dann, allein seinem Herzen zu folgen.

Wolldecken, Kissen, Felle und tiefflorige Teppiche

Oder man lässt sich von den vielen Arrangements inspirieren, mit denen Profis derzeit Lust auf Nestbau in vielen Geschäften machen. Anette Højland beispielsweise schwört auf diese Kombination: Wolldecke, dazu passendes Kissen und wärmende Filzpantoffeln. Anderswo setzt man auf tiefflorige Teppiche, viel Fell (echt und unecht) sowie schöne Beleuchtung; gern auch mittels Kerzen, Windlicht oder Lichterketten. „Am besten, man stellt im Raum eine gewisse Ruhe her“, rät Charmaine Nicolls. Dies gelänge, indem man nicht zu viele Farben verwende, sondern sie eher wiederkehrend verwende.

Innenarchitektin Eva Brenner, bekannt durch die TV-Serie „Zuhause im Glück“, rät, möglichst viel mit Naturmaterialien zu dekorieren. „Beispielsweise mit Treibholz vom Strandurlaub, Kastanien, Kiefernzapfen, Moos und Gräsern. Die lassen sich wunderbar in großen Schalen arrangieren“, so die Expertin mit eigenem Büro in Düsseldorf. „Dazu dann weiße Blockkerzen stellen, und schon hat man eine bezaubernde Natur-Deko.“ Statt Schalen könne man auch Glasvasen in unterschiedlichen Größen verwenden.

Expertin: Jeder Haushalt braucht eine Kuschelecke

Da hygge für Schlichtheit und Unkompliziertheit steht, empfiehlt Eva Brenner im Weiteren, die Wände in Weiß zu halten – „nicht nur, weil dies Zeit und Kraft spart, sondern, weil dadurch kleine und eher dunkle Räume größer und heller wirken.“ Dazu würden sich sehr gut zarte Akzente in Pastell- oder Naturtönen machen. „Und natürlich sollte jeder Haushalt seinen eigenen Hyggekrog haben“, so die Expertin weiter. Gemeint ist damit eine Kuschelecke, die mit vielen Kissen und warmen Decken zum Verweilen und Entspannen einlädt.

Viele dieser Tipps sind auch in dem Buch von Marion Hellweg, „Hygge! Rundum wohlfühlen mit nordischen Einrichtungsrezepten“, zu entdecken. Die Autorin hat acht renommierte Designer und Einrichtungsexperten in ihrem Zuhause (Dänemark, Norwegen und Finnland) besuchen dürfen. Klar wird bei allen: Sie leben ihren eigenen persönlichen Wohnstil und kombinieren dazu ungezwungen alles, was sie inspiriert.

Ein „Hyggekrog“ in jedem Raum

Mal sind es aufgearbeitete Möbel aus einem alten Schulhaus, die im Homeoffice verwendet werden, mal alte Metallstühle, die an einem alten weiß (!) lackierten Esstisch zum Sitzen einladen. Oder man stellt sich einfach eine gemütliche Chaiselongue in die Nähe der Küche, wie Interieur-Designerin Tine Kjeldsen. Die Dame legt großen Wert darauf, in jedem Raum ihres Zuhauses auf der Ostseeinsel Fünen einen „Hyggekrog“ zu haben.

Apropos Küche. Anette Højland glaubt in diesem Punkt einen kleinen Unterschied zwischen Deutschen und Dänen ausgemacht zu haben: „In Dänemark lieben wir es, mit Gästen an schön gedeckten Tafeln zu essen und zu trinken. Die Deutschen scheinen mir da etwas zurückhaltender zu sein, bevor sie jemanden zu sich nach Hause einladen.“

Studie belegt den Wunsch nach behaglichem Zuhause

Trendexpertin Ursula Geismann kann nicht sagen, ob dies generell zutrifft. „Hygge sollte als ganzheitlicher Lebensstil begriffen werden. Wohnen ist da nur ein Teil des Lebens. Es geht auch um das Schaffen eines Wir-Gefühls, um Harmonie, Gemütlichkeit und Genuss.“ Könnte also schon sein, dass die Dänen ein wenig mehr hygge sind. In Marion Hellwegs Buch jedenfalls kommt man am Thema Essen und Geselligkeit nicht vorbei.

„Die Sehnsucht nach Geborgenheit gibt es aber auch bei uns“, sagt Geisman. So zeige eine Studie, dass zwei Drittel der Bundesbürger sich ein Zuhause wünschten, das Gemütlichkeit ausstrahle. „Ruhe und Wärme sind dabei wichtiger als Zweckmäßigkeit und Exklusivität.“

Renate Rühmling von „Metamorphose“ in Eppendorf wird bei dem Begriff „gemütlich“ jedenfalls ganz poetisch: „Man sitzt am Tisch, schaut nach draußen auf Regen und Schnee, während Möbel und Stoffe ihre Farben mit Ruhe zeigen.“

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