Mond

Warum der Planet Mond die Menschen bis heute fasziniert

„...ein großer Schritt für die Menschheit" sagte Neil Armstrong, der legendäre Astronaut, nachdem er und Edwin Aldrin als erste Menschen 1969 den Mond betreten hatten. Bis heute sind die Menschen fasziniert vom großen Trabanten.

„...ein großer Schritt für die Menschheit" sagte Neil Armstrong, der legendäre Astronaut, nachdem er und Edwin Aldrin als erste Menschen 1969 den Mond betreten hatten. Bis heute sind die Menschen fasziniert vom großen Trabanten.

Foto: dpa

Essen  Seit der ersten Mondlandung von amerikanischen Astronauten im Jahr 1969 ist die Begeisterung für den weißen Riesen im All ungebrochen geblieben.

Meistens nimmt man ihn kaum wahr und vergisst fast, dass er existiert. Und dann gibt es diese kleinen Momente, nachts, auf dem Nachhauseweg, wenn man in einer klaren Nacht gen Himmel schaut und denkt: Wow. Dieser Mond. Und kaum hat man sich versehen, stolpert man in viel zu große Gedanken wie die Unendlichkeit des Weltalls und Lichtgeschwindigkeit.

Der Mond und alles, was mit ihm zusammenhängt, fasziniert seit Menschengedenken. In diesem Jahr jährt sich die erste bemannte Mondlandung zum fünfzigsten Mal – und damit auch einer der geschichtsträchtigsten Sätze überhaupt: „Ein kleiner Schritt für einen Menschen, aber ein großer Sprung für die Menschheit.“ Der US-Astronaut Neil Armstrong sprach ihn ins Helmmikrofon, als er von Ehrfurcht ergriffen seinen Fuß auf den Mondboden setzte. Wenige Sekunden später hörten ihn hunderte Millionen Fernsehzuschauer, die rund um den Globus dem spektakulären Medienereignis beiwohnten.

Kennedy behielt recht

Schon 1961 hatte US-Präsident John F. Kennedy versprochen, „bis zum Ende des Jahrzehnts einen Mann auf dem Mond zu landen und ihn sicher auf die Erde zurückzubringen.“ Viele wollten den Versprechungen Kennedys zu seiner Zeit keinen Glauben schenken. Doch der Präsident sollte recht behalten. Im Juli 1969 startete die legendäre Apollo-11-Mission. Das Reiseziel: die Mondoberfläche. Die Insassen der Raumkapsel: Kommandant Neil Armstrong, Buzz Aldrin und der bei der Geschichte der Mondlandung leider allzu oft nicht genannte Michael Collins. Letzterer kreiste im Rückkehrmodul um den Erdtrabanten, während seine Kollegen die Landefähre hinunter in das „Meer der Stille“ („Mare Tranquillitatis“) steuerten. Am 20. Juli um 20.17 Uhr Ortszeit in der Nasa-Zentrale war es soweit: „Houston, hier ist Tranquility Base. Der Adler ist gelandet!“ Nur wenige Augenblicke trennten die Crew da noch von ihrem legendären Ausflug auf die Mondoberfläche.

23 Kilo Mondgestein im Gepäck

Die Bilder der in Raumanzügen nahezu drollig umherhopsenden Männer haben sich in die Erinnerung einer ganzen Generation eingebrannt. Neil Armstrong ist im Übrigen auf den wenigsten dieser Aufnahmen zu sehen. Meist ist sein Kollege Buzz Aldrin im Bild, denn Armstrong hatte die Kamera in der Hand und musste selbst fotografieren. Die Crew hatte diverse Aufgaben zu erledigen: So installierten sie auf der Mondoberfläche technische Ausrüstung, um Sonnenwinde zu messen, sowie ein Lasersystem, das dazu diente, die exakte Entfernung zur Erde zu bestimmen. Außerdem sammelten Neil Armstrong und seine Mannschaft rund 23 Kilo Mondgestein und Bodenproben mit ein.

In ihrer Raumkapsel auf dem Weg zurück zur Erde sorgte – laut der Mannschaft – vor allem der auffällige Geruch für Herzklopfen. Der vier Milliarden Jahre alte Mondstaub roch in Verbindung mit dem Sauerstoff im Modul des Raumgefährtes stechend und intensiv nach Schießpulver! Armstrong beschrieb diesen durchdringenden „Weltraumduft“ später nochmal: Wie die feuchte Asche eines erloschenen Lagerfeuers habe der eingesammelte Mondboden gerochen.

Der Hase im Mond

Damit war ein Menschheitstraum wahr geworden. Denn nicht nur die Idee einer Reise zum Mond, auch der mysteriöse Himmelskörper selbst hatte es der Menschheit schon immer angetan. Viele Kulturen verorteten auf seiner Oberfläche Gottheiten und mythenumwobene Sagengestalten. Die Mayas glaubten, auf seiner Oberfläche lebe eine Fruchtbarkeitsgöttin; die Chinesen pflegten den Mythos der Frau im Mond, eine Verstoßene, die einst das unendliche Leben erstrebte; und nicht zuletzt gibt es in verschiedenen Kulturen den Mythos des Mondhasen, besonders verbreitet ist er in Japan und Korea. Nicht ganz ohne Grund: Denn während Europäer eher allgemein vom „Mondgesicht“ sprechen, kann man in der Silhouette der dunklen Lavameere mit etwas Fantasie die Form eines Hasens ausmachen.

Ähnlich wie der Mond das Sonnenlicht reflektiert, war er schon immer Projektionsfläche und Spiegel menschlicher Vorstellungen – mit oft überraschenden Folgen. So glaubten einige antike Philosophen, der Mond sei ein großer Spiegel und zeige deswegen das Spiegelbild des Erdglobus. Da diese Tradition bis in die Neuzeit weiterlebte, ließen sich manche Kartographen im 16. Jahrhundert bei der Gestaltung ihrer Weltkarten von der Beobachtung der Mondoberfläche inspirieren.

Dunkle Seite des Mondes

Noch rätselhafter als die Mondvorderseite schien aber lange Zeit die Rückseite des Mondes, die von der Erde aus nie zu sehen ist. Die ersten Fotografien funkten 1959 sowjetische Sonden zur Erde – der historische Vorsprung ist noch auf heutigen Mondkarten zu erkennen: zwei der größten Krater auf der Rückseite heißen „Moskau-Meer“ („Mare Moscoviense“) und „Tsiolkowsky“. Die ersten Menschen, die diese Krater mit eigenen Augen gesehen haben, waren dagegen wiederum amerikanische Astronauten der Apollo- 8-Mission im Jahr 1968.

Bis Ende 2018 waren auf der erdabgewandten Seite des Mondes keine irdischen Sonden gelandet, weder bemannte noch unbemannte. Doch kurz nach Neujahr funkte nun ein chinesischer Mondrover erstmals Bilder, die „hinter dem Mond“ direkt auf der Oberfläche aufgenommen wurden. Was nur funktionierte, weil zugleich ein chinesischer Mondsatellit die Daten über den Funkschatten der Rückseite hinaus in Richtung Erde übertrug. Die Landung ist vielleicht der Auftakt zu einem neuen Mond-Wettlauf – die Großmächte schielen auf Ressourcen wie Helium zur Energiegewinnung sowie wertvolle Mineralien. Zudem könnte Wassereis, das in schattigen Kratern vermutet wird, zukünftige Mondkolonien versorgen. Vorerst bleibt all das freilich pure Science-Fiction: Der gute alte Mond, er hört eben nicht auf, unsere Vorstellungskraft zu beflügeln.

„Der Mond führt uns an unseren Ursprung zurück“

Susanne Hüttemeister ist Professorin der Astronomie an der Ruhr-Universität und leitet das Zeiss Planetarium Bochum. Kathrin Gemein sprach mit ihr über die Bedeutung des Mondes.

Frau Hüttemeister, welchen Einfluss hat der Mond auf die Welt und den Menschen?

Der Mond hat die Menschen wohl immer schon beschäftigt. Der offensichtlichste Einfluss des Mondes auf die Welt ist sicherlich das Licht – und dass es bei Vollmond heller ist als bei Neumond. Und der stärkste Einfluss des Mondes auf die Welt sind die Gezeiten, also Ebbe und Flut. Zwei Drittel davon sind vom Mond beeinflusst, ein Drittel von der Sonne. In einer früheren Zeit, in der die Menschen noch stärker in die Natur eingebunden waren und den Lebenszyklen gefolgt sind, hatte eine helle Vollmondnacht eine größere Bedeutung. Heute spielt das alles keine Rolle mehr, weil jedes Stadtlicht und jede Straßenlaterne heller ist.

Und doch ist der Mond in der alltäglichen Wahrnehmung vorhanden.

Der Mond ist das einzige Himmelsobjekt – außer der Sonne – das wirklich jeder schon einmal gesehen hat. Dass es Mondphasen gibt, man mal eine Sichel sieht, mal einen Halb- oder Vollmond, das ist die einzige astronomische Tatsache, die irgendwie jeder weiß.

Viele Menschen glauben ja zum Beispiel, dass der Mond einen Einfluss auf ihr Schlafverhalten habe.

Das ist Unsinn. Völliger Unfug. Man hat ganz oft versucht, so etwas zu beweisen. Wie auch, dass bei Vollmond mehr Kinder geboren werden, mehr Unfälle passieren und eben dass man bei Vollmond schlechter schlafe. Letzteres könnte man sich ja vielleicht noch vorstellen: Wenn der Vollmond ins Fenster scheint, ist es einfach heller. Und helles Licht beeinflusst das Schlafverhalten. Nur: Jede Straßenlaterne ist heller. Das heißt, dass man diesen Einfluss nur bei Menschen auf dem Land, die weit weg von Straßenlaternen leben, feststellen könnte.

Also gibt es gar keine Verhaltensänderung durch die Mondphasen bei Lebewesen?

Es gibt vereinzelt Tiere, die bei Vollmond aktiver sind als bei Neumond. Australische Korallentierchen setzen bei Vollmond oder bestimmten Vollmonden koordiniert ihre Eier und Spermien frei, damit sie sich auch finden. Wenn sie das zu allen Zeiten machen würden, wäre die Wahrscheinlichkeit kleiner, dass es zu einer Befruchtung kommt, so ist die Dichte an Spermien und Eizellen in diesen Phasen größer. Deswegen ist hier der Vollmond der Trigger.

Dennoch ist der Mond ja für die Erde von immenser Bedeutung.

Dass es so einen großen Satelliten wie den Erdmond bei einem so kleinen Planeten wie der Erde gibt, ist in unserem Sonnensystem einmalig. Ob es Leben auf der Erde ohne den Mond geben könnte, ist umstritten. Man vermutet, dass der Mond auf das Erdklima einen so stark stabilisierenden Einfluss hat, dass es ohne diesen der Erde schwerfallen würde, Bedingungen für ein Leben vor Ort zu bieten. Das liegt daran, dass der Mond die Rotationsachse der Erde, die im Wesentlichen in eine Richtung zeigt, stabilisiert. Weil die Erdachse schräg steht, und zwar 23,5 Grad, gibt es Sommer und Winter. Die Erdachse ist gegen die Umlaufbahn der Erde geneigt und deshalb steht die Sonne im Mittsommer höher als im September oder März. Dies schwankt vielleicht über den Verlauf von Millionen Jahren ein wenig; aber das ist dem Klima relativ egal. Auf dem Mars, wo es keine großen Monde gibt, schwankt die Achse über Millionen von Jahren über 40 Grad. Wenn das auf der Erde auch so wäre, würde das die Jahreszeiten und das Klima extrem verändern. Und wir wüssten nicht, ob das Leben, wie wir es kennen, das abkönnte.

Aber wo kommt der Mond denn eigentlich her?

Die beste Theorie ist, dass der Mond und die Erde einen fast gemeinsamen Ursprung haben. Als sich Erde, Mond und somit das gesamte Sonnensystem vor etwa 4,5 Milliarden Jahren bildeten, entstanden aus einer Staub- und Gasscheibe die Körper, aus denen mal Planeten werden sollten. Im frühen Sonnensystem war alles in Unordnung, so dass es viele Kollisionen gab. Dann ist wohl die junge Erde wenige Millionen Jahre nach ihrer Bildung mit einem etwa Mars-großen anderen Protoplaneten zusammengestoßen. Beide haben sich zum Teil vereint, zum Teil ist Material aus diesem Zusammenstoß rausgeflogen; und zum Teil hat sich daraus der Mond entwickelt. Somit besteht der Mond zum Teil aus Mantelmaterial der Erde. Und somit führt uns der Mond selber an unseren Ursprung zurück.

Mondgeschichten – von damals bis heute

Der erste Mensch auf dem Mond war ein niedersächsischer Adeliger aus dem 18. Jahrhundert? Statt mit einer Rakete gelangte er jedoch auf den Trabanten, indem er an einer schnellwachsenden Bohne emporkletterte, die sich „an eines von des Mondes Hörnern von selbst anrankte“. Grund seiner Mondmission: die Bergung einer ominösen Axt. „Es war ein ziemlich mühseliges Stückchen Arbeit, meine silberne Axt an einem Orte wiederzufinden, wo alle anderen Dinge gleichfalls wie Silber glänzten“, wird der „Freiherr von Münchhausen“ in einer Überlieferung aus dem Jahr 1786 zitiert. Und die Story ist so wahr wie jene, dass er sich am eigenen Schopf samt Pferd aus dem Sumpf gezogen habe. Oder die, dass Neil Armstrong auch auf dem Mond gewesen sei (s. „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“).

Raumfahrt und Rüstung sind eng miteinander verwoben, das war schon so, als eine „Reise zum Mond“ noch nach einem Märchen von übermorgen klang: In Georges Méliès’ 16 Minuten langem Stummfilmklassiker von 1902 wird ein gewaltiges Geschütz auf den Erdtrabanten gerichtet. Im geräumigen Projektil nehmen mehrere Personen Platz und begegnen auf dem Mond magischen Pilzen sowie „Seleniten“ genannte Ureinwohnern, bevor sie den Rücksturz in den irdischen Ozean antreten. Als zentraler Ideengeber für diesen allerersten Science-Fiction-Film diente nicht zufällig der 1865 veröffentlichte Mondreise-Roman von Jules Verne.

Wer zum Mond fliegen will, muss erstmal trainieren — das gilt auch für Peter und Anneliese, die kindlichen Helden in Gerdt von Bassewitz’ bis heute beliebtem Märchenspiel „Peterchens Mondfahrt“ (1913). Den notwendigen Flatterunterricht erteilt der Geige spielende Maikäfer Herr Sumsemann, nicht ganz ohne eigenes Interesse: Durch einen fehlgeleiteten Feenzauber wurde einst sein sechstes Beinchen auf den Mond verbannt. Bevor die Rettungsmission am Fuß des Mondbergs gelingt, müssen allerlei von Märchengestalten bevölkerte Zwischenstationen bewältigt werden, vom Sandmännchen bis hin zu Osterhase und Weihnachtsmann. Schließlich kommt es zum alles entscheidenden Kampf mit dem bösen Mondmann, inklusive märchentypischem Happy End.

„Fünf, vier, drei, zwei, eins, null“: Den ersten Countdown der Geschichte verdanken wir Filmregisseur Fritz Lang – in seinem abendfüllenden Stummfilm.

„Die Frau im Mond“ sollte so die Spannung beim Raketenstart gezielt aufgebaut werden. Dass auch die Trickbilder vom Raumschiff und der Landung auf der Mondrückseite vergleichsweise realistisch wirken, ist Langs wissenschaftlichem Berater Hermann Oberth zu verdanken, einem Pionier der Raketenforschung. Eine Frau auf dem Mond bleibt allerdings bis heute Science-Fiction.

Die Amerikaner betraten erst 1969 den Mond, ein Belgier schon 15 Jahre vorher. Unvergessen die berühmten Worte: „Ich habe einige Schritte gemacht! Zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit gab es Schritte auf dem Mond!“. Stimmt gar nicht? Im Comic schon: Tim-und-Struppi-Zeichner Hergé schickte den Brüsseler Reporter und seinen Terrier (mit eigenem Raumanzug!) schon 1954 ins All. Äußerlich erinnert Hergés Mondrakete stark an Propagandabilder der deutschen „V2“. Die belgische Variante flog jedoch mit Atomantrieb.

Andere Hunde heulen ihn lediglich an, Snoopy, der Beagle aus den „Peanuts“-Cartoons von Charles M. Schulz, bereiste den Mond ganz einfach. Im März 1969, wenige Monate vor der Apollo-11-Mission, flog er auf seiner geliebten Hundehütte hinauf. Seine ersten Worte vor Ort: „Fantastisch! Sieht aus wie ein schmutziger Strand ...“ – in Anspielung an einen spontanen Ausspruch des Apollo-8-Astronauten William Anders 1968. Alles nur Klamauk, also? Nun ja, tatsächlich benannten die Astronauten der Apollo 10 das Raumschiff ihrer Generalprobe zur tatsächlichen Mondlandung nur wenige Monate später „Charlie Brown“ und die dazugehörige Mondlandefähre konsequenterweise „Snoopy“. Dieser „echte Snoopy“ landete zwar tatsächlich nie auf dem Mond, sondern testete lediglich die Bedingungen auf der Mondumlaufbahn.

„See you on the dark side of the moon“ heißt es ganz am Ende des Tracks „Brain Damage“, „und das sagt aus, wo man die Pink Floyd heute findet: hinterm Mond.“ So war es in einer zeitgenössischen Rezension des Musikmagazins „Sounds“ zur achten LP der britischen Prog-Rock-Band zu lesen.

Doch Erfolg und Zeit gaben„The Dark Side Of The Moon“ recht: Heute ist das Konzeptalbum eine der am häufigsten verkauften Platten überhaupt – und das trotz (oder wegen?) seines geradezu revolutionären Anspruchs: Anstatt einen weiteren zerwabernden Soundteppich als Begleitung zu psychedelischen Grenzerfahrungen zu produzieren, wandten sich Pink Floyd in ungemein komplex arrangierten Kompositionen den großen Themen von Menschheit und Menschlichkeit zu: Vergänglichkeit, Krieg, Gier, ewige Eile – die dunkle Seite des Mondes.

Als Michael Jackson 1983 zum ersten Mal seinen Moonwalk live performt, geht ein ungläubiges Kreischen durchs Publikum. Unwichtig, dass der Tanzschritt bereits in den 1940ern erfunden wurde – denn Jacko reicherte auch ihn um eine neue Dimension an. Diese scheinbare Übernatürlichkeit trieb er in „Moonwalker“ auf die Spitze und verwandelte sich im Laufe des Films, in dem er Kinder vor einem Bösewicht rettet, zuerst in ein Auto und dann in ein Raumschiff, das bis zum Mond und zurück fliegt. Ein bis heute unübertroffener Größenwahnsinn à la Michael Jackson halt.

„Wenn du ihn ganz lieb anschaust, holt er die Laterne raus.“ Wie fast jeder Song in der Geschichte des Schlagers war auch „Der Mann im Mond“ (1991), die dritte Single der Leipziger Blödel-Pop-Band Die Prinzen, reich an nur notdürftig als Mehrdeutigkeiten getarnten Eindeutigkeiten. Das mag man witzig finden oder auch nicht, genau wie die besungene Vorstellung vom Mann im Mond als Ersatzlover, bei dem man sich austoben darf, ehe es reinen Gewissens wieder nach Hause geht. Übrigens: Bereits 30 Jahre vor den Prinzen sang Gus Backus einen Nummer-1-Hit gleichen Namens, aber mit zeitgenössischerem Tenor: „Er schaut uns bang / Von oben zu / Und fragt: „Wie lang’ / Hab’ ich noch Ruh’?“

Die Behauptung, dass die Mondlandung 1969 nie stattgefunden hat, ist weit verbreitet und hartnäckig. Manch einer dürfte daher am 16. Oktober 2002 nicht schlecht gestaunt haben, als der TV-Sender arte das jüngste Werk des Dokufilmers William Karel ausstrahlte: „Kubrick, Nixon und der Mann im Mond“, in dem es genau darum ging: dass Regisseur Stanley Kubrick von US-Präsident Nixon beauftragt worden sei, die Mondlandung in einem Filmstudio zu inszenieren. Und nach all dem, was die interviewten Zeitzeugen (Henry Kissinger, Buzz Aldrin, Donald Rumsfeld, Kubricks Witwe) da glaubhaft ausplauderten, gab es für den Zuschauer eigentlich nur zwei Möglichkeiten: sich einen Aluhut aufsetzen und alles, wirklich alles in Zweifel ziehen – oder im Lexikon das Wort „Mockumentary“ nachschlagen.

Als die USA anno 2018 (!) erneut auf dem Mond landen, staunt man nicht schlecht: Nazis haben es nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs ins All-Exil geschafft und basteln dort am Meteor-Blitzkrieg, der doch noch eine Übernahme der Erde ermöglichen soll. So weit die Ausgangslage von „Iron Sky“, das Satire, Meta-Movie und Science-Fiction-Spektakel zugleich sein wollte – und vor allem zu legendärem Trash geriet. Denn die finnisch-deutsch-australische Co-Produktion verarbeitete Ideen von Sci-Fi-Fans, die diese online einreichen konnten – und zwar während der laufenden Dreharbeiten. Kurios? Krude? Und erfolgreich: Für Mitte Januar ist die Premiere der Fortsetzung „The Coming Race“ geplant.

Irre Geschichte: Im Jahr 1969 macht sich ein US-Astronaut (Ryan Gosling) gemeinsam mit zwei Kollegen in einer Rakete erstmals auf den Weg zum Mond. Dort werden Messungen durchgeführt, Bodenproben entnommen und Steine gesammelt und die US-Flagge gehisst. Danach geht es wieder zurück zur Erde, wo Neil und seine Kumpanen schließlich unversehrt ankommen ... Kann man sich nicht ausdenken, sowas. Musste sich Regisseur Damien Chazelle („La La Land“) auch nicht. Denn sein Film „Aufbruch zum Mond“, der im vergangenen November in die deutschen Kinos kam, ist eigentlich eine Verfilmung des 2005 erschienenen Wälzers „First Man – Neil Armstrong: Der erste Mensch auf dem Mond“ von James R. Hansen (Untertitel: „Die autorisierte Biografie“) – und alles mehr oder weniger genauso passiert. csch

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