Landpartie

Trommelwirbel für den Kappes – eine neue Sorte ist da

Mitten zwischen den grün-violettfarbenen Pflanzen steht Rainer Coenen. Der 48-Jährige hat erstmals „Flower Sprout“ gepflanzt – ein neues Gemüse, das eine Züchtung aus Rosen- und Grünkohl  ist.

Mitten zwischen den grün-violettfarbenen Pflanzen steht Rainer Coenen. Der 48-Jährige hat erstmals „Flower Sprout“ gepflanzt – ein neues Gemüse, das eine Züchtung aus Rosen- und Grünkohl ist.

Foto: Lars Heidrich

Kaarst.   Grünkohl ist nicht jedermanns Sache. Rosenkohl erst recht nicht. Nun gibt es einen Pflanzen-Mix: Flower Sprout. Hof Coenen in Kaarst baut ihn an.

Der Grünkohl von Bauer Coenen ist kinoreif: Dabei sind die schmackhaften, sich kräuselnden Blätter nicht so wichtig. Die Filmemacher interessieren sich nur für die Strünke, erzählt der Landwirt in Kaarst, der der Crew mit dem Wintergemüse aushalf. Denn mit genau solchen Grünkohl-Keulen hat Udo Lindenberg als Kind seine ersten Takte getrommelt. Wenn der Film über den Panikrocker also wie geplant 2020 auf die Leinwand kommt, spielt auch der Kohl vom Niederrhein eine kleine, aber wegbereitende Rolle.

Geschnitten und schnell gekocht

Dabei landen die Strünke sonst auf dem Kompost. Per Hand und mit einem Messer wird der Kohl zunächst auf dem Feld geschlagen und danach gestribbelt: Mit kräftigen Handstrichen lösen sich die Blätter von den Stielen. Bei Coenen werden sie meist direkt in einer Maschine zerkleinert und in 400g-Beutel abgepackt. Denn: „Die Menschen haben immer weniger Zeit, wollen aber frisch kochen“, sagt Landwirtin Ulrike Coenen. Freitags und samstags gibt es daher im Hofladen auch den Rotkohl frisch geschnitten.

Kälte macht den Kohl süßer

Grünkohl gilt als DAS Wintergemüse. Nach dem ersten Frost wird geerntet – lautete früher die Faustregel. Bei den neuen Sorten, die nicht mehr so bitter sind, muss Frost nicht unbedingt sein, aber eine Kältephase ist auch heute noch wichtig. „Wenn der Kohl Frost abbekommen hat, wird er süßer“, sagt Rainer Coenen. Eine Winterpause kennt der 48-Jährige nicht, von November bis Karneval kann er Kohl auf seinem 2,5 Hektar großen Feld ernten. „Grünkohl und Rosenkohl haben eine gewisse Frosttoleranz“, so Rainer Coenen. Bei etwa minus 15 Grad halten die Pflanzen noch tapfer durch. Schwieriger war die Trockenheit in diesem Jahr. „Ich habe zum ersten Mal im Oktober bewässert.“

„Es ist nie ruhig, wir haben immer Saison“, sagt auch seine Frau, die studierte Gärtnerin Ulrike Coenen, die sich im Sommer den Kirsch-, Pflaumen- und Mirabellenbäumen widmet und nun Adventskränze steckt: klassisch in Rot oder Silber oder modern in Pink und mit glitzerndem Einhorn.

Obwohl die 50-Jährige auch in der Küche gerne experimentiert und schon mal Zimt in die Bolognese-Soße rührt, mag sie den Grünkohl am liebsten klassisch. Da kann das vitaminreiche Gemüse noch so hip sein und heute als Chips, Pesto oder Smoothie auf den Tisch kommen. Ulrike Coenen empfiehlt zunächst: „Leckeres Fleisch besorgen: Kassler, Kohlwurst.“

Das klassische Grünkohl-Rezept

In einem großen Topf mit Gänseschmalz eine gehackte Gemüsezwiebel auslassen, Fleisch hinzugeben, leicht anbraten, ein bisschen Wasser dazu, das Fleisch etwas auskochen, dann Fleisch herausnehmen und den Kohl in den Topf geben. Salz dazu, eventuell etwas Zucker, falls der Kohl noch nicht so viel Kälte auf dem Feld abbekommen hat – siehe oben. Und dann darf das Gericht bei kleiner Temperatur auch schon mal zwei Stunden und länger auf Ulrike Coenens Herd stehen.

So lange? Dabei gibt es heute auch viele bissfeste Grünkohl-Gerichte. Die Landwirtin lacht: „Ich bin ja kein Hase.“ Nein, anders als im Sommer müsse das Gemüse bei ihr im Winter butterweich sein – und von innen schön wärmen.

Beim Grünzeug scheiden sich ja die Geister: Besonders beim Rosenkohl gibt es Liebhaber – und Hasser. Doch Rainer Coenen hat im Sommer erstmals eine neue Sorte angepflanzt, die selbst Skeptiker nicht die Nase rümpfen lässt: „Flower Sprout“ (sprich: Flauer Spraut).

Die Pflanze ist eine Kreuzung aus Rosen- und Grünkohl. Sie wächst kniehoch und höher. Beim Grünkohl nimmt der Bauer die großen Blätter, beim Rosenkohl knipst er die Röschen vom Strunk und beim „Flower Sprout“ pflückt er lediglich die jungen, feinen Blättchen mit den violettfarbenen Äderchen. Einige erinnern an aufgeblühte Rosenblüten.

Die Blättchen kosten im Hofladen 1,50 € pro 100 g. Der Landwirt vermutet, dass er bis Januar, Februar ernten kann. Aber ganz sicher ist er sich nicht: „Für uns ist das auch neu.“

Doch warum dieser Anglizismus, mag sich mancher bei „Flower Sprout“ fragen. Violettkohl wäre doch eine leicht auszusprechende Alternative. Oder GrüKo. Oder: „Prinzessinnengemüse“, wie Ulrike Coenen den Kohl scherzhaft nennt. Ihre fünfjährigen Mädchen – Zwillinge – mögen alles, was pink, rosa und lila ist. Daher kommt auch dieser Kohl bei den beiden gut an. Aber das Gemüse offiziell umbenennen? Das ist nicht drin. Die Sorte wurde in Großbritannien gezüchtet – der Name ist geschützt.

Nur kurz in der Pfanne braten

Viel wichtiger als der Name ist eh der Geschmack, wie der kleine Küchen-Selbsttest nach der Landpartie zeigt: Die feinen Blättchen waschen, dann ungeschnitten wenige Minuten in Butter braten, danach sind sie noch nicht zusammengefallen und haben angenehm Biss – wenn man das mag. (Ulrike Coenen dämpft die Blätter zunächst, bevor die Hobbyköchin sie in der zerlassenen Butter schwenkt.) Etwas Salz und Pfeffer: Fertig ist eine schnelle Beilage zu Fleisch und Kartoffeln.

Aber auch vegetarische Rezepte mit Flower Sprout und Nudeln werden im Internet getauscht. Das Gemüse schmeckt lediglich dezent nach Kohl, es ist milder als Grünkohl. Und keinesfalls so bitter wie Rosenkohl. Dafür schön nussig. Köstlich!

Bleibt lediglich noch eine Frage, die wohl am allerbesten Udo Lindenberg beantworten könnte: Ob man mit den Strünken des Flower Sprouts genauso klangvoll trommelt wie mit denen des Grünkohls?

>> HOFLADEN UND AUSSTELLUNG

Hofladen: Driescherfeld 24, Kaarst, Mo. - Fr., 8.30 - 18 Uhr, Sa. 7.30 - 14 Uhr. 02131/ 15 37 471, hofladen-coenen.de

Adventsausstellung: Ab dem heutigen Samstag sind in der Gärtnerei Adventskränze und andere Dekorationen ausgestellt.

Advents-Workshop: Zieräpfel und Zapfen von zu Hause mitbringen und zum neuen Kranz stecken. Nächster Termin: 26. Nov., 15 - 16.30 Uhr, 5 €. Anmeldung: info@hofladen-coenen.de

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben