Smartphone

Mit dem Smartphone in den Urlaub? Aber klar doch!

Nur noch schnell die Fotos von gestern checken.

Nur noch schnell die Fotos von gestern checken.

Foto: dpa Picture-Alliance / Christin Klose

Essen.   Im Urlaub will man von zu Hause Abstand gewinnen, um sich zu erholen. Dabei sind Smartphone und Tablet als Begleiter in den Ferien unentbehrlich.

Sie fahren demnächst in Urlaub? Glückwunsch. Genießen Sie die Zeit. Aber vergessen Sie ihr Smartphone nicht. Was sagen Sie? Brauchen Sie nicht. Wenn Sie wüssten. Keine andere Technologie hat die Gesellschaft so nachhaltig verändert wie das Smartphone mit Internetzugang – und auch die angeblich schönsten Wochen des Jahres bleiben davon nicht verschont. Ganz im Gegenteil.

Aber blicken wir erst einmal zurück. Auf früher. Was in diesem Fall die ­1960er Jahren sind. Urlaub in Italien. Rimini, Pension Mario. Jedes Jahr – fünf Jahre hintereinander und mit der ganzen Familie. Kein Fernsehen, kein Telefon, kein Kontakt zu den Kumpels. Für Sechsjährige ein Alptraum, da kann die Sonne noch so viel scheinen und das Eis noch so lecker sein.

So ist das lange geblieben für alle, die zum Urlaub ins Ausland gefahren sind. Und auch für die, die zu Hause bleiben mussten. Oder durften. Kein Bild kein Ton – nichts. Außer eine Postkarte vielleicht. „Wetter schön, Essen gut, Gruß an Tante Erna.“ So etwas in der Art. Und meistens kam die Post erst an, wenn der Schreiber längst wieder zu Hause war. Das konnte bei einem dreiwöchigen Urlaub der ersten großen Liebe in Nordschweden der Beginn einer langen Feindschaft mit dem Briefträger sein.

In ganz dringenden Fällen gab es natürlich damals auch das Telefon. War aber nicht einfach aus dem Ausland und übersteigt bei Klassenfahrten eindeutig das Budget eines Schülers. Ich habe deshalb immer bei der Vermittlung angerufen und ein R-Gespräch angemeldet, also eines, bei dem der Angerufene zahlt. Es sei denn, er legt sofort auf, wenn der Mann in der Vermittlung fragt: „Would you pay for this call?“ – wollen Sie für dieses Gespräch zahlen? So wie es meine – des Englischen nur rudimentär mächtige – Oma machte, die bei uns im Haus lebte. „Sei froh, dass du nicht da warst“, hat sie mir nach meiner Rückkehr gesagt. „Hier hat immer wieder so ein Verrückter angerufen.“

Bis die Zeitung vom Vortag kam

Aber man ist damals ja nicht nur von den Freunden zu Hause, sondern von der Welt im Allgemeinen abgeschnitten. Auf den Kanarischen Inseln der 70er-Jahre etwa waren die Ergebnisse der Fußball-Bundesliga in etwa so einfach zu bekommen, wie das Rezept von Coca Cola. Zumindest in den ersten 48 Stunden nach Abpfiff. Bis die Zeitung vom Vortag kam.

Und dass die GSG9 die Geiseln der entführten Lufthansa-Maschine „Landshut“ befreit hatte, erfuhr ich während einer Kalifornien-Reise nur durch Joe, den freundlichen Reisebusfahrer. Wobei der Satz „Hey Germans, it’s over“ – „alles vorbei“ – durchaus Raum für Spekulationen ließ.

Mitte der 80er-Jahre ruft man die Daheimgebliebenen ohne Vermittlung aus öffentlichen Telefonzellen an. Aber angesichts des in Höchstgeschwindigkeit durch den Münzschacht sausenden Geldes bleibt es bei: „Wetter schön, Essen gut, Gruß an Tante Erna.“ Vielleicht noch ergänzt um die beliebte Frage: „Und bei Euch zu Hause regnet es?“

Selbst die ersten bezahlbaren Mobiltelefone, die Mitte der 90er-Jahre auf den Markt kommen, ändern nicht wirklich etwas. Abgesehen davon, dass man nicht mehr nach einer halbwegs funktionierenden Telefonzelle suchen muss, sondern nur noch nach einem Platz, an dem man Empfang hat. So teuer sind die Gebühren im Ausland, dass es beim bekannten Text bleibt: „Wetter schön....“.

Dann – es ist das Jahr 2007 – stellt Steve Jobs das iPhone vor. Ja, damit kann man telefonieren. Aber damit kann man auch 1000 andere Dinge machen. Es ist ein Smartphone. Jeder große Hersteller von Mobiltelefonen hat bald Smartphones im Programm. Das ändert alles, auch auf Reisen.

Hunderte Schnappschüsse – war nichts los?

Das beginnt schon beim Fotografieren. Mein Vater kommentierte die Mitnahme von drei 36er-Farbfilmen für den ersten USA-Trip noch mit den Worten: „Wer soll die Bilder denn alle gucken?“ Nach Ende des Urlaubs brachte man die Filme zum Entwickeln und wartete mit klopfendem Herzen auf die Abzüge. Seitdem sind alle Dämme gebrochen. Ein Wochenend-Ausflug nach Egmond und nur hundert Schnappschüsse auf dem Smartphone? „War wohl nichts los?“, fragen meine Kinder in solchen Fällen.

Mein aktuelles Handy macht Fotos von viel besserer Qualität als meine alte Digital-Kamera. Filme übrigens auch. Und wenn ich will und online bin, kann ich beides schon Sekunden nach der Aufnahme versenden, egal wo ich gerade bin. An Frau und Kinder, Freunde und Kollegen. Und ich muss noch nicht einmal dazu schreiben, dass das Wetter schön ist. Sieht man ja. Alle, die ich kenne, finden das toll. Außer die Hersteller von Postkarten.

Kostenloses W-Lan gibt’s nicht überall

Das zeigt: Seine wirkliche Stärke spielt das Smartphone – genau wie das Tablet – erst in Verbindung mit dem Internet aus. Gerade in Übersee vertrauen viele Reisende auf freie W-Lan-Netze. Ich mach das nicht mehr, seit ich meiner Familie Turnschuhe aus einem Outlet-Center nahe Los Angeles mitbringen sollte. Toller Laden, traumhafte Preise, große Auswahl. Leider war das kostenlose W-Lan am anderen Ende des riesigen Einkaufszentrums. Also habe ich Fotos gemacht bin dorthin gelaufen, wo ich Empfang hatte und habe die Bilder von dort nach Hause geschickt.

Als Antwort bekam ich viele Fragen. „Gibt es die auch in blau? Kann ich die mit Punkten haben? Kannst du noch ein paar Fotos machen?“ So oft bin ich hin und her gelaufen, dass die Fitnessapp auf meinem Telefon Alarm schlug. „Sie haben ihre vorgegebene Schrittzahl erreicht.“ Seitdem kaufe ich mir jedes Mal eine Telefonkarte des Landes, in dem ich gerade bin. Kostet nicht viel. Und es bewahrt einen vor Erlebnissen, wie ich sie vor Jahren bei einem Aufenthalt an der US-Westküste hatte.

Zahlendreher in der Handynummer

Dort bekam ich unter meiner deutschen Handy-Nummer mitten in der Nacht Anrufe von Menschen, die sich bitterböse beschwerten, dass es im Wohnzimmer zieht. Oder darüber, dass ich vereinbarte Termine nicht eingehalten hätte. Das lässt einen morgens um drei Uhr relativ ratlos zurück. Bis man nach dem dritten Anruf erfährt, dass ein Fensterbauer aus dem Osten Deutschlands in einer gerade geschalteten Annonce einen Zahlendreher in seiner Handynummer hatte.

Immer online zu sein, das verändert den Urlaub komplett. Das Smartphone sagt mir, ob ich eine Regenjacke mitnehmen sollte und an welcher Station ich die U-Bahn-Linie zu wechseln habe. Es rechnet Schuhgrößen und Kragenweiten um, verrät mir alles über das Denkmal in dem Park, durch den ich gerade gehe, oder wie Kunden das Burger-Restaurant an der Ecke bewertet haben. Und es sorgt dafür, dass ich lesen, hören und sehen kann, was ich abonniert habe. Wann ich will, wo ich will.

Weit weg, aber trotzdem nicht so ganz raus aus der Welt

Es lässt mich auch in Kontakt bleiben, hält mich auf dem Laufenden, erzählt mir, was passiert. Auf der Welt und bei mir zu Hause. Ich möchte es wissen, wenn der Bundespräsident zurücktritt, meine Lieblingsserie eingestellt wird oder der Sänger, den ich so mochte, überraschend stirbt. Ich schrecke auch nicht davor zurück am anderen Ende der Welt zum Frühstück die samstäglichen Begegnungen der Fußballbundesliga mit dem Handy zu streamen.

Es interessiert mich in der Ferne, wie es meinem Hund zu Hause geht oder wie die Abi-Party des Patenkindes war. Endlich muss ich nach der Rückkehr zu Hause nicht mehr fragen: „Was gibt es Neues? Erzähl mal.“ Ich weiß nämlich schon alles. Ja, muss man alles mögen. Ich mag es.

Schlüsselcode per Mail

Davon ab wird das Smartphone rund um den Urlaub immer unverzichtbarer. Flugtickets oder Gepäckscheine lassen wir längst nur noch auf das Telefon schicken. Und wahrscheinlich wüsste ich bis heute nicht, wie ich in die letzte AirBnB-Unterkunft gekommen wäre, wenn ich nicht frühzeitig die Mail des Vermieters mit dem Schlüsselcode bekommen hätte.

Natürlich kann man auch ohne Smartphone verreisen. Noch. Aber es wird schwieriger. Und das digitale Rad lässt sich nicht mehr zurückdrehen. Was noch kommen kann? Kostenfreies W-Lan im Flieger dürfte schon bald nicht mehr die Ausnahme sondern die Regel sein. Dann fehlt nur noch die weltweit geltende Flatrate. Und ein Smartphone-Akku, der endlich länger hält, als nur einen Tag.

Schönen Urlaub!

>> So bin ich im Urlaub immer erreichbar

E-Mails checken, WhatsApp schreiben oder telefonieren.
Wer ins EU-Ausland reist, kann sein Smartphone mittlerweile nutzen, als wenn er zu Hause wäre. Hat er eine Flatrate, gilt sie auch am Urlaubsort, hat er keine, wird zum selben Minutenpreis abgerechnet, wie in der Heimat.

Was man schnell vergisst: Die Roaming-Verordnung gilt nicht in der Türkei und in der Schweiz. Auch nicht in der Vatikanstadt. Manche Provider rechnen dort dennoch zu Heimattarifen ab. Am besten vorher erkundigen. Und Vorsicht auch an Bord von Flugzeugen oder Schiffen. Die Mobilfunknetze, die es dort gibt, fallen nicht unter die Roaming-Verordnung.

Viel teurer wird es bei Reisen nach Übersee. Will man etwa in den USA erreichbar sein, empfiehlt es sich, vorab – etwa
bei Amazon – eine Prepaid-Karte im Internet zu bestellen. Sie gilt meist vier Wochen ab Aktivierung und kostet nicht viel. Karten mit 6 GB Datenvolumen und Telefon-Flatrate gibt es schon unter 20 Euro. Allerdings gewährleistet nicht jeder
Anbieter in jedem Bundesstaat guten Empfang.

Ein Wort noch zu WhatsApp. Da die App mit der Telefonnummer und nicht mit der Sim-Karte verbunden ist, lässt sich das Programm auch mit Auslandkarte problemlos weiter nutzen.

Erholt aus dem Urlaub? So schaffen Sie Abstand vom Stress und fühlen sich am ersten Arbeitstag fit.

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