Mahlzeit

Gutes bleibt - im Essener „Chilli House“

Frische! Gibt es im „Chilli House“ in Essen.

Frische! Gibt es im „Chilli House“ in Essen.

Foto: LVG

Respekt vor Qualität, die bleibt. Essens „Chilli House“ zeigt nun schon Jahre eine Küche weitab vom Standard-Asiaten. Ein Besuch.

Wer die Mahlzeit-Kolumne regelmäßig liest, der kennt mein Herz für Gastronomen, die einen langen Atem haben. Und wie schnell das Gegenteil dieser raren Spezies inzwischen nach Luft japst: Kaum eröffnet, meldet man schon wieder einen Inhaberwechsel. Wo 2018 noch die 54. Sushi-Schmiede das lockende Neonlicht anknipste, residiert nun jetzt Edelsteakhaus Nummer 29...

Da kann man das Chilli House in Essen-Rüttenscheid fast schon als ehrwürdige alte Dame bezeichnen. Es muss an die zehn Jahre her sein, dass ich dessen Start an dieser Stelle feierte. 2019 ist dieser schöne Entwurf eines Asia-Restaurants fernab aller Standards immer noch am Platz. Er ist das Gegenteil eines durch Masse erfolgreichen Mittelmaßes, die sich selbst auf eine Art Kantine mit Drachen-Deko kleingekocht haben. Sie überleben mit All-you-can-eat-Offerten: gesichtslosen Büffet-Formaten, in denen süßsaure Fertigsauce regiert und die mir nicht nur darum ein Rätsel bleiben.

Das „Chilli House“ in Rüttenscheid zeigt zuverlässig Frische und es hat ein ganz eigenes Profil

Das Chilli House dagegen überzeugt bis heute durch unbestechliches Profil und Frische. Ja, wer die „Ente im Obstgarten“ (außen knuspriges, innen butterzartes Fleisch, 16,50€) bestellt, darf sicher sein, dass der Vogel ohne Dosenfrüchte seinen Weg auf den Teller findet. Schon die Frühlingsrollen (auch vegetarisch zu haben) spielen mindestens eine Liga über dem Gewohnten: Sie sind deutlich weniger fettig, die Füllung zeigt raffinierte Würze und die süße Chili-Sauce als Dip machen sie zu einem idealen Starter.

„Schwein auf Abwegen“, „Wilder Stier“: Die Namen der Gerichte sind ein Markenzeichen im „Chilli House“

Die erheiternden Namen auf der Speisekarte haben sich so wenig geändert wie die Karte selbst. Das „Schwein auf Abwegen“ (12,50 €, Fleisch in Thai Curry, Kokosmilch, Gemüse, Champignons, im Topf serviert) ist immer noch im Rennen, der „Wilde Stier“ (Rinderfilet-Streifen Sesam in Orangen-Honig-Chili-Soße, 14,80€) und der knoblauchsatte Schweinebauch („Schweinchen Dick“, 10,50€) ebenfalls. Und damit sind wir vielleicht bei der einzigen Schwäche dieser guten Adresse für asiatische Küche: Etwas mehr Beweglichkeit, etwas mehr Saisonales und dazu entsprechende Experimentierlust würde dem Restaurant vielleicht ganz gut tun.

Andererseits: Freuen sich die Stammgäste nicht doch immer wieder aufs „Gute Huhn vom Thailänder“ oder das fernöstliche Rindergulasch Gyunam Gohan? Gutes bleibt – das wollen wir jedenfalls hoffen.

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Küche:
Hier hat das Aroma wirklich „Farben“. Sehr gut abgeschmeckt, immer frisch. Eine Adresse, die einen stattlichen Fanclub ihr eigen nennt.

Ambiente:
Nicht innovativ, aber durchaus schön gemacht. Weder verleugnet das Chilli House seine Asia-Wurzeln noch herrscht eine Folklore-Schlacht.

Service:
Gut, professionell und von asiatisch zurückhaltender Art. Mitunter wäre dennoch eine Prise mehr Zugewandtheit nicht von Nachteil.

Preise:
Faire Preise, gute Qualität. Günstiger Mittagstisch von Montag bis Samstag: Zu allen Gerichten gratis Tee und Peking Gulasch-Suppe (oder Salat).

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