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Filmmuseum Düsseldorf - vom Schattenspiel zum 3D-Spektakel

Im Studioraum leuchtet der Schriftzug der Düsseldorfer „Lichtburg“ vor einer Filmkamera aus den 50er-Jahren.

Foto: Lars Heidrich

Im Studioraum leuchtet der Schriftzug der Düsseldorfer „Lichtburg“ vor einer Filmkamera aus den 50er-Jahren. Foto: Lars Heidrich

Düsseldorf.   Und Action...! Das Filmmuseum Düsseldorf entführt seine Besucher in die faszinierende Welt der großen Leinwand-Legenden und Regie-Genies.

Nosferatu hat seinen Mantel vergessen, Räuber Hotzenplotz wurde gleich all seiner Kleider beraubt, während Regisseur Akira Kurosawa ein paar prachtvolle Kostüme aus seinen „Träumen“ am Rheinufer zurückließ. Das sind nur die ersten Eindrücke beim Besuch in der Kostümabteilung des Filmmuseums Düsseldorf.

Das Haus ist voll von, aber keineswegs vollgestopft mit Filmrequisiten, Fotos, Postern und technischen Geräten, die jedem Freund des Kinos die Augen aufgehen lassen. Und wer nun gleich in Gedanken zu den großen Hollywood-Streifen driftet: Die sind zwar auch repräsentiert, doch in der sehr international aufgestellten Dauerausstellung eher unterproportional vertreten.

Daumenkino und die ersten Cinématographen

Über vier Etagen erstreckt sich das Museum in der Altstadt, das nicht erst in dem Moment ansetzt, in dem die Brüder Lumière ihren Cinématographen anwarfen, sondern noch weiter zurückgeht in der Zeit, etwa hin zum chinesischen Schattenspiel, zur Laterna Magica und zu Daumenkino-Automaten. Es ist erstaunlich, mit wie viel Erfindergeist schon Jahrhunderte vorm ersten Filmdreh daran gearbeitet wurde, den Bildern das Laufen beizubringen.

Filme, wie wir sie kennen, hätte es natürlich niemals ohne die Fotografie gegeben – und so ist ein prachtvoller Teil den historischen Apparaten und den frühen Kameras gewidmet, die es auch im frühen 20. Jahrhundert schon für den Heimgebrauch gab. Dass zum Film Ton gehört, traf anfangs noch auf starke Widerstände. So zeigt die Ausstellung neben einer Edison-Goldguss-Walze für einen Tonfilm auch ein Pamphlet eben gegen diese abscheuliche Neuerung. „Tonfilm ist wirtschaftlicher und geistiger Mord!“, zeterten jene, die um ihr Gehör und die Arbeitsplätze der vielen Filmmusiker fürchteten, die damals live die Vorführungen begleiteten.

Das Kino als wichtigste aller Künste

Andere erkannten früh die Macht des bewegten Mediums: „Der Film ist für uns heute die wichtigste aller Künste“, wird Lenins Satz von 1922 auf einem roten Vorhang zitiert – willkommen beim Propagandafilm.

Die Liebe zum Kino kommt in Düsseldorf so stark zur Geltung wie die Liebe zu den Kinos: „Wir haben ein Modell des Roxy Theatres in New York, des bis dato größten Kinos der Welt“, sagt Mattias Knop, stellvertretender Museumsleiter. Kinokassen, Schriftzüge, Projektoren, Schneidemaschinen sieht man.

Von der Tingeltangel-Attraktion zur Hochkultur

Bei aller Historie: In der Studio-Etage gelangt auch das Filmmuseum beinahe in der Gegenwart an. Es wird Blue- und bald auch Greenscreen-Technik vorgeführt, Kinder können hier bei Workshops kleine Filme selbst gestalten. Und es wird 3D-Filmtechnik demonstriert. Übrigens ist 3D gar keine so neue Erfindung. Im „Kaiserpanorama“ konnte man ums Jahr 1900 herum stereoskopische Fotos dreidimensional betrachten – eine Jahrmarkt-Attraktion. Das bewegte Bild hatte denselben langen Weg: Anfangs als Schund- und Tingeltangel-Spektakel gescholten, brauchte es ein Weilchen, bis sich das Kino als jene Kunst etablierte, die wir heute lieben.

  • Filmmuseum Düsseldorf, Schulstraße 4, 40213 Düsseldorf. Di.-so. 11-18 Uhr, 5 €, bei Sonderausstelung 7 €. Das Kino Blackbox zeigt Filmkunst: 7 €. Nähere Infos hier.

>>> Das liebste Ausstellungsstück

Ein kleiner Schwerpunkt der Dauerausstellung im Filmmuseum wurde Lotte Reiniger gewidmet, einer Pionierin des Animationsfilms, die kunstvolle Scherenschnittfilme im Alleingang produzierte. „Sie hat die Scherenschnitte auf einen hintergrundbeleuchteten Tisch gelegt, sie jeweils um wenige Millimeter bewegt und davon Fotos gemacht“, sagt Matthias Knop. „Sie hat teilweise drei Jahre an einem Zehn-Minuten-Film gearbeitet.“ Und genau wegen dieser Akribie und Kunstfertigkeit mag Knop den Leuchttisch so gern. Über der Arbeitsfläche hängt starr an Metallstangen montiert die wuchtige Kamera.

Einzelne Szenen aus Reinigers Filmen werden in Kürze auch in Leuchtkästen in der Dauerausstellung zu sehen sein, einige erstrahlen schon jetzt in einem fast plastischen Licht, Farbszenen aus Märchenfilmen. „Magneten halten das fest, so dass die Figuren fast schweben“, so Knop. Auch wegen dieses 3D-Effekts sehen die alten Scherenschnitte heute fast schon wieder modern aus.

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