Schule

Die Schuluniform – Wie ein Trikot in einem Fußballteam

Alle Schüler der „6d“ tragen die „Beuys“-Kleidung: Celal Ucar, Neo Chatziapodtolou, Max Rais, Kryl Diame Tagulinao Geopano und Sophie Meier (v.l.). 

Alle Schüler der „6d“ tragen die „Beuys“-Kleidung: Celal Ucar, Neo Chatziapodtolou, Max Rais, Kryl Diame Tagulinao Geopano und Sophie Meier (v.l.). 

Foto: Lukas Schulze

Duisburg/Düsseldorf.  Nur wenige Schulen in NRW haben sich für die Schuluniform entschieden. Vieles wird dadurch einfacher, doch die meisten schrecken davor zurück.

In vielen Schulen macht Kleidung Ärger: Zu kurze Shorts, Löcher in den Jeans (und an den falschen Stellen), Neid und Streit um Markenklamotten von Hilfiger bis Hollister. Wenn man doch nur auf Harry Potters Zauber-Schule ginge... Dann wären viele der Kleider-Probleme, die Schüler in NRW plagen, schlicht in Luft aufgelöst. Nicht durch eine magische Formel, sondern durch das Tragen einer Schuluniform. Immer wieder brandet die Diskussion über das Für und Wider von einheitlicher Bekleidung für Schüler auf. An der Joseph-Beuys-Gesamtschule in Düsseldorf gibt es solche Hemden, Shirts und Jacken seit zehn Jahren für alle – und alle sind zufrieden damit. Zumindest bis zu einem gewissen Alter.

Als Regine Brochhagen-Klein die Leitung der Schule übernahm, war es ein Wunsch der Eltern, ihren Kindern ein gemeinschaftliches Outfit zu geben. „Wir haben einen sehr langen, demokratischen Prozess zur Findung eingeleitet, mit Catwalks, mit Modeschauen, mit Abstimmungen in den Klassen. Was schließlich in einen Beschluss der Schulkonferenz mündete“, sagt die Pädagogin.

Einheitliche Schulbekleidung kann in Nordrhein-Westfalen nicht einfach vorgeschrieben werden. Es müssen alle in der Schulkonferenz vertretenen Schülerinnen und Schüler zustimmen. Und selbst dann kann die Schulkonferenz nur eine Empfehlung an die Eltern aussprechen. Nach mittlerweile zehn Jahren weiß aber natürlich jeder Schüler und jedes Elternteil lange vor der Einschulung, dass hier alle dieselbe Kleidung tragen.

Und das macht etwas mit den Schülern: „Das ist wie beim Fußball, das sieht aus wie ein Team“, erklärt Celal Ucar (13). Und andere ergänzen sofort: „Wir halten zusammen. We are one school.“

Viele Schüler sind stolz auf das Beuys-Logo

Das Tragen von Schuluniformen ist eine absolute Ausnahmeerscheinung. Das NRW-Schulministerium führt keine Statistik darüber, welche Schulen solche Kleiderempfehlungen anwenden. Eine zehn Jahre alte Erhebung listet gerade mal zwölf öffentliche Schulen im Land, von denen mehrere mittlerweile von der Vereinheitlichung Abstand genommen haben.

Viele Beuys-Schüler fühlen Stolz, wenn sie an ihre Schulkleidung mit dem Logo denken, das den Hut des umstrittenen Düsseldorfer Ausnahmekünstlers zeigt. „Ich werde oft in der Straßenbahn darauf angesprochen“, sagt der elfjährige Neo Chatziapodtolou. Und freut sich, dass er auch nach außen als Schüler seiner Schule zu erkennen ist. Und die ebenfalls elf Jahre alte Sophie Meier berichtet von einer ganz pragmatischen Sache: „Was ich geil finde an der Schuluniform: Als ich noch in der Grundschule war, habe ich morgens erstmal zwanzig Minuten vor dem Kleiderschrank gestanden und konnte mich nicht entscheiden, was ich anziehe.“ Das ist heute etwas anders.

Mit der einheitlichen Kleidung als Empfehlung wird es natürlich etwas schwieriger, wenn viele Schüler in die Pubertät kommen und sie sich individuell vom Rest absetzen möchten. „Da verlässt uns das Schulgesetz, da haben wir keinen Rückhalt“, sagt Beratungslehrerin Claudia Andersch (56). Und Brochhagen-Klein ergänzt sanft lächelnd: „Wir haben immer gesagt: Eine von uns sollte Schulministerin werden! Denn dann wären alle verpflichtet, eine einheitliche Schulkleidung zu tragen.“

Wovon die Leiterin der öffentlichen Beuys-Gesamtschule träumt, ist an vielen Privatschulen längst Realität. An der St. George’s School, die in NRW etwa in Duisburg-Ungelsheim und Köln vertreten ist, tragen alle Schüler selbstverständlich Schuluniform, denn als eine internationale britische Schule macht man es dort wie an allen britischen Schulen. Aber ein wesentlicher Punkt kommt hinzu: „Bei uns tragen die Schüler Uniform, weil alle Kinder bei uns gleich sind. Es ist leichter für die Schüler, einfacher für die Eltern und auch für die Lehrer, wenn alle Kinder die gleiche Kleidung tragen“, sagt Schulleiter Robert Troilett. Das heißt etwa auch, dass alle Jungs von elf bis 18 Jahren Krawatte tragen.

Mehr Konzentration, mehr Respekt

„Ein weiterer wichtiger Aspekt bei der Schuluniform ist: In unserem Leben mit Social Media, Smartphones und Tablets gibt es so viele Komplikationen. Durch die Kleidung haben wir bei unseren Schülern ein bisschen Raum geschaffen, in dem die Schüler sich nicht ständig vergleichen müssen.“ Troilett glaubt auch, dass die Konzentration im Klassenzimmer steigt, wenn sich die Schüler nicht um Oberflächlichkeiten wie Kleidung kümmern müssen.

Für die Lehrer herrscht übrigens keine Uniformierung, doch legt man hier auch Wert auf eher förmliche Bekleidung, für die männlichen Lehrkräfte etwa: Krawatte, Hemd, keine Jeanshosen. „Die Schuluniform ist ein Teil dessen, was wir in Zusammenhang mit gegenseitigem Respekt machen. Der Respekt muss immer von beiden Seiten kommen. Ich sage immer unseren Lehrern: Wenn wir die Kinder respektieren, werden sie uns auch respektieren.“

In eine ähnliche Richtung denkt auch Beuys-Schulleiterin Brochhagen-Klein: „Wir Lehrer setzen uns hier nicht mit Ver- oder Geboten durch, wir geben ein gutes Vorbild ab und liefern Argumente, die wir als richtig ansehen.“ Und damit fährt die Schule gut: In zehn Jahren gab es nicht einen Versuch, die einheitliche Kleidung wieder abzuschaffen.

>> SCHULUNIFORMEN SIND BEI UNS NICHT VORGESCHRIEBEN

Anders als in Großbritannien gibt es in Deutschland keine Schuluniformen. Das nordrhein-westfälische Schulgesetz sieht in §42 Abs. 8 lediglich eine Empfehlung vor: „Die Schulkonferenz kann eine einheitliche Schulkleidung empfehlen, sofern alle in der Schulkonferenz vertretenen Schülerinnen und Schüler zustimmen.“

Eine solche Empfehlung ist für Eltern jedoch nicht bindend – im Gegensatz zu allen anderen Beschlüssen der Schulkonferenz.

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