Weihnachtszeit

Der Zauber und die Macht der unerfüllten Wünsche

Wo die Wünsche noch gelesen werden: Birgit Müller schaut auf die oft liebevoll gestalteten Wunschzettel im Christkindpostamt Engelskirchen.

Foto: Kai Kitschenberg

Wo die Wünsche noch gelesen werden: Birgit Müller schaut auf die oft liebevoll gestalteten Wunschzettel im Christkindpostamt Engelskirchen. Foto: Kai Kitschenberg

Engelskirchen.  Alljährlich im Dezember erlebt das Wünschen einen Boom. Zeit, sich Gedanken darüber zu machen, welcher Zauber eigentlich in ihnen steckt.

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„Liebes Christkind“, steht auf dem Wunschzettel der fünfjährigen Michelle, der mit einem wasserfarbengemalten Tannenbaum und Sternchen verziert ist, „ich wünsche mir von dir ein Fahrrad, lila mit Herzen und Glitzer, Ohrringe, Nintendo 3 DS, Smartphone, Rätselbuch, Computer, Gitarre, Mikrophon, Playmobilhaus…“ und außerdem sieben weitere Dinge. Mit einem „bitte erfülle meine Wünsche“, endet der Brief. Bernd aus Dorsten hingegen wünscht sich „das Internet weg, dass die Menschen wieder Zeit füreinander haben.“ Darunter hat er mit Filzstiften sonnenbeschienene Schneehügel gemalt, von denen ein Junge auf einem Schlitten hinunter saust. Auf Leons Wunschzettel steht: „Liebes Christkind, ich bin eigentlich wunschlos glücklich, worüber ich mich trotzdem freuen würde: Dass es allen Menschen gut geht, Verbesserung der Flüchtlingsheime und dass die Flüchtlinge auch bleiben dürfen, eine Stereoanlage, gute Schulnoten, einen Fernseher, einen neuen Kleiderschrank, dass es meiner Familie immer gut geht und neue Kleider.“ Die achtjährige Lina aus Kirchhain in Hessen hat ihrem Brief, in dem sie sich eine „rosa Kamera“ wünscht, als Geschenk für das Christkind eine selbst gebastelte Halskette beigefügt. Und Lennard aus Wuppertal beklagt sich über die Hausaufgaben und schreibt: „Liebes Christkind, könnte Dein Chef mir helfen?“

130 000 Briefe aus 51 Ländern

Wer im Dezember einen Blick in die sich bis unter die Decke stapelnden gelben Plastikkisten im „Christkindpostamt“ im Bergischen Engelskirchen wirft, der bekommt Einblicke in die Vielfalt dessen, was Kinder bewegt. Zu Stoßzeiten treffen hier bis zu 10 000 Briefe pro Tag ein, adressiert an das Christkind. Im vergangenen Jahr waren es rund 130 000 aus 51 Ländern, darunter Japan, Chile, Schweden und Togo.

Der Dezember ist hierzulande die Hochzeit des Wünschens. Vielerorts fordern an Wunschbäumen baumelnde Kärtchen zur Erfüllung der Wünsche von Heimkindern (im Oberhausener Centro), geflüchteten Kindern (im Essener Grillo-Theater) oder Kindern aus wirtschaftlich schwachen Familien (im Velberter Rathaus) auf. Die Lokalradios, Caritas, Diakonie und der Verein Lichtblicke sammeln wieder Spenden, um Wünsche in Not geratener Familien zu erfüllen und im Fernsehen laufen fast täglich die Spenden-Galas.

Wunschgedanken und -vorstellungen, Sehnsüchte und Träumereien

Wünsche sind allgegenwärtig – nicht nur zur Weihnachtszeit. Ach hätt ich doch, oh wenn doch nur. Oder schlicht der „gute Tag“ oder der „herzliche Glückwunsch“: Wunsch und Wünschen, Wunschgedanken und -vorstellungen, Sehnsüchte und Träumereien, sie begleiten uns im Großen und im Kleinen durch den Alltag; manche auch durch das Leben hindurch. „Unsere Wünsche sind Vorgefühle der Fähigkeiten, die in uns liegen, Vorboten desjenigen, was wir zu leisten imstande sein werden“, schrieb Goethe in seiner Autobiografie „Dichtung und Wahrheit“. „Was wir können und möchten, stellt sich unserer Einbildungskraft außer uns und in der Zukunft dar; wir fühlen eine Sehnsucht nach dem, was wir schon im Stillen besitzen.“ -- „Wünsche sind antizipierte, also vorweggenommene, Zielzustände“, definiert Psychologin Marlies Pinnow, Leiterin der AG Motivation an der Ruhr-Universität Bochum. „Oder sogar positiv antizipierte Glückszustände, denn Wünsche haben immer eine Wenn-Dann-Verknüpfung.“ Als Menschen seien wir die einzigen Lebewesen mit Zukunftsvorstellungen, in Wünschen, die immer auf einen Zeitpunkt irgendwann in der Zukunft ausgerichtet sind, äußere sich das. Dabei unterscheidet die Psychologin in extrinsische, also von außen gesteuerte, auferlegte Wünsche, wie zum Beispiel bei der Berufswahl und intrinsische Wünsche, solche die aus sich selbst heraus entstehen.

Kinder wünschen heute selbstloser

„Als ich vor 25 Jahren angefangen habe, ehrenamtlich im Christkindpostamt zu arbeiten und die Briefe an das Christkind zu lesen, dachte ich: Spielen die Kinder gar nicht mehr miteinander?“ Seit 1985, seit erstmals ein Brief an „das Christkind bei den Engeln“ in den Postkisten auftauchte, betreibt die Deutsche Post das Christkindpostamt in Engelskirchen. Inzwischen sogar mit eigener Postleitzahl (51777 Engelskirchen). Als die Beamten aufgrund der Massen die Beantwortung der Briefe überforderte, stieg Birgit Müller, Frau eines inzwischen pensionierten Engelskirchener Schaltermitarbeiters, mit ein.

Der Wunsch nach Frieden für die Welt

Seither erhält sie alljährlich Einblick in das, was Kinder bewegt, wenn es auf Weihnachten zugeht. Auch in diesem Jahr liest sie wieder, gemeinsam mit zwölf weiteren Helferinnen, jeden einzelnen Brief und jeder bekommt eine standardisierte Antwort in einer der sieben verfügbaren Sprachen. Anfang der 90er-Jahre, erinnert sie sich, flatterten im Postamt hauptsächlich Wünsche nach Gameboys oder Pokémons ein. „Dann wurden wieder mehr Puppen, Baukräne und Bastelzubehör gewünscht“, erzählt die 55-Jährige, „und immer war ein offenbar von den Eltern vordiktierter Wunsch nach Frieden für die Welt dabei.“ Und heute? „Die Kinder sind inzwischen irgendwie viel aufgeklärter, sie wissen über alles Bescheid, sind im Geschehen drin und wünschen sich neben Spielzeug für sich auch manches für andere.“ Oft liest sie, Flüchtlingen möge es doch gut gehen, arme Menschen sollen genug zum Anziehen und ein Dach über dem Kopf haben, die Umwelt solle sich erholen. „Und das sind jetzt ganz spezielle Wünsche in den eigenen Worten der Kinder. Die immateriellen Wünsche nehmen in den letzten fünf Jahren eindeutig zu“, so Birgit Müller. Oft findet auch das Bedürfnis nach gemeinsamer Zeit mit der Familie, weniger Stress, mehr Ruhe und gemeinsamen Aktionen den Weg zum „Christkind“. „Ich glaube nicht, dass die Kinder immer maßloser werden“, sagt sie, „stattdessen wird immer mehr auch an andere gedacht.“

Drei Wünsche von der guten Fee

Laut einer Umfrage, in der die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) Anfang vergangenen Jahres 2000 Erwachsene für Spiegel Online befragte, welche drei Wünsche ihnen eine gute Fee erfüllen solle, falls sie einer solchen begegneten, sind auch hier die immateriellen Wünsche ganz vorne. Mehr als die Hälfte (56 Prozent) der Befragten wünschte sich Gesundheit, 10,5 Prozent davon sogar für andere. Finanzielle Sicherheit war für knapp 40 Prozent wünschenswert und 30,8 Prozent fiel Glück für die Familie ein. Direkt dahinter (mit 30,4 Prozent) steht dann aber der Wunsch nach Eigentum, wie einem Haus oder Auto. Für lediglich neun Prozent jedoch war der Weltfrieden unter den drei größten unerfüllten Wünschen. Umfragen anderer Institute danach, wovon die Deutschen träumen, bringen ähnliche Ergebnisse.

Wünsche wirken motivierend

„Wunschäußerungen und wunscherfüllende Vorstellungen verändern die Welt nicht, steigern aber die Lebensqualität und verbessern das Befinden“, schreibt Brigitte Bothe, pensionierte Professorin für Psychologie, Psychotherapie und Psychoanalyse in Zürich und mit „Anatomie des Wunsches“ Herausgeberin des bisher einzigen wissenschaftlichen Sammelbandes über diese Alltagsbegehren. „Wer Freude an wunscherfüllenden Vorstellungen hat und sich eine Zeit lang mit ihnen begnügt, statt ungeduldig zur Tat zu schreiten, erträgt Frustration, Verzicht und Misere vorübergehend besser, lernt Geduld zu haben und zu warten“, schreibt sie. Wünsche motivieren also und steigern, richtig dosiert, das Lebensgefühl.

Wünsche haben auch etwas Märchenhaftes 

An anderer Stelle zitiert Bothe Schneewittchens Mutter, die sich sehnlichst ein Kind wünscht und spricht von Märchen als den Wunschdichtungen schlechthin. „In alten Zeiten, wo das Wünschen noch geholfen hat“; so beginnt der Grimm’sche Froschkönig. Neben dem Fantastischen mache, so Bothe, die Wunscherfüllung das Märchen zum Unikat in der Vielfalt der literarischen Gattungen. Für Rolf Peter Kleinen, unter anderem Kommunikationstrainer, Erzähler, Dozent der Europäischen Märchengesellschaft und Ausbilder zum Märchenerzähler am Figurentheater-Kolleg in Bochum, sind Zaubermärchen (im Gegensatz zu Kunstmärchen) eine Manifestation des motivierenden Charakters von Wünschen. „Die Märchen der Brüder Grimm haben oft Helden im Blick, die über alle Gebote und Verbote hinweg handeln, um letztendlich zu sich selbst zu finden. Schein und Sein“, sagt er, „das ist das eigentliche Thema der Zaubermärchen.“ Ohne dass eine wunscherfüllende gute Fee auftauchen muss, erfüllen sich hier die Sehnsüchte: Ein für dumm gehaltener jüngster von drei Söhnen geht schlau und warmherzig seinen Weg und gewinnt ein Königreich. „Die Märchenheldinnen und -helden, die sich auf ihrem Weg den Zumutungen und Herausforderungen stellen, finden endlich zu ihrem Königtum. Ihnen fällt zu, was ihnen seit jeher gehört. Zaubermärchen sind Königsgeschichten“, sagt Kleinen. Oft sind Märchen die erste Begegnung von Kindern mit Literatur. Sie entführen die jungen Zuhörer in Abenteuer voller Gefahren und Herausforderungen. Der Märchenexperte geht so weit, zu sagen: „Mit Offenheit und Aufmerksamkeit, Mut und Witz bewältigen Märchenfiguren scheinbar unlösbare Aufgaben. Dadurch dass sie so transparent gezeichnet sind, identifizieren Kinder sich mit ihnen, gewinnen so Zutrauen für das eigene Leben und erfahren Ermutigung, sich mehr und mehr auf die eigenen Füße zu stellen. Märchen können sogar suchtpräventiv sein.“

Wonach du sehnlich ausgeschaut,/ Es wurde dir beschieden./ Du triumphierst und jubelst laut:/ Jetzt hab ich endlich Frieden!

Ach, Freundchen, rede nicht so wild./ Bezähme deine Zunge./

Ein jeder Wunsch, wenn er erfüllt,/ Kriegt augenblicklich Junge. Wilhelm Busch

Was der deutsche Dichter und Humorist Wilhelm Busch (1832-1908) ganz abseits von „Max und Moritz“ schon über Wünsche wusste, bestätigt auch die Bochumer Motivationspsychologin Marlies Pinnow: „Ein Wunsch ist zwar ein Ausdruck des Zustandes Motivation“, sagt sie. „Wenn es sich um intrinsische Wünsche handelt“, sagt sie, „schaffen die Wünschenden die Dinge aus sich selbst heraus und dann wird die Erfüllung realistischer.“

Wenn dann aber der Wunsch erfüllt ist, mache das nicht unbedingt glücklich: „Erledigtes vergisst man sehr schnell wieder und oft bleibt nur ein fahler Geschmack.“ Zahlreiche Geschichten über unglücklich gewordene Lotto-Könige, die sich viele ihrer materiellen Wünsche erfüllen konnten, zeugen von dieser Lebenseinsicht.

Wünsche dürfen grenzenlos sein

Wenn also jetzt, zur Weihnachtszeit, Kinder in Worte gefasste Wünsche zu Papier bringen, steht deren Erfüllung dann vielleicht der so dringend ersehnten Harmonie unter dem Baum entgegen? Die Hannoveraner Psychologin Elke Leger beruhigt angesichts solcher Befürchtungen. In einem Essay über die „Kunst des Schenkens – Wie Eltern richtig auf Kinderwünsche reagieren“ schreibt sie: „Das Kind darf sich alles wünschen, denn Wünsche sind grenzenlos. Wünsche haben ihre Heimat in der Fantasie, und dieses Recht ist kostbar und frei von Zensur. Die Aufgabe der Eltern ist es, aus diesem uferlosen Wünscheland eine Auswahl zu treffen, die der Vernunft gehorcht.“

Die Herzens-Wünsche von den Strohfeuer-Wünschen zu unterscheiden, auch mal pädagogisch wertloses Spielzeug zuzulassen, Kinder mit dem Geschenkten nicht alleine zu lassen und vor allem Zeit und Zuwendung für den Nachwuchs zu finden, darin liege die wahre Kunst der Wunscherfüllung.

Wünsche als Urlaub von der Krankheit 

Eigentlich ist Clarissa ein ganz normales Mädchen. Zu Weihnachten erhofft sie sich Sachen von Lego Friends unter dem Tannenbaum zu finden. Sie schwimmt, bastelt und malt gerne und liebt Hunde. Mit ihren Freundinnen spielt die Neunjährige zur Zeit am liebsten mit den buntbehaarten Troll-Figuren, die wieder voll im Trend sind und sehnt sich danach, den Film dazu zu schauen. Sie ist Marco-Reus-Fan, tobt und klettert gerne. Verschmitzt lächelnd sagt das zarte, blonde Mädchen: „Ich werde eigentlich nur müde, wenn ich zu lange vor dem Fernseher sitze.“ Clarissa ist eine ganz normale Viertklässlerin -- dank einer künstlichen Herzklappe. Die Dortmunderin wurde mit einem seltenen Herzfehler geboren und hat bereits drei Operationen daran hinter sich. Und sie bekam – anders als die meisten ihrer Altersgenossen – kürzlich, nach ihrer jüngsten Operation, einen Herzenswunsch erfüllt.

Clarissa durfte bei den Dreharbeiten zur Kindersendung „Löwenzahn“ in Berlin dabei sein. Durfte den Fernseh-Hund Keks streicheln und mit Peter-Lustig-Nachfolger Fritz Fuchs plaudern, der tatsächlich Guido Hammesfahr heißt. Sie durfte den blauen Bauwagen erkunden, durch die Fernsehkamera schauen und Testbilder machen.

„Löwenzahn ist schon meine Lieblingssendung.“

Strahlend sitzt sie jetzt auf dem Sofa im ganz in schwarz-weiß gehaltenen Wohnzimmer ihrer Mutter und zeigt stolz das große Löwenzahn-Lexikon, das ihr als Erinnerung an den aufregenden Tag mitgegeben wurde. „Das war das erste Mal, dass mir so ein Wunsch erfüllt wurde“, sagt sie. „Ich mag Keks, den Bauwagen, Fritz Fuchs, den Kiosk und die Geschichten. Löwenzahn ist schon meine Lieblingssendung.“

„Wünsche erfüllt zu bekommen ist wie Urlaub von der Krankheit“, sagt Franz Stute, der seit 16 Jahren ehrenamtliches Mitglied im Vorstand des Kölner Vereins wünschdirwas ist. In 27 Jahren verwirklichte der Verein über 8000 Herzenswünsche von schwer erkrankten Kindern und Jugendlichen. Seit 2012 fördert er Projekte in Kliniken und arbeitet mit über 90 Krankenhäusern im ganzen Bundesgebiet zusammen. Clarissa wurde nach ihrem letzten großen Eingriff am offenen Herzen im Mai von einer Sozialarbeiterin im Uniklinikum in Köln gefragt, ob der Verein auch ihr einmal eine Freude machen könne.

Wünsche können Berge versetzen

Dabei sieht der Verein, der mit vielen Prominenten „Botschaftern“ wie Cornelia Funke, Lena Meyer-Landrut, Bülent Ceylan, Jürgen Klopp oder Markus Maria Profitlich zusammenarbeitet und insgesamt 130 ehrenamtliche Helfer beschäftigt, in der Wunscherfüllung weit mehr, als den Kindern schlicht etwas Spaß zu bereiten: „Kindern nimmt man durch eine schwere Krankheit die schönste Phase ihres Lebens“, sagt Vorstandsmitglied Franz Stute (72). „Wir können natürlich keine Kranken gesund machen. Aber eine solche Wunscherfüllung kann Berge versetzen und ist ein wichtiger Bestandteil des Heilungsprozesses.“ In Abstimmung mit den Kliniken hat der Verein ein Raster entwickelt, nach dem Kinder sich etwas wünschen dürfen: Die jeweilige Klinik muss aus medizinischem Blickwinkel ihr Einverständnis geben, die Krankheit muss aber auch ein gewisses Maß an Schwere haben oder chronisch sein. Im Fokus stehen kleine Patienten mit Krebs, Mukoviszidose, Diabetes und solche, die nach einem Schlaganfall oder Unfall in der Reha sind. Dabei ist es möglich, dass die Klinikmitarbeiter Kinder ansprechen, man kann aber auch Wünsche einreichen. 95 Prozent davon könnten auch durchgeführt werden, berichtet Stute. „Einen Flug zum Mond können wir natürlich nicht gewährleisten, aber wir stellen fest: Meistens sind es Wünsche, die uns finanziell nicht aus der Bahn werfen.“

„Ich kann doch alles machen, was die anderen auch machen.“

Es ist, wie Mediziner und Vereinsmitglieder festgestellt haben, das Gesamtpaket, das heilend wirkt. „Schon die Vorfreude auf das jeweilige Ereignis, ist die Möglichkeit, die Krankheit einmal zu vergessen“, sagt Stute. „Sie öffnet Gedankenfenster, Besonderes hat plötzlich Platz. Schon die Vorfreude schenkt neuen Lebensmut und viel positive Energie.“ Kombiniert mit der Wunscherfüllung an sich und den „Nachwirkungen“, wie Stute es nennt, „zehren die Kinder und Jugendlichen noch lange daran und aktivieren Selbstheilungskräfte.“ Dazu beizutragen, schenkt auch ihm selbst Freude: „Ich hatte das große Glück ein sehr schönes Leben zu haben“, sagt er. „Jetzt kann ich ein Stück, von diesem Glück abgeben.“

In den knapp drei Jahrzehnten hat der Verein auch ein großes Netzwerk und Kooperationen aufgebaut, die bei der Wunscherfüllung helfen und die Kosten gering halten. Ein Flug mit dem Hubschrauber, ein Besuch im Giraffengehege, eine Spurensuche gemeinsam mit einem Archäologen oder ein Treffen mit prominenten Idolen; meistens klappt das.

Clarissa hätte gerne Marco Reus persönlich kennen gelernt. Doch der wollte nicht. Also entschied sich die Neunjährige kurzerhand für Löwenzahn – nicht zuletzt wegen des Hundes. Den „Urlaub von der Krankheit“ können sie und ihre Mutter Sandra nur bestätigen: „Schon der Weg dahin, sich einen Wunsch zu überlegen, dann den Zettel abzugeben, das war sehr schön und aufregend“, erinnert sich Mutter Sandra Tietz (39). Auch wenn Clarissa und ihre Mutter mit der Herzklappe gut leben können. „Ich kann doch alles machen, was die anderen auch machen“, sagt Clarissa. „Das schlimmste an der großen Operation im Mai war es, schon aufzuwachen, als meine Eltern noch nicht bei mir waren.“ Mutter Sandra (39): „Ich sehe in dieser Wunscherfüllung keine Entschädigung für irgendwas, sondern es war einfach etwas Schönes.“ Im September fuhren die beiden gemeinsam mit Cousine Adina nach „Bär­stadt“, dem fiktiven Spielort der Kindersendung. „Ich habe mich riesig darauf gefreut und konnte es kaum erwarten“, erzählt Clarissa. „Den Hund Keks zu streicheln und auf den Bauwagen zu klettern, die Kamera zu halten, eigentlich war alles ganz toll“, schwärmt sie.

  • Den Verein wünschdirwas gibt es seit 1989. Seit 2009 betreibt er auch ein Ferienhaus in Ostfriesland, unter anderem auch, um den so genannten „Schattenkindern“, gesunden Geschwistern, eine schöne Zeit zu ermöglichen.
  • Seit 2012 gibt es das Klinikprojekt, durch das Kinderfeste, Clownsvisiten oder Spielräume gestaltet werden, um etwas Abwechslung und Farbe in langwierige Klinikaufenthalte zu bringen. Der Verein finanziert sich ausschließlich aus Spenden.
  • Wer ihn unterstützen möchtekann seine Spende überweisen an die:
  • Sparkasse Köln/Bonn
  • Konto: 19 5195 1951
  • BLZ: 370 501 98
  • IBAN: DE77 3705 0198 1951 9519 51
  • SWIFT-BIC: COLSDE33
  • Alle Infos unter www.wünschdirwas.de oder Tel.: 0221 / 48 40 25

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