Geniessen

Das „Schwarze Gold“ Lakritz: eine Süßigkeit, die polarisiert

Einfach nur Süßholz raspeln reicht hier nicht: Lakritz gibt’s in vielen Formen und Geschmacksrichtungen.

Einfach nur Süßholz raspeln reicht hier nicht: Lakritz gibt’s in vielen Formen und Geschmacksrichtungen.

Foto: Istock/fotograv

Berin/Essen.   Lakritz zieht verschiedene Reaktionen. Entweder man liebt die Süßigkeit aus Süßholz – oder nicht. Doch warum? Wir wagen einen Erklärungsversuch.

Für viele Menschen ist Süßholz eine echte Droge. Für Apotheker beispielsweise, denn sie bezeichnen als Droge haltbar gemachte Pflanzenteile mit pharmazeutischer Wirkkraft – und davon hat Süßholz jede Menge. Sie soll Erkältungssymptome lindern und den Magen-Darm-Trakt beruhigen. Für viele andere geht es bei ihrer Lakritzsucht aber eher um den Geschmack. Dabei polarisiert die Süßigkeit aus Süßholz: Entweder man liebt das „schwarze Gold“ – oder eben nicht.

Lakritz: Im Grab von Tutanchamun

Und das nicht erst seit gestern: „Der englische Apotheker George Dunhill hat erstmals Lakritz mit Zucker vermischt und sie als Medizin verkauft, das war 1760“, erzählt Markus Schäfer, Geschäftsführer der Bamberger Süßholz-Gesellschaft. Die Organisation hat die Tradition des Süßholzanbaus wieder aufleben lassen. Denn Bamberg war einst das Zentrum des Süßholzanbaus in Deutschland. Heute wird die Wurzel überwiegend aus China und Zentralasien importiert.

Seine Verwendung lässt sich bis in das 14. Jahrhundert vor Christus zurückverfolgen, so Schäfer. „Tatsächlich war Süßholz eine der Beigaben im Grab von Tutanchamun.“ Im Altertum war Süßholz weit verbreitet. „Als es noch keinen Zucker gab, hatte man zwei Möglichkeiten zum Süßen: Honig oder Süßholz“, so Schäfer. Erst die Zuckerrübe hat das Süßholz im 19. Jahrhundert verdrängt. Im Lakritz hat die Wurzel aber überlebt. Wobei das in Deutschland gängige Lakritz nur Spuren von echtem Süßholz aufweist.

Das beste Lakritz kommt aus dem Norden

Echte Connaisseure kaufen im Ausland oder in Fachgeschäften wie dem Lakritz-Kontor im Wuppertaler Luisenviertel. Susanne Pfaff verkauft hier vor allem holländisches Salzlakritz und skandinavische Sorten. „Das beste Lakritz kommt aus dem Norden“, erzählt sie. In Finnland werde der Süßholzgeschmack mit Aromen von Birne, Blaubeere und mehr kombiniert.

„Die meisten meiner Kunden wollen erst einmal das Salzlakritz“, erzählt sie. Das sei in Deutschland nur schwer zu bekommen. „Viele haben das mal im Urlaub in Holland entdeckt und wollen es wieder haben.“ Stammkunden schwenkten dann oft zu skandinavischen Produkten, so Pfaff, vor allem wegen der Vielfalt.

Salmiak gibt das gewisse Etwas

Das Salz im Lakritz ist chemisch betrachtet übrigens Salmiak, das,genau wie Süßholz bei Erkältungssymptomen helfen kann – und einen scharfen, fast chemischen Geschmack hat; für viele macht genau das den Kick aus. Da ein hoher Salmiakgehalt für Kinder aber schädlich sein kann, muss Lakritz mit mehr als zwei Prozent Salmiakgehalt die Bezeichnung „Erwachsenenlakritz“ besitzen, ab 4,5 Prozent den Zusatz „extra stark“. Warnhinweis oder Qualitätssiegel — alles eine Frage der Perspektive. Mehr als 7,99 Prozent Salmiak ist in der EU verboten, „die Holländer reizen das noch voll aus“, schwärmt Pfaff.

>>> INFO: Lakritzsorten

Salmiakpastillen enthalten hohe Mengen an Salmiak und werden vor allem als Medizin bei Erkältung eingesetzt. Salmiak wirkt schleimlösend. Die Konsistenz ist spröde und der Geschmack scharf. Typisch ist die Rautenform der Pastillen, die es in der Apotheke zu kaufen gibt.

Festes Hartlakritz wird hergestellt, indem Süßholzpulver mit Mehl und Zucker eingekocht wird. Die schwarze Farbe entsteht zwar auch beim Einkochen von Süßholzwurzeln; im Lakritz kommen aber Farbstoffe oder Pflanzenkohle zum Einsatz.


Weichlakritz wird entweder mit Stärke oder Gelatine hergestellt. Je nach Herstellungsweise variiert die Konsistenz, sie kann zum Beispiel in eine Gummibärchen-Form gegossen, aber auch in Stangenform gepresst werden.

Salmiak wird sowohl als Zutat in die Lakritzmasse gegeben, als auch – gemischt mit Zucker – als salzige Hülle um das Lakritz gepackt. Das sogenannte Salzlakritz enthält dadurch ihren ganz be-sonderen Geschmack.

Das kann Süßholz noch:
Die Wurzeln des Süßholzstrauchs sind nicht nur der tiefschwarze Grundstoff für Lakritz, sondern auch ein beliebtes Heilmittel.

Bei Husten oder Heiserkeit im Herbst kann ein Tee aus Süßholzwurzeln helfen. Dazu benötigt man nicht die ganzen Wurzeln am Stück, sondern ein Pulver. Das gibt es in Drogerien oder Apotheken zu kaufen. Ein bis zwei Teelöffel des Pulvers in einer Tasse mit kochendem Wasser übergießen und etwa 15 Minuten ziehen lassen. Wer die Süßholzwurzeln selbst raspeln möchte, kann das allerdings auch. Nach dem Aufbrühen abseihen und in kleinen Schlucken trinken. Für mehr Power gegen einen hartnäckigen Husten können noch Fenchel-Samen, Spitzwegerich-Blätter und Anis-Samen dazu gemischt werden.


Wem die Süßholzwurzel an sich noch nicht süß genug ist, der kann die Pflanze als Pulver auch mit Honig vermischen. Der Süßholzanteil wirkt in Verbindung mit dem Honig entzündungshemmend. Eine Tinktur hat eine ähnliche Wirkung, allerdings ist sie deutlich stärker im Geschmack als der Honig. Für die Tinktur Süßholzwurzeln mit Doppelkorn oder Weingeist in ein Glas mit Schraubverschluss geben. Vier bis sechs Wochen ziehen lassen und täglich die Mischung schütteln.

Süßholzwurzeln können in verschiedener Form bei Magenbeschwerden, Kopfschmerzen, Bronchitis und Heißhungerattacken helfen. Aber Vorsicht, die Wurzeln sollten nicht länger als vier Wochen am Stück eingenommen werden.

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